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Agroscope: Bunte Blumen in den Fahrgassen von Rebbergen bringen Mehrwert

Eine neue Saatmischung soll Pflanzenvielfalt und Farbe in die artenarmen Fahrgassen der Schweizer Rebberge bringen. Experten ziehen eine erste Zwischenbilanz zum Experiment.


Sachte umfasst Katja Jacot eine Nisthilfe für Wildbienen, die mitten in einem Rebberg in Watt bei Regensdorf ZH hängt. Die fliegenden Nützlinge gehören zu dem Projekt, das von der Forschungsanstalt Agroscope – mit Unterstützung durch mehrere Stiftungen, dem Bundesamt für Umwelt (BAFU), dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und OH Samen – vor zwei Jahren gestartet wurde. Die Agronomin ist wissenschaftliche Co-Leiterin des Projektes, bei dem mittlerweile rund 50 Winzerinnen und Winzer aus zahlreichen Regionen des Landes mitmachen. Zusammen mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) forschte Agroscope intensiv an einer Saatmischung, welche Artenvielfalt und gesunde Reben in die Weinberge bringen soll.

Nützlinge anlocken und Schädlinge vertreiben

Die Fahrgassen, die bis anhin fast ausschliesslich mit Gräserarten, Löwenzahn und Hahnenfuss bewachsen waren, sollten agrarökologisch aufgewertet werden. Im neu ausgetüftelten Saatgut sind rund 30 Pflanzenarten wie Ackersenf, wilde Möhre, Esparsetten, Flockenblumen und Hornklee enthalten. Diese sollen mit angepasster Bewirtschaftung konkurrenzstarke Arten wie zum Beispiel Raygras zurückdrängen. Durch die angestrebte Pflanzenvielfalt und Blütendichte erhoffen sich die Forschenden, dass auch Bestäuber und andere Nützlinge in den Weinberg gelockt und dadurch die Schädlinge dezimiert werden.

Es blüht immer etwas

Die Zwischenbilanz ist erfreulich: «Bei rund 80 Prozent der Winzerinnen und Winzer verläuft das Experiment erfolgreich», sagt Katja Jacot. Das heisst, dass viele der gesäten Arten regelmässig in den Fahrgassen aufkommen. «Vom Frühling bis tief in den Herbst hinein blüht immer was», konkretisiert die Expertin. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Fahrgasse statt viermal nur noch ein- bis zweimal im Jahr geschnitten werden muss. Auch wenn die Ergebnisse in den Weinbergen bis jetzt positiv sind, forschen die Wissenschaftler weiter. «Wir sind immer noch in der Entwicklungsphase», betont die Agronomin. Denn wenn 80 Prozent erfolgreich sind, heisst das, dass es bei 20 Prozent der angesäten Flächen nicht funktioniert hat. Woran liegt es?

Von Hand säen könnte helfen

Jacot sieht verschiedene Faktoren, die zu einem Misserfolg hätten beitragen können. Manchmal war die Sämaschine nicht optimal eingestellt und die kleinen, leichten Samen wurden zu tief in den Boden gedrückt. «Bei kleinen Flächen ist es sicher von Vorteil, wenn von Hand angesät wird», sagt die 49-Jährige. Die Ansaatfläche pro Rebparzelle beträgt zwischen 200 und 800 Quadratmetern.

Oder der Boden war für die angesäte Mischung zu nährstoffreich und zu tonhaltig, das begünstigt das Wachstum der falschen Pflanzen. «Wir müssen die Mischung jeweils den Böden anpassen», sagt Jacot. Ausserdem spielt das Klima eine Rolle: «Im Klettgau ist es trockener als am Zürichsee.»

Es gibt vieles zu beachten beim Management der Fahrgassen, die mit dem Powersaatgut angesät wurden. So ist es entscheidend, die richtige Schnitthöhe zu wählen. «Wenn man unter 10 Zentimeter schneidet», erklärt die Expertin, «wird das Wachstum der falschen Gräser gefördert und die frisch gekeimten Wildblumen geschwächt.» Sofort nach dem Säen muss der Boden gewalzt werden – aber mit der richtigen Walze. «Die Rauhwalze eignet sich dazu optimal», präzisiert sie.

