In den Schweinegremien herrscht dicke Luft wegen der Handhabung der Gesundheitsdaten. Suisseporcs und Suisag haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach die Gesundheitsdaten künftig mit Nutztiergesundheit Schweiz (NTGS) und der öffentlichen Hand verwaltet werden sollen. Dabei geht es auch um den Erhalt der öffentlichen Mittel. Hintergrund ist eine Vereinheitlichung der Finanzunterstützung, die 2020 vom Bundesrat eingeleitet wurde. Nun verlangt ein Produzentenkomitee, dass die Daten in der Branche verbleiben sollen. Wir haben Suisseporcs-Präsident Meinrad Pfister zum Thema befragt.

Herr Pfister, haben Sie den Kontakt zur Basis verloren?

Meinrad Pfister: Nein, überhaupt nicht, wir sind direkt im regen Austausch mit der Basis, mit Geschäftsführer Stefan Müller war ich soeben an den Generalversammlungen aller Sektionen.

Das Komitee «Produzentennaher SGD» stellt diverse Forderungen an Suisseporcs und Suisag, da ist offenbar schon Feuer im Dach?

Das hatten wir in der Vergangenheit auch schon. Es ist schade, dass man öffentlich Stimmung macht, nachdem man unterlegen ist, statt die statutarisch festgelegten demokratischen Wege zu beschreiten. Warum hat sich die kritische Gruppe nicht direkt bei uns informiert? Die eingebrachten Anliegen des Komitees sind alle auf dem Tisch und werden berücksichtigt.

Was hatten Sie in der Vergangenheit auch schon?

Es gab eine Gruppe von Mitgliedern, die aktiv meinen Rücktritt forderte, das waren praktisch die gleichen Leute.

Geht es primär um eine Abrechnung mit Ihnen?

Es ist ein offenes Geheimnis: Wir haben interne Diskussionen zwischen Suisseporcs und Suisag. Nicht alle sind gleicher Meinung, da es verschiedene Sichtweisen gibt. Aber jetzt haben wir Mehrheitsentscheide vom Suisseporcs-Zentralvorstand und vom Suisag-Verwaltungsrat. Die kritischen Punkte sind bekannt und diese werden – auch jene von der Basis – aufgenommen.

Der Stein kam durch den Rücktritt eines Vorstandsmitgliedes ins Rollen.

Ja, Toni Zwimpfer hat das Präsidium des Fachgremiums Gesundheitsdienste und seine Mitgliedschaft im Zentralvorstand niedergelegt. Dies ist sein gutes Recht, aber dass er nachher an die Öffentlichkeit gelangt, ist nicht korrekt.

Die Produzenten sorgen sich u. a. um den Datenschutz, wie wollen Sie ihnen hier Sicherheit geben?

Dem trägt man Rechnung. Wir haben die Datenschutz-Richtlinien deshalb schon letztes Jahr überarbeitet. Da gibt es ganz klare Vorgaben: Weitergabe nur von anonymisierten Daten zu Forschungszwecken. Da staune ich ein bisschen: Bis vor nicht allzu langer Zeit hatten die Vetsuisse-Kliniken freien Zugang zur SGD-Datenbank. Damals hatte man Vertrauen, heute mit den scharfen Richtlinien hat man das Gefühl, alles gehe bachab, das ist nicht nachvollziehbar.

Also sind die Ängste unbegründet?

Ängste um Datensicherheit sind nachvollziehbar. Deshalb haben wir etwa beschlossen, dass die heiklen Daten aus den elektronischen Behandlungsjournalen im Besitz von Suisag und Qualiporcs bleiben.

Die Unterzeichnung der Absichtserklärung verletzt laut dem Komitee den Vertrag mit über 4000 Produzenten, können Sie sich das leisten?

Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung begeht man keinen Vertragsbruch. Die Reform wurde von den Geldgebern BLV und Kantonen verlangt. Wir mussten uns entscheiden, ob wir die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Bund, Kantonen, Unis und Tierärzteschaft weiterführen oder diese abbrechen wollen. Da hat der Zentralvorstand klar gesagt: Nein, das war der Grundstein zum Erfolg des SGD und wir wollen auch an den öffentlichen Mitteln weiter partizipieren.

Mit der Neuregelung geht viel davon verloren, oder?

Nein, das Geld geht nicht verloren. Neu läuft die Koordination der öffentlichen Mittel über Suisseporcs und die NTGS. Ausführende bleiben aber Suisag und Qualiporc. Die Arbeit muss genauso gemacht werden, die NTGS will nicht operativ aktiv werden. Der Verein hat eine koordinative Aufgabe.

Sie treten im Mai zurück, können Sie diese Baustelle noch abschliessen, oder überlassen Sie dem Nachfolger Probleme?

Mir war ein wichtiges Anliegen, das noch zu klären. Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung durch Suisag und Suisseporcs ist der Entscheid gefallen und der Fall ist geklärt. Nun kann die gemeinsame Arbeit für die Schweizer Schweinegesundheit weitergeführt werden.