Es ist bereits das dritte Mal, dass nicht der zum Abschuss freigegebene Wolf am Ende von einer Wildhut erlegt worden ist. Nach dem Kanton Wallis und dem Graubünden meldet nun auch die Waadt einen solchen Fall: Statt eines Jungwolfs ist das männliche Leittier eines Rudels tot. «Fehlabschüsse sind rechtswidrig», schreibt die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) in einer Mitteilung.

Grundsätzlich wären Strafen möglich

Da bei Fehlabschüssen andere als die rechtmässig zum Abschuss freigegebenen Tiere getötet werden, seien strafrechtliche Konsequenzen grundsätzlich möglich, fährt die GWS fort. Man prüfe dazu die rechtlichen Möglichkeiten.

Das Ganze sei keine Bagatelle, da Wolfsrudeln nach Verlust eines Leittiers die Auflösung drohe und ein solcher Abschuss als schwerwiegender Eingriff in die Population zu werten sei. «Zurecht ist dieser heute nur Ausnahmefällen möglich, z. B. im Fall des Beverin-Rudels.»

Jura-Rudel in Gefahr

Die GWS sieht den regionalen Wolfsbestand im Jurabogen einer akuten Bedrohung ausgesetzt. In diesem Gebiet gebe es nämlich nur zwei Wolfsrudel und in beiden seien im Herbst 2022 Leittiere getötet worden (die Leitwölfin des Risoux-Rudels durch die französischen Behörden und der Leitwolf des Marchairux-Rudels, ein Fehlabschuss durch den Kanton Waadt). «Ein sofortiges grenzüberschreitendes Moratorium für Regulierungsabschüsse in Wolfsrudeln ist daher notwendig und wird mit Nachdruck gefordert», hält die GWS fest. Dieses Moratorium müsse gelten, bis der Erhalt des regionalen Wolfsbestand im Jura gesichert ist.