Der Widerstand der Bevölkerung Europas gegen den Anbau gentechnisch veränderter Kulturpflanzen ist gross und begründet. Die heute weltweit angebauten transgenen Pflanzen vereinfachen für eine kurze Zeit den Anbau, haben aber teils auch gravierende Auswirkungen: Erstens bedingt die Entwicklung von gentechnisch verändertem Saatgut ein entsprechendes Know-how sowie die dazugehörige Infrastruktur, was zu einer Konzentration der Anbieter auf eine Handvoll gigantische Konzerne und damit einer Abhängigkeit der Bauern geführt hat. Zweitens produzieren die meisten dieser Konzerne nebst Saatgut auch Pflanzenschutzmittel (PSM), was erklärt, warum bis anhin hauptsächlich Herbizidresistente Kulturen entwickelt wurden (Soja, Baumwolle, Mais, …). Drittens entstehen durch die Konzentration auf wenige Sorten bedenkliche Auswirkungen auf die genetische Vielfalt, für die hunderte lokale, etablierte Züchter einstehen.

Haben wir hier die Büchse der Pandora oder macht es Sinn, die grossen Fortschritte trotzdem genauer zu betrachten und neue Verfahren und Kenntnisse differenziert zu beurteilen? Ich meine ja. Allerdings muss der Fokus fundamental ändern. Wenn wir den PSM-Einsatz im Feld-, Obst- und Gemüsebau wie gefordert reduzieren müssen, sind wir auf tolerantere Sorten, die trotzdem marktfähige Produkte liefern, angewiesen. Der Klimawandel fordert zudem Sorten, die besser mit Wetterkapriolen umgehen können. Bereits heute erlaubt Smart-Breeding, nach der Kreuzung nur die Nachkommen in die Prüfung zu schicken, die das gewünschte Gen enthalten. Könnte die Cis-Genetik, welche nur Gene innerhalb kreuzbarer Arten transferiert, oder das Genome-Editing (das gezielte Auslösen einer Mutation im Genom) bis in ein paar Jahren dazu beitragen, Sorten zu entwickeln, welche uns dem Ziel, nachhaltiger zu produzieren, näher bringen?

Unsere Forschungsanstalten, allen voran die ETH, forschen bereits heute an diesen Technologien. Da durch das Gentech-Moratorium die Anwendung dieser Technologien nicht möglich ist, ist jedoch das Interesse, in diesem Bereich zu forschen, beschränkt. Eine Forschung, welche Know-how in diesem Bereich in der Schweiz entwickeln und ausbauen würde und damit potenziell auch kleineren Züchtern den Einstieg in diese Technologien ermöglichen könnte.

Chance oder Büchse der Pandora? Ich wünsche mir in vier Jahren statt einer Verlängerung des Moratoriums eine gründliche, differenzierte Auslegeordnung der etablierten Zuchttechniken und klare Rahmenbedingungen, die den raschen Zuchtfortschritt begünstigen, aber dem Einsatz klare, ethisch begründete Grenzen setzen. Vergessen wir nicht, in der Humanmedizin ist Gentechnik bereits etabliert. Zurzeit werden Milliarden von Menschen mit Impfstoffen geimpft, die in Gentech-Labors entwickelt wurden, notabene ohne Zulassung in einem ordentlichen Prüfverfahren.