Zwar entwickelten sich viele Kulturen im Frühjahr vielversprechend, doch Trockenheit, Hitze und sinkende Getreidepreise hinterliessen ihre Spuren. Gleichzeitig sorgen hohe Lagerbestände bei verschiedenen Kulturen dafür, dass der Anbau gezielt gesteuert werden muss. Die wichtigsten Empfehlungen lassen sich klar zusammenfassen.
Mahlgetreide bleibt die wichtigste Kultur
Trotz leicht tieferer Richtpreise empfiehlt Biofarm, die Möglichkeiten beim Mahlweizen konsequent auszuschöpfen. Entscheidend seien Sorten mit guten Proteingehalten und eine standortgerechte Produktion. Auch Dinkel und Roggen bleiben gefragt. Roggen eignet sich insbesondere für trockene Standorte, wobei der Vermeidung von Mutterkorn besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.
Beim Speisehafer sieht Biofarm sogar gute Absatzchancen. Die Nachfrage nach Schweizer Knospe-Hafer bleibt hoch, weshalb sowohl bisherige als auch neue Produzenten Verträge abschliessen können. Empfohlen wird vor allem Winterhafer, da er in der Regel höhere Erträge und bessere Hektolitergewichte liefert. Voraussetzung ist jedoch eine saubere Ernte ohne Fremdgetreide.
Raps und Senf werden vollständig ausgesetzt
Eine klare Botschaft gibt es bei den Ölsaaten: Wegen der grossen Lagerbestände wird der Anbau von klassischem Raps und HOLL-Raps für die Ernte 2027 vollständig sistiert. Gleiches gilt für Senf. Als Alternativen empfiehlt Biofarm Mahlgetreide, Hafer, Lein oder Mischkulturen mit Leguminosen.
Spezialkulturen mit Potenzial
Positive Aussichten bestehen für Lein, sofern saubere Flächen und die notwendige Erntetechnik vorhanden sind. Ebenfalls gefragt bleiben Kürbiskerne, Chia, Hanf und Mohn. Besonders beim Mohn winken attraktive Produzentenpreise, allerdings stellt die Kultur hohe Anforderungen an Saattechnik, Unkrautregulierung und Ernte.
Bei Sonnenblumen rechnet Biofarm mit einer stabilen Nachfrage. Ein grösserer Ausbau ist wegen vorhandener Lagerbestände jedoch nur bei Schälsonnenblumen möglich.
Zurückhaltung bei Leguminosen
Weniger erfreulich präsentiert sich die Situation bei den Speiseleguminosen. Grüne Linsen werden wegen hoher Vorräte vorläufig nicht mehr angebaut, während schwarze und braune Linsen nur auf reduzierter Fläche produziert werden sollen. Auch Bohnen und Kichererbsen bleiben Nischenkulturen mit begrenztem Absatz. Für Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Platterbsen gibt Biofarm derzeit kein grünes Licht, weil die Absatzmöglichkeiten im Speisebereich noch fehlen.
Chancen im Obstbau und Beeranbau
Im Obstbereich sucht Biofarm weiterhin Produzenten für Birnen sowie Verarbeitungs-Himbeeren und -Erdbeeren. Gleichzeitig weist die Genossenschaft darauf hin, dass sich die anhaltende Trockenheit noch auf Qualität und Kaliber der diesjährigen Obsternte auswirken könnte.
Verträge frühzeitig abschliessen
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Administration. Die Anbauverträge für Winter- und Sommerkulturen sollen bis Ende November online abgeschlossen werden. Wer seinen Vertrag erst nach dem 16. Mai 2027 abschliesst, muss neu eine Bearbeitungsgebühr von 50 Franken bezahlen. Biofarm begründet diesen Schritt mit dem hohen administrativen Aufwand und der erschwerten Planung bei späten Vertragsabschlüssen.
Auszahlung wird angepasst
Aufgrund der hohen Lagerbestände und der damit verbundenen Kapitalbindung ändert Biofarm auch den Auszahlungsmodus. Neu werden Ende September nur noch 40 statt bisher 75 Prozent des Erlöses ausbezahlt.
Die Restzahlung erfolgt wie bisher im Folgejahr. Wer freiwillig noch länger auf die Auszahlung wartet, erhält künftig einen höheren Zins von 1,4 Prozent. Biofarm betont, dass die Anpassung ausschliesslich der Sicherung der Liquidität diene und Auszahlungen weiterhin möglichst früh erfolgen sollen.
Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick
- Raps und Senf werden für die Ernte 2027 nicht angebaut.
- Lein sowie Kürbiskerne, Chia, Hanf und Mohn bieten interessante Marktchancen.
- Mahlweizen, Dinkel, Roggen und insbesondere Speisehafer bleiben die aussichtsreichsten Ackerkulturen.
- Bei Linsen, Bohnen und Kichererbsen ist Zurückhaltung angezeigt; für Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen werden derzeit keine Verträge empfohlen.
- Verträge möglichst bis Ende November abschliessen und die Anbauplanung vorgängig mit Biofarm besprechen.
- Wegen der angespannten Marktlage ist eine sorgfältige Abstimmung zwischen Produktion und Absatz wichtiger denn je.

