Der KB-Anteil in der Schweizer Schweinezucht hat sich insbesondere in den 1990er-Jahren rasant entwickelt. Vor 20 Jahren wurde jede fünfte Muttersau künstlich besamt. «2013 wurden um die 84 Prozent der Sauen in der Schweiz mit Sperma aus den beiden Suisag-KB-Stationen belegt», schätzt Ruedi Gugelmann.
Die Endstufeneber sorgen für genügend Fleisch
Der Leiter Produktion und Verkauf, Suisag, präsentierte kürzlich bei der KB-Station Knutwil anlässlich eines Kundentreffs die wertvollsten Vererber. In den beiden Suisag-KB-Stationen Knutwil (LU) und Wängi (TG) stehen insgesamt 265 KB-Eber. Rund
ein Siebtel gehören den beiden Mutterlinenrassen Edelschwein und Schweizer Landrasse an.
Die übrigen sind Endstufeneber der Rassen Premo, Pietrain und Duroc und bringen mit ihrer Genetik das Fleisch auf die Sauen.
Dank der KB wird der Zuchtfortschritt rasch verbreitet, und viele Betriebe begannen sich zu spezialisieren, etwa auf die Reinzucht, die Produktion von F1-Sauen, die Mastferkelproduktion oder eben die Mast. Damit die Qualität der Genetik am Schlachthaken auch sichtbar wird, braucht es eine systematische Produktion.
Mäster muss die Genetik der Jager kennen
Ein Mäster, der die Jager von mehreren Zuchtbetrieben hat, in welchen womöglich unterschiedlichste Rassen eingesetzt wurden, steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Denn die Fütterung muss auf das Leistungspotenzial der Genetik abgestimmt sein. Die meisten professionellen Vermarkter arbeiten aus diesem Grund eng mit dem KB-Anbieter Suisag zusammen.
So auch die anwesenden Betriebe der Fredy Müller Schweinevermarktung und der Phanta Porc. Im «Dreiecksverhältnis» Landwirt-Vermarkter-Suisag wird das KB-Sortiment definiert. Das Schweizer Zuchtprogramm mit den beiden Mutterlinien, die zur F1-Jungsau (Primera) gekreuzt werden und dem Einsatz des Endstufenebers Premo, macht Sinn für die ganze Kette.
Der Züchter profitiert mit den fruchtbaren Mutterlinien von vielen abgesetzten Ferkeln pro Sau. Dem Mäster ermöglicht das Programm Wirtschaftlichkeit dank hohen Zunahmen, einer guten Futterverwertung und einem Magerfleischanteil, der optimal in die Bezahlungsmaske der Proviande passt.
Jungsauen zukaufen oder selber remontieren
Daniel Kaufmann, Suisag, analysierte die Vor- und Nachteile von Jungsauenzukauf bzw. Eigenremontierung. Dabei beschränkte sich der Zuchtexperte nicht nur auf den züchterischen Blickwinkel. «Schlussendlich ist es eine unternehmerische Entscheidung, wichtig ist die professionelle Umsetzung der Strategie», so Kaufmann. Werden die Jungsauen zugekauft, vereinfacht sich die Genetikauswahl beim KB-Einkauf (ausschliesslich Vaterlinien), die Arbeitsbelastung sinkt und der Zuchtfortschritt mit
Heterosis werden voll zugekauft, zählte Kaufmann die Vorteile auf.
Nachteile und Risiken können minimiert werden. Etwa indem die Sauen von nur einem Lieferanten bezogen werden und der Transport sowie insbesondere die Eingliederung in den neuen Betrieb professionell erfolgen. Der Zukauf sei zudem interessant für Betriebe, die bezüglich Platz, Nährstoffbilanz oder Arbeitsaufwand an ihre Grenzen stossen. Je nach Züchter und Betrieb kann Zukauf oder Eigenremontierung vorteilhaft sein. Aus Sicht der Mäster sind Jager von Eigenremontierern allerdings weniger interessant. Denn Mutterlinien-Kastraten sind weniger wirtschaftlich.
Nicht nur die Mäster, die ganze Branche werde anspruchsvoller, bestätigte Schweinevermarkter Georg Müller.
Armin Emmenegger