Kurz & bündig
- Christoph Kern strebt Rapserträge von 60 dt/ha an.
- Gute Saatbettvorbereitung steht vor der Sätechnik und dem Saatzeitpunkt.
- Als Einzelkorn gesäte Rapsbestände laufen gleichmässiger auf als gedrillte.
Der Rapsanbau ist das Steckenpferd von Christoph Kern aus Glattfelden im Kanton Zürich: «Ich habe Freude an schönem Raps.» Auf seiner Betriebsfläche sät er jährlich rund 6 Hektaren Raps an. Jeweils auf einer seiner Parzellen befindet sich auch immer der Sortenversuch von UFA-Samen. Mit 60 dt/ha setzt er seine Ertragsziele sehr hoch. Entsprechend hoch ist auch der Aufwand. Für Christoph Kern ist das A und O ein gleichmässiges, feines, gut abgesetztes und unkrautfreies Saatbett. Damit hat das Rapskorn beste Startbedingungen für eine schnelle und gleichmässige Jugendentwicklung. Kern setzt seit Jahren erfolgreich auf Einzelkornsaat. Doch die Saattechnik alleine führt nicht zum Erfolg.
«Unter den erfolgreichsten Rapsproduzenten finden sich sowohl Betriebe mit Einzelkornsaat als auch mit klassischer Drillsaat», bestärkt Alexander Grob, Berater und Produktmanager bei UFA-Samen.
Das Saatbett entscheidet über den Erfolg
Den Raps baut Christoph Kern meistens nach Getreide an. Die Zeit zwischen der Getreideernte und der Rapssaat nutzt er, um das Saatbett vorzubereiten. Zuerst wird das Ausfallgetreide mit zwei Scheibeneggen-Durchgängen bekämpft. Dann folgt ein Grubber-Durchgang mit Gülle und vor der Saat wird der Boden mit der Kreiselegge verfeinert. Dann lässt Kern den Raps als Einzelkorn säen, immer mit 39 Körnern pro Quadratmeter und einem Reihenabstand von 50 cm. Ganz wichtig ist im Anschluss das Rückverdichten mit einem Walzdurchgang, damit die Samen guten Bodenschluss haben.
Die grösste Stärke der Einzelkornsaat liegt in der Präzision. Jedes Korn wird mit identischem Reihen- und Pflanzenabstand sowie gleichmässiger Saattiefe abgelegt. Dadurch laufen die Pflanzen homogen auf und entwickeln sich gleichmässig. «Ich finde die Bestandeskontrolle bei Einzelkornsaat einfacher als bei Drillsaat», sagt Christoph Kern. Auch Schadschwellen von Schädlingen lassen sich einfacher bestimmen, da sich die Pflanzen auf gleicher Entwicklungsstufe befinden.
Ein weiterer Vorteil zeigt sich unter der Bodenoberfläche. «Gleichmässig verteilte Pflanzen bilden kräftige Einzelpflanzen mit starken Wurzeln und dicken Wurzelhälsen aus», sagt Alexander Grob. Besonders bei tieferen Saatdichten profitieren die Pflanzen von einem grösseren Wurzelraum und können Wasser sowie Nährstoffe effizienter erschliessen. Zudem verbessert eine lockerere Bestandesstruktur die Luftzirkulation, was den Krankheitsdruck insbesondere bei Phoma oder Sklerotinia reduzieren kann.

«Und die als Einzelkorn gesäten Bestände sind standfester, da die Stängel über den ganzen Bestand hinweg gleichmässig dick ausgebildet sind», sagt Christoph Kern aus Erfahrung. Dadurch ist das Risiko von Lagerverlust kleiner.
Trotz dieser Vorteile sieht Berater Alexander Grob die Drillsaat keineswegs im Nachteil. Ihr grösster Pluspunkt ist der rasche Reihenschluss und damit die bessere Unkrautunterdrückung. Ausserdem verzeiht sie eher Fehler bei der Saatbettvorbereitung und kann Pflanzenlücken durch Schädlingsfrass besser kompensieren.

