Blasse Schleimhäute und träges Verhalten, ausserdem Appetitlosigkeit, Tränkunlust, Wachstumsschwäche und Lecksucht – daran erkennt man laut einem Artikel von «Agrarheute» Kälber mit Eisenmangel. Eine Untersuchung in acht Betrieben habe gezeigt, wie sich eine intramuskulär verabreichte Eisengabe auswirkte. Durch die Injektion am zweiten Tag nach der Geburt hätten bis zum 28. Lebenstag bessere Tageszunahmen sowie verminderte Erkrankungsraten und weniger Kälberverluste erreicht werden können, heisst es.
Eisen, Selen und Vitamin E
Es lohnt sich also, der Versorgung der Kälber mit Eisen Beachtung zu schenken. Besonders, weil laut «Agrarheute» während der Trächtigkeit der Kuh der Übergang von Eisen auf den Fötus und in die Kolostralmilch sehr gering sei, sodass die geborenen Kälber einen geringen Eisenvorrat aufweisen würden. Auch Selen und Vitamin E sind wichtig. Der Schweizer Kälbergesundheitsdienst (KGD) empfiehlt die Gabe von Eisen, Selen und Vitamin E in den ersten Lebenstagen, wie Maren Feldmann, dortige Tierärztin, auf Anfrage der BauernZeitung sagt.
Vielzahl an Produkten
Für die Gabe der empfohlenen Mineralstoffe gibt es verschiedene Produkte auf dem Markt. Sogenannte «Kälber-Booster» versorgen das Kalb mit verschiedenen wichtigen Spurenelementen und Vitaminen. Immer darin enthalten ist Eisen, das unabhängig von der Versorgung der Kuh gegeben werden muss. Je nach Booster sind verschiedene Anteile von Selen sowie verschiedene Vitamine darin enthalten. Ebenfalls ist die Gabe von Selen und Eisen via Injektion möglich.
Als Alternative zum Booster gibt es auch sogenannte Vollmilchaufwerter, die mit der täglichen Milchgabe in die Milch gemischt werden. Der Nachteil ist hier der zusätzliche Arbeitsaufwand.
Bei Selen kommts drauf an
Ob und wie viel Selen für das Kalb nötig ist, sei von der Versorgung der Kühe des Betriebs abhängig, sagt Maren Feldmann. Oft ist in Schweizer Böden zu wenig Selen vorhanden, was sich auf die Versorgung der Tiere mit diesem Mineralstoff auswirkt. Im Gegensatz zu Eisen wird hier ein allfälliger Mangel von der Kuh auf das Kalb übertragen. Wenn Unsicherheit diesbezüglich besteht, könne das Blut der Galtkühe auf den Selengehalt getestet werden, so Feldmann. Sie empfiehlt aber so oder so eine «Selenspritze als Willkommensgruss» für neugeborene Kälber.
Kolostrumgabe ist entscheidend
Wie das Fachmagazin «die grüne» schreibt, hat der KGD im Dezember 2021 eine Umfrage unter Schweizer Betrieben zur Versorgung neugeborener Kälber mit Eisen durchgeführt. Es seien 166 Milchvieh- und 47 Mutterkuh-Betriebe befragt worden. Aus der Umfrage resultierte, dass ein Grossteil der Betriebe, bei denen weniger als 30 % der Kälber an Durchfall erkrankten, routinemässig einen Kälber-Booster verabreichte. Betriebe, bei denen mehr als 30 % der Kälber an Durchfällen erkrankten, hätten laut Umfrage seltener Kälber-Booster oder Eisen und Selen mittels Injektion verabreicht.
Maren Feldmann betont, dass die Kolostrumgabe in den ersten Lebensstunden des Kalbes entscheidend zu einem funktionierenden Immunsystem beitrage und somit vorbeugend gegen Kälberdurchfall wirke. Ebenso wichtig sei auch die Hygiene bei der Geburt. Auch die Energieversorgung durch eine ausreichende Tränkeaufnahme mit entsprechender Tränkehygiene trage massgeblich zum Aufzuchterfolg bei.
Die Gabe von Eisen, Selen und Vitamin E stärken das Immunsystem danach nur noch zusätzlich, ist als alleinige Massnahme aber mehr oder weniger wirkungslos. Sobald das Kalb mit dem Fressen von Kraftfutter und Raufutter beginne, werde die Eigenversorgung mit Eisen besser, besonders wenn beim Weidegang Kontakt mit dem Boden bestehe, sagt Feldmann. Darin sei ebenfalls Eisen enthalten.
Schweizer Kälber gut versorgt
Grundsätzlich habe sich die Versorgung der Kälber mit Spurenelementen auf Schweizer Betrieben verbessert, sagt Maren Feldmann. Dies hätten auch Spurenelement-Untersuchungen des KGD gezeigt. «Die Landwirt(inn)en sind in dieser Hinsicht gut sensibilisiert», sagt sie.

