Wandfluh fordert ausserordentliche Lage – Trockenheit und Kuh-Krankheit setzen Bauern doppelt zu

Der SVP-Nationalrat verlangt vom Bundesrat die Prüfung der ausserordentlichen Lage. Er begründet dies mit der Dürre und mit der Krankheitswelle bei Milchkühen und fordert einen höheren Milchpreis.

Die Trockenheit dieses Sommers und die anhaltend unklare Krankheit bei Milchkühen verstärken sich gegenseitig – das ist die Kernaussage, mit der Nationalrat Ernst Wandfluh (SVP, Bern) diese Woche an die Öffentlichkeit ging. Er fordert den Bundesrat auf, zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine ausserordentliche Lage wegen der Trockenheit erfüllt sind.

Eine ausserordentliche Lage ist eine Stufe, die der Bundesrat gestützt auf das Landesversorgungsgesetz ausrufen kann, wenn die Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Gütern ernsthaft gefährdet ist. Sie erlaubt dem Bund, rasch und ohne die üblichen langwierigen Verfahren Massnahmen zu ergreifen – im vorliegenden Fall etwa den Einsatz der Armee für Wassertransporte und Pumpeneinsätze in besonders betroffenen Regionen.

Niederschlagsdefizit vergleichbar mit anderen Jahren

Ernst Wandfluh stützt seine Forderung auf das Niederschlagsdefizit seit April, das er als historisch hoch bezeichnet und mit den bekannten Dürrejahren 1976, 2003 und 2018 vergleicht. Als konkrete Folge nennt er, dass im vergangenen Monat rund 3500 Kühe mehr geschlachtet wurden als im Vorjahr. Bauern zehren damit bereits jetzt ihre Wintervorräte an.

Zwei Krisen, die sich überlagern

Zur Trockenheit kommt eine zweite, davon unabhängige Belastung hinzu: die Krankheitswelle bei Milchkühen, über die die BauernZeitung in den letzten Wochen mehrfach berichtet hat. Betroffene Tiere leiden unter Fieber, Durchfall und starkem Milchrückgang, bei einzelnen Kühen kommt es zu Aborten oder zum Tod. Ob ein Virus (Bsp. Schmallenberg), der Hitzestress oder ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren dahintersteckt, ist wissenschaftlich weiterhin nicht abschliessend geklärt.

Wandfluh verzichtet in seiner Mitteilung bewusst auf eine Festlegung auf eine Ursache und spricht von einer «noch nicht abschliessend geklärten Erkrankung». Für die betroffenen Betriebe zählt ohnehin vor allem der bereits eingetretene Schaden: weniger Milch, mehr Tierarztkosten, und ein Tierbestand, der laut Wandfluh in den kommenden Jahren gefährdet ist.

Forderung nach höherem Milchpreis

Der SVP-Nationalrat nutzt die Gelegenheit auch, um die Milchbranche zu einer Preiserhöhung um mindestens 4 Rappen pro Kilogramm aufzufordern. Seine Argumentation: Notschlachtungen und krankheitsbedingte Milchausfälle sorgen nach Monaten der Überproduktion nun für eine spürbare Verknappung des Angebots – aus seiner Sicht eine veränderte Marktlage, die eine Preisanpassung rechtfertigt. Die Mehrkosten durch Trockenheit, Futterknappheit und Krankheit müssten entlang der ganzen Wertschöpfungskette mitgetragen werden, nicht allein von den Milchproduzentinnen und -produzenten. «Jetzt ist entschlossenes Handeln gefragt», erklärt Wandfluh dazu.

Was die SMP zur aktuellen Lage sagt

Auf Anfrage der BauernZeitung bestätigt die Schweizer Milchproduzenten (SMP), dass sich die Krankheitswelle spürbar auf die angelieferten Milchmengen auswirkt – wie stark, lässt sich aber noch nicht beziffern, weil sich die Effekte von Hitze, Trockenheit, Futterknappheit und Krankheit derzeit nicht sauber voneinander trennen lassen. Die Rückmeldungen aus den Regionen reichen von kaum betroffenen Gebieten bis zu Mengeneinbrüchen von gegen 10 Prozent, besonders angespannt ist die Lage laut SMP in Teilen der Westschweiz. Das Raufutter sei vielerorts bereits knapp.

Zur Preisfrage hält die SMP fest, dass der A-Richtpreis im Februar um 4 Rappen auf 78.0 Rappen pro Kilogramm gesenkt wurde und seither eingefroren ist – ausbezahlt kommen manche Produzentinnen und Produzenten auf deutlich unter 50 Rappen. Der C-Preis liegt trotz leichter Erholung bei nur 28 Rappen, weit unter den Produktionskosten. Die SMP zeigt Verständnis für die Forderung nach einem höheren Preis und signalisiert: Sollten sich die Produktionsrückgänge akzentuieren und die derzeit noch hohen Lagerbestände abbauen, werde man sich für eine Erhöhung einsetzen. Eine Prognose bis Jahresende sei aber nicht möglich.

Auch Freiburger Milchverbände fordern die Branche zum Handeln auf

Dass der Druck auf die Branchenorganisation Milch (BOM) wächst, zeigt auch eine Pressemitteilung von Agri Freiburg und dem Freiburgischen Milchverband (FMV). Die beiden Organisationen erinnern daran, dass die Schweizer Milchproduktion in den letzten zehn Jahren rückläufig war, während die Molkereien ihre Verarbeitungskapazitäten entsprechend angepasst haben – ein Ungleichgewicht, das im Winter 2025/2026 den Markt bereits stark belastet hatte. Die BOM hat deswegen eine Kommission eingesetzt, um eine Wiederholung eines solchen Szenarios zu verhindern.

Agri Freiburg und der FMV haben dieser Arbeitsgruppe nun ein gemeinsames Schreiben zugestellt. Ihre Kernbotschaft: Die Landwirtschaftsbetriebe könnten nicht ständig als Einzige die Risiken tragen, ob klimabedingt oder wirtschaftlich. Die beiden Verbände wollen zudem künftig enger zusammenarbeiten und fordern eine verstärkte Vermarktung von Schweizer Milch und einheimischen Agrarprodukten, um dem rückläufigen Trend entgegenzuwirken.

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