Waren es die einjährige Ausstellungspause oder die besonderen Umstände, unter denen die Schau durchgeführt wurde? Oder einfach die grosse Freude über den züchterischen Erfolg? Auf jeden Fall waren die grossen Emotionen an der diesjährigen Urner Kantonalen Grossviehschau augenfällig. Während bei der Miss-OB-Wahl überschwängliche Jützli zu hören waren, flossen bei der Miss-Braunvieh-Wahl die Freudentränen. So auch bei der Familie Manuel Arnold aus Erstfeld. Obwohl oder wohl eher weil ihre Zuchtfamilienkuh Evolet bereits zum vierten Mal den Miss-Braunvieh-Titel gewann, strahlte die ganze Familie.
Ausnahmekuh Evolet
«Sie ist einfach eine Ausnahmekuh. Ihre Nachzucht prägt unseren Viehbestand», so Züchter Manuel Arnold. Ein Tier aus Evolets grosser Nachzucht sorgte im Schauring auf der Bärenmatte in Schattdorf bereits für Aufsehen. Lematters Highlight Heyli, die Grosstochter von Evolet, wurde Schöneutersiegerin der Erstmelken und machte es ihrer Grossmutter Evolet nach, welche bei den älteren Schöneuter kühen gewann.
Schöne Calvin-Töchter
Eine weitere sehr beeindruckende Kuh im Schauring war die Vize-Miss-Braunvieh Calvin Cora von Hanspeter Gisler aus Bürglen. «Ein Tier, das mir wahnsinnig gut gefällt», so der Experte Stefan Knecht. Cora wurde dazu noch Schöneutersiegerin zweite und dritte Laktation. Ihre Vorzüge im Euter war auch der ausschlaggebende Punkt, dass sie in der Misswahl vor Cameron von Urs Gisler, Andermatt, einer weiteren Calvin Tochter, stand. Dass ihre Kuh Cameron Mention Honorable wurde, führte bei den beiden jungen Vorführerinnen Lynn und Sarina Gisler zu wässrigen Augen. Bei den Braunviehrindern dominierten die Züchter von der Sonnenterrasse Haldi. Baila von Hanssepp Gisler siegte vor Gardena von Alois Arnold.
Die Gebrüder Theo und Toni Kempf aus Attinghausen waren bei der Doppelnutzungsrasse Original Braunvieh dominierend. Sowohl in der Miss-OB-Wahl wie auch im Schöneuterwettbewerb standen ihre beiden Tiere Lotti und Madeira auf den ersten beiden Rängen. Lotti setzte sich dabei beide Male durch. Die Harlei-Tochter, die Theo Kempf als Kalb zu seiner Hochzeit geschenkt bekommen hat, imponierte dem Schwyzer Experte Theo Marty: «Eine herrliche Rahmenkuh, die man nicht schöner malen könnte.»

Rindermiss von Lorento
Aus einer Harlei-Kuh stammte auch die Rindermiss OB. Das nur neun Monate alte Lorento-Jungtier von Josef Kempf vom Isenthal setzte sich dank ihrer Eleganz und dem perfekten Fundament durch. Perfekt war auch das Timing der Ausstellungsorganisatoren. Damit der Anlass Corona-bedingt nicht zu lange dauerte, wurde auf die Kranzparade verzichtet. So konnten die Misswahlen noch bei windstillem und schönstem Herbstwetter schon vor 14.30 Uhr abgeschlossen werden. Nur kurz nachdem die ersten Viehsenten auf den Heimweg aufbrachen, setzt der kräftige Föhnsturm ein.

