Die Risse von Nutztieren im Luzerner Talgebiet in den letzten Wochen und die Stimmung in der Bauernschaft zur Wolfsproblematik waren auch Thema an der November-Vorstandssitzung des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes (LBV). Gefordert wurde, dass der Verband eine aktivere Rolle einnimmt, zusammen mit weiteren Verbänden wie allenfalls dem Alpwirtschaftlichen Verein oder der Arbeitsgemeinschaft für die Bergbevölkerung.

Mehr Engagement gefordert

Die Stimmung in der Bauernschaft im Berggebiet sei nach wie vor aufgeheizt, stellte Vorstandsmitglied Hella Schnider, Gemeindepräsidentin von Flühli, fest. Nun sei aber auch ein Unbehagen im Mittelland festzustellen. «Man nimmt den Wolf nun auch hier wahr.» So breite sich die schlechte Stimmung auch in neue betroffene Regionen aus.

Die Herausforderung sei, dass mit mehr Geld für den Herdenschutz das Problem nicht an der Wurzel gelöst werden könne. Zudem sei die Wirkung beschränkt, meinte Schnider. Der Vorstand begrüsst sehr, dass nun auf eidgenössischer Ebene Gesetzesanpassungen vorgesehen sind für erleichterte Abschüsse. Der LBV erwarte aber auch vom Kanton ein grösseres Engagement, finanziell und personell, zumal die heutigen Mittel bei weitem nicht mehr reichen würden.

Theorie und Realität

Gemäss wissenschaftlicher Theorie sei zwar der für die Schweiz mögliche Wolfbestand noch nicht erreicht, aber schon heute seien die Probleme enorm. Festgestellt wurde auch, dass die Meldungen von Rissen unbefriedigend laufen, der Kanton nur spärlich informiere. Es sei auch unbefriedigend, wenn nach Rissen die DNA-Analyse abgewartet werden müsse, bevor gehandelt werde. Der LBV prüft, selber als Meldestelle für betroffene Tierhalter aufzutreten. Zur Wolfsproblematik soll nun schriftlich beim Kanton interveniert und mehr Massnahmen verlangt werden.

«Wölfe nicht füttern»
Im Kanton Schwyz hat im November der Kantonsrat mit grosser Mehrheit gegen den Willen der Regierung eine Standesinitiative beschlossen. Damit soll in Bern interveniert werden, dass die wachsende Wolfspopulation stärker reguliert wird und Wölfe früher abgeschossen werden können, wenn sie denn Schäden verursachen.

Der Kanton Luzern veröffentlichte Mitte November eine Medienmitteilung, wonach im Kanton mit einer vermehrten Wolfspräsenz zu rechnen sei. Es wurde darauf hingewiesen, welche Verhaltensregeln bei Begegnungen mit dem Wolf zu beachten seien.

BBZN unterstützt
Die eigentliche Wiederbesiedlung der Schweiz durch Wölfe habe schon in den 1990er-Jahren im Wallis begonnen. Inzwischen hätten sich 20 Rudel in vielen Kantonen gebildet. Auch in Luzern, wo seit 2009 immer wieder Wölfe gesichtet wurden, werde die Ausbreitung zu spüren sein.

Im Umgang mit dem Wolf seien der Herdenschutz und Verhaltensmassnahmen besonders wichtig. Konflikte könnten so zumindest vermindert werden. Bezüglich Herdenschutzmassnahmen stelle die nationale Fachstelle Agridea Informationen zur Verfügung. Für die konkrete Umsetzung könne auf die Beratung und Unterstützung vom Herdenschutzberater des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung (BBZN) in Schüpfheim zurückgegriffen werden. Die für den Herdenschutz empfohlenen Massnahmen würden nachweislich zum Schutz der Nutztiere beitragen.

Ohne diese seien Nutztiere hingegen eine leichte Beute für den Wolf. Risse sollen umgehend der Wildhut oder der Dienststelle Lawa gemeldet werden.

Verhalten gegenüber Wolf
Bei Begegnungen mit dem Wolf wird dazu geraten, sich durch Reden, Rufen oder Klatschen bemerkbar zu machen und langsam zurückzugehen. Hunde sollten an die Leine genommen werden. Der Wolf dürfe nicht in die Enge getrieben werden. Und man solle dem Wolf auch kein Futter anbieten. Wolfsbeobachtungen sind zu melden.