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Schweiz-International
Publiziert: 12.03.2018 / 17:05
SBV protestiert gegen Agroscope-"Kahlschlag"

In einer geharnischten Medienmitteilung kritisiert der Schweizer Bauernverband den geplanten Abbau bei Agroscope. Der Agrarminister begründete diesen gegenüber den Mitarbeitern in einer Videobotschaft.

Restrukturierungen bei der Bundes-Agrarforschungsanstalt kommen gefühlt etwa so häufig, wie eine neue Jahreszeit. Am vergangenen Freitag hat der Bundesrat wie berichtet die nächste Runde kommuniziert.

Schneider-Ammann verkündet den Agroscope-Abbau

Diesen Entscheid hat Bundesrat Schneider-Ammann dem Personal, wie heute der "Tages-Anzeiger" berichtet, vorgängig zur Medienmitteilung in einer Videobotschaft kommuniziert. Dieser Weg sei gewählt worden, da die weit verstreut arbeitenden Agroscope-Mitarbeiter nicht an einem Ort besammelt werden könnten, so die Begründung des Departements.

Einsparungen von 20 Prozent

In der aktuellen Sparrunden wird es jetzt ziemlich einschneidend: Die Agroscope soll an einem einzigen Standort, nämlich Posieux konzentriert werden, wobei die dezentralen Versuchsstationen erhalten bleiben sollen. Damit wolle man unter anderem den "Gemeinschaftssinn innerhalb der Institution fördern", so der Bundesrat nicht ohne eventuell ungewollten Zynismus. Heute ist die Forschungsstation verteilt auf sieben Standorte tätig.

Der Bund plant bei Agroscope Einsparungen von 20 Prozent. Ein Dorn im Auge sind ihm dabei offenbar die hohen Betriebskosten, die gemäss der Bundesratsmitteilung 40 Prozent des Agroscope-Budgets ausmachen.

Was dies bezüglich Stellenabbau bedeutet ist noch unklar, sicher ist, dass die Mitarbeitenden in beispielsweise Tänikon und Changins kaum alle nach Posieux pendeln werden wollen oder können.

«Unprofessionell und nicht durchdacht»

Die Pläne des Bundes hat der Schweizer Bauernverband (SBV) in einer Medienmitteilung von heute scharf kritisiert. Es handle sich hier um einen "kontraproduktiven Kahlschlag", heisst es. Der SBV sei fassungslos, sowohl was die Pläne als auch was das Vorgehen betrifft.

"Das Ganze ist auch deshalb sehr unprofessionell und nicht durchdacht, weil es sich um den dritten Restrukturierungsprozess innert kürzester Zeit handelt", schreibt der SBV. Kritisiert wird auch, dass der Entscheid ohne Rücksprache bei den betroffenen Kreisen, etwa den Praktikern, gefallen sei. "Die vielen anstehenden Herausforderungen sprechen für einen Aus- statt Abbau der praxisorientierten Forschung", heisst es in der Mitteilung.

Das ohnehin belastete Klima zwischen SBV und Bundesrat dürfte unter dem Entscheid der Regierung weiter leiden. Im erwähnten Artikel erklärt SBV-Präsident Markus Ritter: "Der Bundesrat ist auch dieses Mal getreu seinem Motto vorgegangen: Nicht informieren, dem Dialog aus dem Weg gehen und Tatsachen schaffen."

Noch keine klaren Zahlen zum Stellenabbau

Was die genauen Auswirkungen bezüglich Stellenabbau sind, ist noch nicht klar. Im genannten Artikel und in der Mitteilung des SBV ist von 600 betroffenen Stellen die Rede. Diese Zahl stammt vom Personalverband Transfair.

Dabei kann es sich aber kaum um Stellenstreichungen handeln, wären das doch mehr als die Hälfte der insgesamt knapp 1000 Stellen bei Agroscope. Dies würde dann zu einer 20-prozentigen Budgetreduktion wiederum schlecht passen. Definitves will der Bundesrat im Sommer bekanntgeben.

akr

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