Schweinestall, Symbolbild.Umbau der LandwirtschaftLandwirte in den Niederlanden müssen Viehbestand um ein Drittel abbauenMittwoch, 2. Februar 2022 Die Regierung in den Niederlanden will den Stickstoff-Ausstoss landesweit um 50 Prozent bis 2030 reduzieren, bei Naturgebieten sogar um mehr als 70 Prozent. Das kann nach Berechnungen der Regierung das Aus für etwa 30 Prozent der Viehbetriebe bedeuten. Die Bauern reagierten wütend und blockierten mit Traktoren Autobahnen und Grosslager von Supermarktketten.

Gespräche abgelehnt

Die Proteste dauern nun schon zwei Wochen an und die Behörden setzten einen Vermittler ein, der Gespräche mit den Landwirt(innen) aufnehmen sollte. Der Niederländische Bauernverband LTO lehnt das aber ab. Man wolle die Grundsätze und Ziele der Regierungspläne zur Stickstoff-Reduktion diskutieren, was erklärtermassen mit dem Vermittler nicht möglich sei, begründet der LTO. So habe es keinen Sinn, den diplomatischen Weg weiterzugehen. «Der LTO ist gerne bereit, nach einer Lösung zu suchen. Aber dann müssen beide Parteien bereit sein, sich zu bewegen», schreibt der Verband.

[IMG 3]

Blockade aufgelöst

In der Nacht zum 7. Juli hatte es erneut Zusammenstösse mit Bauern gegeben. In Blijswijk bei Den Haag haben mobile Einsatzkräfte der Polizei eingegriffen und eine Blockade mehrerer Grosslager von Supermärkten aufgelöst. 19 Demonstranten sind vorläufig festgenommen worden.

Auf Traktor geschossen

Proteste gab es auch an anderen Orten im Land. So demonstrierten rund 200 Bauern mit Traktoren vor der Provinzverwaltung in Arnheim. An anderen Orten steckten Landwirte auch Heuballen entlang von Autobahnen in Brand. Laut Berichten von «Agrarheute» hat die Polizei bei Demonstrationen an der Autobahn bei Heerenveen nach Warnschüssen gezielt auf einen Traktor geschossen. Am Fahrzeug sei mindestens ein Einschlussloch festgestellt worden. Der Dienstwaffengebrauch des Beamten soll auf seine Rechtfertigbarkeit überprüft werden, so Agrarheute.

[IMG 2]

Eigenes, «positives» Manisfest entwickelt

Der LTO hat am 8. Juli seine «Zukunftsvision 2030» präsentiert. Es handle sich um ein «positives Manifest», wie der Verband schreibt. Der Entwurf basiere auf intensiven Gesprächen mit tausenden von Mitgliedern und lege einen Schwerpunkt auf starkes Unternehmertum, schönes Grün und gutes Essen. Für den LTO ist es wichtig, dass die Betriebe ihre künftige Entwicklung selbst bestimmen können. Die Vorgaben der Regierung zur Stickstoff-Reduktion hatte der Verband im Gegensatz dazu als Diktat kritisiert.