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Jetzt muss Schluss sein mit der romantisierten Wolfspolitik

Für den Wolf in der Schweiz braucht endlich klare und wirksame Spielregeln, findet unser Gastautor Mike Egger. Er begrüsst die Lancierung der Initiative «Zum Schutz von Mensch, Haus- und Nutztier vor dem Wolf».

Die Debatte um die Frage des Wolfbestands in der Schweiz ist seit Kurzem um ein Kapitel reicher. Anfang Mai wurde die Volksinitiative «Zum Schutz von Mensch, Haus- und Nutztier vor dem Wolf» lanciert. Die Initianten wollen erreichen, dass Wölfe ganzjährig gejagt werden dürfen, ausser auf dem Gebiet des Nationalparks, wo der Wolf den Status einer geschützten Art haben soll.

Existenzen stehen auf dem Spiel

Das Initiativkomitee besteht aus Vertretern der Schaf-, Mutterkuh- und Rinderzuchtbranche, d. h. gewissermassen aus Direktbetroffenen. Sie argumentieren richtigerweise damit, dass die Wolfsrudel rasant wachsen, immer mehr Herdentiere bedrohen, weil der Wolf keine natürlichen Feinde hat, und Existenzen von Zuchtbetrieben gefährdet sind.

Auf der anderen Seite des Spektrums findet sich die Gruppe Wolf Schweiz (GWS), die sich als Stimme der Grossraubtiere in der Schweiz bezeichnet. Ziel dieser Gruppierung ist nach eigenen Angaben, das Zusammenleben zwischen Menschen und einheimischen Grossraubtieren in der Schweiz zu ermöglichen, was aufgrund immer weniger Naturflächen unrealistisch ist.

Wolfsfrage beschäftigt Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft

In der Tat beschäftigt die Frage des Wolfbestands die Politik, aber auch die Gesellschaft und die Landwirtschaft seit Langem. Hier ein Überblick über die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit:

  • Im September 2020 lehnte das Schweizer Stimmvolk die Revision des eidgenössischen Jagdgesetzes leider ab. Damit besteht weiterhin ein strenger Schutz des Wolfs, und Abschussbewilligungen werden nur unter bestimmten Umständen und ausschliesslich vom Bund genehmigt.
  • Das Parlament nahm aufgrund sehr vieler Nutztierrisse einen neuen Anlauf und beschloss im Dezember 2022 eine aktualisierte Revision des Jagdgesetzes, das die Möglichkeit zum Abschuss des Wolfs erweitert, indem auch präventive Abschüsse möglich sind.
  • Weiterhin sind jedoch nicht die Kantone, sondern der Bund zuständig für das sogenannte «Wolfmanagement».

Die neue Revision führte zu einem Streit unter den Pro-Wolf-Organisationen. Die GWS, federführend beim Referendum von 2020, unterstützte die Revision, ebenso Pro Natura und der WWF. Dagegen waren kleinere, militante Organisationen, die zwar Unterschriften für ein neues Referendum sammelten, dieses aber nicht zustande brachten.

Fünf Vorstösse im Kanton St. Gallen

Der Wolf ist auch immer wieder ein Thema in der kantonalen Politik. So gab es im St. Galler Kantonsrat seit 2021 insgesamt fünf parlamentarische Vorstösse dazu. Thematisiert wurden die Herdenschutzmassnahmen, die Möglichkeiten des Kantons zur Regulierung des Wolfbestandes sowie die Bedrohung des Wolfs nicht nur für Herdentiere, sondern auch für den Menschen und die physische Belastung der betroffenen Tierhalter(innen). Aus den Antworten der Regierung geht hervor, dass sie zwar Verständnis für die Anliegen hat, ihr Spielraum gegenüber den Bundesbehörden aber begrenzt ist. Der Nationalrat blieb nicht untätig und so konnten wir im Parlament einen Kredit von 5,7 Mio Franken für den Herdenschutz und Zahlungen für Risse als Übergangsentschädigung durchsetzen.

Es braucht griffige Regeln

Es braucht aber trotzdem griffigere Regeln, und es muss Schluss sein mit einer romantisierten Wolfspolitik. Mit der Volksinitiative bekommt die Debatte um den Wolf einen wichtigen Impuls, so dass hoffentlich bald echte Lösungen mit einer klaren Regulierung der Bestände umgesetzt werden können.

«Sonderbar ist, dass den Unterstützern des Wolfs, die sich als Stimme der Grossraubtiere verstehen, das Schicksal und das Leiden der gerissenen Herdentiere aber offensichtlich ziemlich gleichgültig ist.»

Mike Egger hat kein Verständnis für die Wolfsbefürworter

Zudem lassen die Pro-Wolf-Organisationen offen, wie sie die unregulierte Ausbreitung der Wolfsrudel in Einklang bringen wollen mit der aufgrund der Zuwanderung rasant wachsenden Bevölkerung und der daraus folgenden Ausweitung der (menschlichen) Siedlungsgebiete.

Zum Autor

Mike Egger ist SVP-Nationalrat des Kantons St. Gallen. Er schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

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