Die Branche kann somit aufzeigen, wie Landwirtschaft und Umweltschutz vereinbar sind. In eigener Initiative können zusätzliche Massnahmen umgesetzt werden und wenn möglich mit Marktvorteilen verbunden werden. So kann eine Dynamik entstehen, die zur Lösung wichtiger Umweltanliegen in der Landwirtschaft beiträgt.

Mit der Parlamentarischen Initiative zur Verminderung der Risiken durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und zur Reduktion von Stickstoff- und Phosphorverlusten in der Landwirtschaft hat das Parlament zwei neue sogenannte «Absenkpfade» beschlossen: Den «Absenkpfad Pflanzenschutzmittel» sowie den «Absenkpfad Nährstoffverluste». Beide verfolgen dasselbe Ziel: die Gewässer in der Schweiz weniger stark zu belasten. Innerhalb dieses Jahrzehnts gilt es, wichtige zugehörige Ziele zu erreichen. Diese befinden sich im Moment in der Konkretisierung und werden in der laufenden Vernehmlassung konsultiert.

Die aktuellen Massnahmen reichen nicht

Um die Reduktionsziele zu erreichen, steht ein Instrumentarium von Massnahmen auf Stufe Bund bereits zur Verfügung. Dazu gehören der verbindliche Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) oder die freiwilligen Produktionssystembeiträge. Das Instrumentarium wurde mit ergänzenden Massnahmen weiterentwickelt. Diese genügen allerdings nicht, um die Reduktionsziele zu erreichen.

Wissend um diesen Umstand hat das Parlament mit der Pa.Iv. 19.475 einen breiteren Ansatz ins Auge gefasst. Ein wesentliches Merkmal dieser Initiative ist ihr «Bottom-up»-Ansatz. Das Parlament hat diesen Ansatz explizit ins Gesetz aufgenommen. So können die von den Absenkpfaden betroffenen Branchen- und Produzentenorganisationen, aber auch weitere wichtige Akteure in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette, wie z.B. die Label- oder Konsumentenorganisationen, bzw. der Detailhandel, wichtige Beiträge leisten. Nicht nur die produzierende Landwirtschaft, sondern der gesamten Branche kommt somit eine bisher nicht gekannte prominente Rolle zu.

Branche nicht alleine verantwortlich

Auf Stufe Bund bestehen schon Instrumente und Massnahmen, die zu den beiden Absenkpfaden beitragen. Die Branche ist also nicht alleine verantwortlich für das Ergreifen von Massnahmen zur Erreichung der Reduktionsziele. Ihre Stärke liegt jedoch darin, dass sie mehr Spielraum hat, um in eigener Initiative - mit Innovation, Kreativität und marktorientiertem Denken - neue Lösungen bzw. Massnahmen zu entwickeln und diese wirksam umzusetzen. Die Massnahmen können sehr vielgestaltig sein und sollen komplementär, bzw. synergistisch, zu den Bundesmassnahmen sein.

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Einerseits können sie zu einer erhöhten Teilnahme bei bereits existierenden oder neuen freiwilligen Bundesmassnahmen führen, oder es werden neue Massnahmen entwickelt, die ihre Wirkung zu den Bundesmassnahmen ergänzend entfalten. Das Zusammenspiel zwischen Bundesmassnahmen und Branchenmassnahme ist ein dynamischer Prozess, der in vollem Gang ist. Innerhalb der Branche wird die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren darüber entscheiden, wie wirksam die Massnahmen sind.

Bereits zahlreiche Ideen und Initiativen

Dazu gibt es bereits zahlreiche Ideen, Initiativen und Handlungsfelder einzelner Branchen, die zu den Reduktionszielen beitragen werden. Die Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungsketteunter den relevanten Akteuren wird künftig somit eine viel stärkere Bedeutung erhalten, als dies heute der Fall ist. Dabei können auch neue Zusammenarbeitsformen entstehen.

Alle Organisationen, die einen Beitrag zu den Reduktionszielen leisten und in der Wertschöpfungskette integriert sind, sind jetzt also in der Pflicht. Ihre bessere Marktnähe ist ein wesentlicher komparativer Vorteil gegenüber dem Akteur «Bund». Die zusätzlichen Anstrengungen innerhalb der Branche, insbesondere auf Stufe der landwirtschaftlichen Produktion, sollen wo immer möglich auch vom Markt honoriert werden. Eine gesunde Umwelt ist – wie die Gesundheit von Mensch, Tier oder Pflanzen – nicht gratis. Sie hat einen Preis und es lohnt sich, dafür etwas zu bezahlen, im Interesse aller.