Freistehende Solaranlagen können nach der Rechtsauffassung des Raumplanungsgesetzes nicht «landwirtschaftlich begründet» werden und sind daher in der Landwirtschaftszone nicht erlaubt, wie der landwirtschaftliche Informationsdienst im Zusammenhang mit Agrophotovoltaik ausführte. Hingegen gehören Zäune zum Weideland und auch diese liessen sich für die Produktion von Solarstrom nutzen. Ein entsprechendes Projekt auf dem Betrieb Herbert's Bio-Freiland-Eier wurde 2020 mit dem österreichischen Solarpreis (Eurosolar Autriche) ausgezeichnet. 

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«Der Zaun, der sich selbst amortisiert»

Für den Solarzaun der deutschen Firma Next2Sun kommen bifaciale Module zum Einsatz. Diese können das Sonnenlicht von beiden Seiten nutzen. Ein Zaunelement von 2,15 Metern Länge soll nach Angaben von Next2Sun eine Maximalleistung von 400 Watt haben. Der oben erwähnte Freilandeier-Produzent in Österreich kam gemäss Eurosolar mit seinem 320 Meter langen Solarzaun auf 52,9 kW. Eine Ost-West-Ausrichtung sei am besten. Am Abend und am Morgen – bei tiefem Sonnenstand also – liefere der Solarzaun «deutlich bessere Resultate als herkömmliche Anlagen». 

Wirtschaftlich besonders interessant sei die Eigennutzung des vom Zaun produzierten Sonnenstroms – hier ist die Rede vom «Zaun, der sich selbst amortisiert». Die Montagekosten würden von den Installationspartnern bestimmt und man könne hierzu keine Angaben machen, meint Next2Sun auf Anfrage zum Preis.

Variabel einsetzbar

Bei den Einsatzmöglichkeiten bieten variable Gestell- und Verankerungsausführungen Flexibilität: Der Solarzaun könne sowohl auf eine Mauer gestellt, als auch mittels Rammung im Boden befestigt werden. Weiter gibt es laut Next2Sun verschiedene Ausführungen für den unteren Zaunabschluss, z. B. Maschendraht, Stabgitter und es könne ein Elektrozaundraht angebaut werden. Dank der Solarmodule eignet sich die Konstruktion auch als zwei Meter hoher Sichtschutz für Privatgärten oder im Gewerbebereich. Die niedrigere Ausführung ist 1,15 Meter hoch.

Man habe viele Interessenten aus der Landwirtschaft, schreibt Next2Sun auf Anfrage. Praxisbeispiele gebe es auch schon diverse – von der Hühnerfarm, über eine Kuhweide bis zur Pferdekoppel. 

Langlebig und unterhaltsarm

Dank der vertikalen Ausrichtung sind Schnee und Schmutz auf dem Solarzaun kein Problem. Next2Sun geht von einer Betriebsdauer rund 30 Jahren aus, denn die Konstruktion sei robust und komme auch mit starkem Wind zurecht. 

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Hohe rechtliche Hürden in der Schweiz

Den Solarzaun von Next2Sun ist in der Schweiz über die Solarzaun GmbH erhältlich. 

Ob ein Solarzaun ausserhalb der Bauzone bewilligt werden kann, würde nach Auskunft des Bundesamt für Raumentwicklung ARE basierend auf Artikel 24 RPG beurteilt. Demnach könne eine Bewilligung erteilt werden,  wenn der Zweck der Bauten oder Anlagen einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen. Die Hürden seien hoch, denn schliesslich solle das Nichtbaugebiet von Bauten und Anlagen weitgehend freigehalten werden. «Unter welchen Voraussetzungen trotzdem Bewilligungen möglich sind, muss sich in der Praxis noch klären», so das ARE. «Innerhalb der Bauzonen hingegen müssten die Hürden tief sein.»