Das Ende des Sommers steht trotz der hohen Temperaturen schon bald vor der Tür und die Maisernte ist in vollem Gange. Zusammen mit dieser Ernte kann der Gedanke der Winterfütterung schon ein erstes Mal aufgegriffen werden. Für die meisten Betriebe bedeutet der Wechsel zur Winterfütterung eine Anpassung der Gesamtration. Je nach Betriebsstrategie können sich diese Rationen stark voneinander unterscheiden. Eines ist jedoch in allen Fällen wichtig: Eine möglichst einheitliche Futtervorlage von gleichbleibender Qualität während der Fütterungsperiode.
Einfacher gesagt als getan
Eine gleichbleibende Futterration vorzulegen, kann schwierig sein und ist mit grossen Herausforderungen verbunden. Die erste Schwierigkeit liegt oft schon bei den vorhandenen Daten. Ein berechneter Fütterungsplan ist beispielsweise nur so gut wie die Datengrundlage. Die vorgelegte Ration ist nur gut, wenn sie genau vorbereitet oder gemischt wurde. Was schlussendlich von der Kuh an der Krippe gefressen wird, kann nochmals etwas ganz Anderes sein. Fehlerquellen, wohin man sieht. Wichtig ist also schlussendlich die Beurteilung und Anpassung der vorgelegten Ration in Verbindung mit der Fütterungskontrolle an den Tieren.
Selektives Fressen erkennen
Idealerweise haben wir eine einheitliche Herde im Stall. Denn dies ist schlussendlich ja das Ziel der Zucht. Dann sollten auch alle Tiere die Möglichkeit haben, die auf die Herde angepasste Ration zu fressen. Das Verhindern einer selektiven Futteraufnahme ist hier bei Mischrationen zentral. Selektives Fressen kann wie folgt festgestellt werden:
Kegelfressen: Tiere stossen das Futter hin und her und formen einen sogenannten Kegel an der Krippe. Feine Futtermittel (bspw. Ausgleichsfutter) sammelt sich dann am Boden und wird von den Kühen aufgeleckt.
Sturm auf neues Futter: Wird frisches Futter vorgelegt und die Tiere stürmen auf das neue Futter zu, kann dies ebenfalls ein Zeichen auf eine nicht einheitliche Mischung sein. Ziel sollte sein, dass sich die Tiere nicht dafür interessieren. Dann ist die Fütterung von Mal zu Mal identisch.
Tipp: Die Einheitlichkeit der Futtervorlage kann beispielsweise auch mit einer Schüttelbox beurteilt werden. Wird selektives Fressen festgestellt, kann dies verschiedene Gründe haben.
Selektives Fressen verhindern
Punkte, die es zu überprüfen, oder Massnahmen, die es zu treffen gilt, um dem selektiven Fressen entgegenzuwirken, sind folgende:
Wasserzusatz: Oftmals liegt es daran, dass die Ration zu trocken ist. Bei einem TS-Gehalt von ungefähr 35 % bis 40 % bleibt das zugemischte Futter an der Silage haften und kann dann von den Tieren nicht einfach vom Boden geleckt werden. Mit 1 Liter Wasser pro Tier und Tag kann der TS-Gehalt um etwa 1 % gesenkt werden.
Tierbesatz: Ein zu hoher Tierbesatz kann vor allem den Erstlaktierenden oder Frischgekalbten schaden, da diese dann Gefahr laufen, das bereits durchsortierte Futter zu erwischen oder zu wenig Futter zu erhalten.
Futtervorlage: Eine mehrfache Futtervorlage und regelmässiges Zuschieben wirkt dem Selektionieren entgegen und schafft Ruhe in der Herde.
Kraftfutter: Ist der Vermahlungsgrad des Kraftfutters eher fein, bleibt dieses auch besser an der Mischung haften.
Schlusskontrolle mit der Kuh
Ob die Ration der Kuh und der Herde entspricht, lässt sich mit einem Blick zur Kuh und in die Milchdaten beurteilen. Hinsehen und die Schlüsse daraus ziehen ist hier die Devise. Wird der Kuh die Aufmerksamkeit geschenkt und werden die Signale verstanden, lässt sich einfach beurteilen, ob die Ration «stimmt» oder eben nicht:
Milchleistung: Eine hohe Milchleistung wird zu Beginn nur erzielt, und vor allem gehalten, wenn die Fütterung stimmt. Bei einer ungenügenden Persistenz (Herdentierwert >90 %) sollten hier die Alarmglocken läuten. In der ersten und zweiten Wägung ist eine Persistenz von >100 % anzustreben.
Harnstoffgehalte: Grosse Streuungen der Harnstoffgehalte innerhalb einer Gruppe können auffällig sein. Entweder bekommt die Kuh eine zu grosse Menge an Proteinen an der Kraftfutterstation oder sie leckt es sich eben an der Krippe zusammen. Diese Tiere unbedingt beobachten und Anpassungen vornehmen.
Kotkonsistenz: Viele unterschiedliche Kotkonsistenzen und Körperkonditionen innerhalb einer Laktationsgruppe können ebenfalls auf eine unpassende Fütterung oder Kraftfutterzuteilung hinweisen. Voraussetzung ist hier sicherlich auch die einheitliche Herde.
Werden Probleme festgestellt, sollten die Anpassungen an der Ration laufend vorgenommen werden. Denn mit dem Berechnen eines Futterplans allein, ist es leider nicht gemacht.