«Die als Einzelkorn gesäten Bestände sind standfester, da die Stängel über den ganzen Bestand hinweg gleichmässig dick ausgebildet sind.»
Christoph Kern, Rapsproduzent
Der Erdfloh versteckt sich im Stroh
Die Saatbettvorbereitung dient laut Christoph Kern nicht nur der Unkraut-, sondern auch der Schädlingsprävention. Seit 2014 die Saatgutbeizung von Raps verboten wurde, machen Erdflöhe und Schnecken dem Keimling das Leben schwer. Mehrfache Bodenbearbeitung kann helfen, Schneckeneier zu zerstören und dank feinem Saatbett dem Erdfloh Versteckmöglichkeiten wie grobe Erdschollen wegzunehmen.
«Das Schlimmste sind Strohhäcksel. Dort können sich die Erdflöhe gut verstecken und warten, bis der Raps keimt», weiss Christoph Kern. Den Erdfloh behandelt er nur, wenn die Schadschwelle erreicht ist. Dank seiner Bodenbearbeitungsstrategie musste Kern schon lange keine Schneckenkörner mehr zur Saat geben.
«Schnecken sollten bereits vor dem Auflaufen vom Raps kontrolliert werden, sonst ist es zu spät», appelliert Alexander Grob. Nach der Saat ist Christoph Kern fast täglich im Feld und beobachtet die Schädlinge. Dazu nutzt er auch Gelbfallen.
Tendenziell wird zu dicht gesät
Die optimale Saatdichte sorgt beim Raps immer wieder für Diskussionen. Daher haben sowohl UFA-Samen als auch das Forum Ackerbau Feldversuche zur Saatdichte gemacht. Beim dreijährigen Feldversuch des Forums Ackerbau gab es im Schnitt keine signifikanten Ertragsunterschiede zwischen 15, 30, 45 oder 60 Körnern/m2. Das zeigt, was für ein enormes Kompensationspotenzial der Raps hat.
Beim Feldversuch von UFA-Samen hingegen zeigte sich, dass gerade bei Einzelkornsaat und reduzierter Saatdichte höhere Erträge erzielt werden konnten, während bei Drillsaaten höhere Saatdichten zu höheren Erträgen führten, in Abhängigkeit des Saatzeitpunktes (siehe Grafik).
«Grundsätzlich kann der Raps tiefe Saatmengen problemlos mit der Seitentriebbildung kompensieren. Wir empfehlen höhere Saatmengen um die 40 bis 50 Körner/m2 zur Absicherung», erklärt Alexander Grob. Werden einzelne Pflanzen von Schnecken oder Erdflöhen komplett gefressen, dann fällt dies bei tiefen Saatmengen (unter 30 Pflanzen pro Quadratmeter) stärker ins Gewicht.
«Wäre das Saatgut immer noch gebeizt, würde ich noch deutlich weniger als 39 Körner pro Quadratmeter säen», ist Christoph Kern überzeugt. «Ich habe erfahrene Rapsproduzenten, die hohe Erträge mit 20 bis 25 Körner/m2 erzielen», weiss Alexander Grob. Er erzählt von Sachsen-Anhalt, einer der trockensten Regionen in Deutschland mit durchschnittlich 600 mm Niederschlag. Dort würden Landwirte vermehrt auf Einzelkorntechnik und tiefe Saatdichten mit etwa 30 Körnern/m2 setzen. So haben die einzelnen Pflanzen mehr Wasser zur Verfügung, womit trotz Trockenheit solide Erträge erzielt werden können.

«Ich habe erfahrene Rapsproduzenten, die hohe Erträge mit 20 bis 25 Körner/m2 erzielen.»
Alexander Grob, Berater UFA-Samen
Ausserdem zeigte der dreijährige Feldversuch des Forums Ackerbau, dass zu dicht und zu früh gesäter Raps (45 und 60 Körner/m2) je nach Jahr noch vor dem Einwintern mit dem Längenwachstum begann, da die einzelnen Pflanzen zu wenig Platz haben.
«Ich bin kein Fan von zu früh säen», sagt Christoph Kern. Für ihn ist der optimale Saatzeitpunkt zwischen dem 25. August und dem 5. September, sobald die Saatbedingungen gut sind. Frühe Saaten könnten allenfalls dem Erdflohbefall entgegenwirken, da die Rapspflanzen zum Zeitpunkt des Einfluges im September bereits kräftig genug sind. Dazu läuft aktuell ein Feldversuch am Forum Ackerbau.
Die Gülle vor der Saat und nicht erst im Frühling geben
Nebst guten Saat- und Startbedingungen ist auch die Nährstoffversorgung ein wichtiger Faktor beim Raps. Christoph Kern gibt 200 Einheiten Stickstoff zum Raps und nutzt die ertragskorrigierte Düngungsnorm aus. «Dafür gebe ich den Sonnenblumen nichts», sagt Kern. Für ihn ist nicht nur die Düngermenge, sondern auch der Zeitpunkt entscheidend: «An der Tier-und-Technik-Messe im Februar muss der Raps den ersten Dünger gehabt haben.»
Die Gülle gibt er aber schon vor der Saat. 15 m3 Gärgülle pro Hektare werden gleich eingegrubbert. «Die Gülle sollte immer im Herbst und nicht erst im Frühling gegeben werden. Man sieht es dem Raps an, wenn er mit den Wurzeln die Gülle erreicht hat», beobachtet Kern.
In den 11 Monaten, während denen der Raps auf dem Feld steht, kann viel passieren, was den Ertrag beeinflusst. Mit guter Saatbettvorbereitung, optimaler Saatdichte sowie dem passenden Saatzeitpunkt sind aber erste wichtige Grundsteine für die gleichmässige Bestandesentwicklung und somit gute Ertragsaussichten gelegt.
Betriebsspiegel Familie Kern:
Christoph Kern, Glattfelden ZH
LN: 56 ha
Kulturen: Raps, Zuckerrüben, Winterweizen, Wintergerste, Sonnenblumen, Silomais, Kunstwiese
Tiere: 25 Mutterkühe, 35 Mastrinder
Weitere Betriebszweige: Pflanzenschutz im Lohn
Arbeitskräfte: Schwiegervater, Ehefrau

