«Es kann doch nicht sein, dass die Landwirtschaft immer und immer wieder an den Pranger gestellt wird», enervierte sich Albin Fuchs, der Präsident der Schwyzer Bauern, an einer Veranstaltung der Schwyzer Mitte-Partei in der Markthalle Rothenthurm. Dabei nahm er Bezug zu den Diskussionen über die vergangenen und kommenden Agrar-Abstimmungen. «Ich wünsche mir für die Zukunft, dass unsere Arbeit fair entschädigt wird, die Bürokratie nicht noch zunimmt und eine angemessene Planungssicherheit, damit unsere Jungbauern eine Perspektive haben», betonte Fuchs weiter.

Kämpferischer Präsident

Hauptreferent war Bauernpräsident Markus Ritter. Und dieser gab sich wie gewohnt rhetorisch überzeugend und kämpferisch: «Bei der Abstimmung über die Massentierhaltungs-Initiative wollen wir nicht einfach ein 9,75, sondern einen Plattwurf.»

Die produktive Landwirtschaft durch Restriktionen immer mehr zu schwächen, sei im aktuellen Umfeld fahrlässig. «Es braucht zukünftig eine Agrarpolitik, die in eine umfassende Ernährungspolitik eingebettet ist, welche die gesamte Wertschöpfungskette miteinbezieht. Denn der bewusste Konsum hat grossen Einfluss auf die nachhaltige Lebensmittelproduktion», so der Nationalrat weiter. Auch im aktuellen Umfeld des Ukraine-Krieges müssten Massnahmen von den nachgelagerten Marktpartner mitgetragen werden. «Es macht wenig Sinn, wenn die Schweizer Landwirtschaft jetzt infolge des Krieges kurzfristig Sonnenblumen oder Futtergetreide anbaut, ohne dass Abnehmer und Verarbeiter ebenfalls voll dahinter stehen.» Die Signale müssten vom Markt her kommen.

Nicht mehr extensivieren

Der Krieg in der Ukraine habe grosse Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Wichtige Pflanzendünger kämen entweder aus Russland oder benötigten zur Herstellung viel fossile Energie. «Glücklicherweise ist die Brotweizen-Eigenversorgung in der Schweiz relativ hoch, aber viele Futterkomponenten wie Getreide oder Soja kommen aus den betroffenen Regionen.» Dass der Bundesrat aktuell nun vorschlage, auf Ackerland zusätzlich noch 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen auszuscheiden und damit noch mehr der besten Böden zu extensivieren, sei unverständlich.

Der immense Druck auf die besten Böden macht auch den Schwyzer Bauern grosse Sorge. Paul Marty, Vorstandsmitglied der Schwyzer Bauernvereinigung (BVSZ), erlebt das aktuell auf seinem eigenen Hof in Arth. Vor rund 20 Jahren wurde ein damals eingedolter Bach offengelegt und heute soll dieser nun noch revitalisiert werden. «Durch die Ausscheidung von den bis zu 40 Metern breiten Gewässerräumen geht uns bestes Landwirtschaftsland für die einheimische Nahrungsmittelversorgung verloren», so Paul Marty.

Sich am Prozess beteiligen

Markus Ritter betonte, dass die Kantone in diesem Bereich vom Gesetz her noch Spielraum hätten. Die Betroffenen müssten sich proaktiv am Prozess beteiligen und den Entscheidungsträgern die Auswirkungen auf den eigenen Betrieb aufzuzeigen. Auch Bruno Beeler, Kantonal-Präsident der Mitte-Partei, betonte die Wichtigkeit, sich gegen den Verlust von gutem Kulturland zu wehren. «Wir verlieren zu viel wertvollen Boden, den wir für die Nahrungsmittelproduktion benötigen», erklärte er im vollen Märcht-Stübli.

Neben vielen Bäuerinnen und Bauern durfte er an der öffentlichen Orientierung zur aktuellen Landwirtschaftspolitik auch eine stattliche Zahl an National-, Regierungs- und Kantonsräten begrüssen.