Keimlinge vor den Schnecken retten

Ausserdem eignet sich eine Junganlage für die Ansaat besser, weil sich noch keine starke Grasnarbe entwickelt hat. Und im ersten Jahr soll der Säuberungsschnitt vor dem Versamen von unerwünschten Arten wie Amaranth vorgenommen werden. «Nicht zu vergessen die Unterstockpflege», erklärt die Agronomin, «wenn man die vernachlässigt, fressen die Schnecken die frisch gekeimten Kräuter.»

All diese Erkenntnisse konnten Jacot und ihr Team nur dank des engen Austauschs mit den experimentierfreudigen Winzerinnen und Winzern gewinnen. «Dieses Feedback ist extrem wichtig», betont sie, «es verschafft uns die Erfahrungen, die es für die Weiterentwicklung und die Umsetzung in die Praxis braucht.»

Genügend Nahrung für Nützlinge ist bereit

Grosse Hoffnungen setzen die Wissenschaftler auf Wildbienen und Schlupfwespen. Durch die neue Pflanzenvielfalt steht den Nützlingen ein üppiges Buffet zur Verfügung. Jacot und ihr Team haben in einem Pilotversuch in jeweils zwei «erfolgreichen» und zwei «misslungenen» Rebbergen Eier und Larven von drei Wildbienenarten in Nisthilfen ausgesetzt. Im nächsten Frühling wird sich zeigen, ob die geschlüpften Wildbienen tatsächlich in diese Rebberge zurückkehren und dort eine Population aufbauen, wenn die passende Nahrung vorhanden ist.

Pflanzenschutz kann fatal sein

Die Sache hat jedoch einen Haken: Wenn zu viel Pflanzenschutzmittel oder bei hohem Blütenangebot gespritzt wird, könnten die neuen Populationen darunter leiden. «Das wäre fatal», gibt Jacot zu bedenken. Auch Bio-Spritzmittel wie Kupfer könnten die Tiere töten. Auch deshalb wird bei Neuanlagen vermehrt darauf geachtet, dass pilzresistente Sorten gepflanzt werden, die weniger Spritzmittel brauchen. «Die Forschung macht in dieser Hinsicht grosse Fortschritte», sagt sie, «die Reben der Zukunft werden tatsächlich mit viel weniger Pflanzenschutz auskommen.»

Wirkung auf KEF und Reben wird untersucht

Was die Schlupfwespe betrifft, haben die Wissenschaftler im Rahmen dieses Projektes bis anhin keine Daten erheben können. Auf den kleinen Nützling setzen sie grosse Hoffnungen. «Zurzeit sehen wir noch keine Auswirkungen auf die Kirschessigfliege KEF», sagt Jacot, «aber wir machen erste Untersuchungen bei der diesjährigen Traubenernte.»

Auch bei der Frage, welchen Effekt die Powersaat auf die Rebe, bzw. die Traube hat, ist Geduld angesagt. Antworten sollen Messungen im nächsten Jahr liefern.

Neue Versuche mit Herbstsaaten

Ein Novum sind die Versuche mit Herbstsaaten diesen September. Bisher wurden die Saatmischungen stets im Frühling ausgebracht. «Ich kann mir gut vorstellen, dass die Herbstsaat der artenreichen Mischung für gewisse Lagen eine Option ist», sagt die Agronomin.

Ziel des Projektteams ist es, die Winzer so lange wie möglich zu begleiten und die Mischung des Saatguts und die Bewirtschaftung ständig weiter zu optimieren. Eigentlich läuft das Projekt Ende 2021 aus, doch Jacot hofft auf eine Verlängerung: «Wir geben alles, um zusammen mit unseren Winzerinnen und Winzern erfolgreich zu sein.»

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