Das Futter wird knapp, das Stroh liegt dagegen in guter Qualität und ausreichender Menge auf vielen Höfen bereit. Kein Wunder, denken darum immer mehr Betriebe darüber nach, in der Galtration von Heu auf Stroh umzustellen. Wer das falsch angeht, riskiert Milchfieber, Verdauungsprobleme oder eine Kuh, die zu wenig frisst.
Wer es richtig macht, kommt mit deutlich weniger Heu durch den Winter, ohne dass Kuh oder Kalb darunter leidet. Jonas Salzmann, Leiter Marketing bei der UFA AG in Herzogenbuchsee, zeigt im Gespräch mit der BauernZeitung auf, worauf es ankommt.
Welches Stroh eignet sich?
Am besten geeignet ist Weizen- oder Gerstenstroh. Wer Energie sparen will, greift zu Industriehäckselballen: Diese sind bereits auf die optimale Länge gehäckselt und müssen nicht mehr nachbearbeitet werden. Sie passen vor allem zu Vertikalmischwagen, die eher mischen als schneiden.
Wer einen Horizontalmischer hat, kann trockene Mischungen und Futtermittel damit besser selbst schneiden. «Als Schnittlänge sollten 2 bis maximal 5 Zentimeter angepeilt werden», sagt Jonas Salzmann. Nur so kann die Kuh das Stroh nicht aussortieren, während die Struktur in der Ration trotzdem erhalten bleibt.
Ohne Maissilage: bis zu 50 Prozent Stroh in der frühen Galtphase
Die Galtphase dauert in der Regel sechs bis acht Wochen und wird in zwei Abschnitte unterteilt: die frühe Galtphase, die bis rund drei Wochen vor der Abkalbung dauert, und die spätere Vorbereitungsphase kurz vor der Geburt. In der frühen Galtphase kann eine reine Strohmischung, also ohne Maissilage, bis zu 50 Prozent Stroh enthalten. Damit die Kuh trotzdem genug Energie und Eiweiss aufnimmt, braucht es zusätzlich:
- 4 Kilogramm eines Raufutterersatzfutters mit hohem Trockenschnitzelanteil. Das liefert genügend sogenannte NDF (das ist die Faserfraktion des Futters, die für die Verdaulichkeit des Strohs wichtig ist)
- 500 Gramm Melasse
- 2 Kilogramm Proteinkonzentrat
- 1 Kilogramm Galtphasenfutter
Mit dieser Zusammensetzung erreicht die Ration die Zielwerte von 5,2 MJ NEL (Nettoenergie Laktation, das Mass für den Energiegehalt des Futters) und 130 Gramm Rohprotein pro Kilogramm Trockensubstanz, wie sie in der frühen Galtphase nötig sind.
Mit Maissilage: mehr Spielraum, weniger Stroh nötig
Steht Maissilage zur Verfügung, sieht die Rezeptur anders aus: 40 Prozent Stroh, 33 Prozent Maissilage, dazu 2 Kilogramm Proteinkonzentrat, 500 Gramm Melasse und 1 Kilogramm Galtphasenfutter. Auch mit dieser Mischung werden die genannten Zielwerte erreicht, der Betrieb ist aber weniger stark auf zugekauftes Raufutterersatzfutter angewiesen.
Vorbereitungsphase: Stroh-Anteil deutlich reduzieren
Kurz vor der Abkalbung, in der sogenannten Vorbereitungsphase, muss der Stroh-Anteil sinken. Der Nährstoffbedarf der Kuh steigt jetzt auf über 5,7 MJ NEL und 140 Gramm Rohprotein pro Kilogramm Trockensubstanz. Diese Dichte lässt sich mit zu viel Stroh nicht mehr erreichen.
Jonas Salzmann empfiehlt für diese Phase einen maximalen Stroh-Anteil von 33 Prozent, den Rest der Ration füllen Maissilage oder Ergänzungsfutter.
Schmackhaftigkeit und der Kalium-Fallstrick
Damit die Kühe das Stroh überhaupt fressen, muss die Mischung schmackhaft gemacht werden, etwa mit Melasse. Das gilt besonders, wenn keine Maissilage in der Ration ist. Wichtig dabei: Melasse enthält viel Kalium, was den sogenannten DCAB-Wert der Ration beeinflusst (die Kationen-Anionen-Bilanz, ein Mass dafür, wie das Futter den Mineralstoffhaushalt der Kuh vor der Geburt beeinflusst).
Ein zu hoher Kalium-Gehalt kurz vor der Abkalbung erhöht das Risiko für Milchfieber. Für die letzten drei Wochen vor der Abkalbung bietet UFA deshalb ein spezielles Melasseprodukt mit sauren Salzen an, welches diesem Risiko entgegenwirkt.
«Eine reine Strohmischung muss gezielt mit verschiedenen Ergänzungsfuttermitteln ergänzt werden», betont Jonas Salzmann. Er rät jedem Betrieb, eine solche Ration vorher mit dem Fütterungsspezialisten zu besprechen, da es einiges zu beachten gibt und Fehler in dieser heiklen Phase teuer werden können.
Was sich sonst noch für Betriebe lohnt
Über die reine Galtration hinaus sieht Jonas Salzmann angesichts der Futterknappheit weiteres Sparpotenzial:
Stroh auch für Rinder: Strohrationen für Rinder dürften laut Fachmann in den kommenden Monaten deutlich wichtiger werden und bieten mengenmässig noch mehr Heu-Sparpotenzial als bei Galtkühen. UFA verfügt hier über breite Erfahrung, vor allem aus der Westschweiz.
Raufutterergänzungswürfel als Alternative zu Heu: Der Preisvergleich lohnt sich: Nach Berechnungen von UFA darf mittleres Import-Heu nicht mehr als 35 Franken pro 100 Kilogramm kosten, damit es bezogen auf die Nährstoffe gleich viel liefert wie das UFA-Produkt 250-7 Flexifib. Häufig schneiden Raufutterergänzungswürfel im Vergleich zu mittelmässigem Heu nährstoffbezogen deutlich günstiger ab.
Neues Produkt in der Testphase
UFA testet derzeit ein All-in-One-Galtphasenfutter, das über die Hälfte des Bedarfs einer Galtkuh abdeckt und sich mit mässiger Heuqualität kombinieren lässt. Dieses Futter soll künftig auch für reine Strohrationen geeignet sein und deckt in einem einzigen Produkt ab, was bisher einzeln zugemischt werden musste. «Die ersten Rückmeldungen zu Fressbarkeit und Milchfieberprävention sind positiv ausgefallen», sagt Jonas Salzmann.
Rezept: Strohration für die Galtphase im Überblick
Variante ohne Maissilage: (frühe Galtphase, bis 3 Wochen vor der Abkalbung)
- 50 % Stroh
- 4 kg Raufutterersatzfutter mit hohem Trockenschnitzelanteil
- 500 g Melasse
- 2 kg Proteinkonzentrat
- 1 kg Galtphasenfutter
- Zielwerte: 5,2 MJ NEL und 130 g Rohprotein pro kg Trockensubstanz
Variante mit Maissilage: (frühe Galtphase, bis 3 Wochen vor der Abkalbung)
- 40 % Stroh
- 33 % Maissilage
- 2 kg Proteinkonzentrat
- 500 g Melasse
- 1 kg Galtphasenfutter
- Zielwerte: 5,2 MJ NEL und 130 g Rohprotein pro kg Trockensubstanz
Ab der Vorbereitungsphase (letzte drei Wochen vor der Abkalbung):
- Zielwerte: 5,7 MJ NEL und 140 g Rohprotein pro kg Trockensubstanz
- Stroh-Anteil auf maximal 33 % senken
- Rest mit Maissilage oder Ergänzungsfutter auffüllen

