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Thurgauer Veterinäramt: Thomas Fuchs geht schon wieder

Am Mittwoch gab es beim Veterinäramt des Kantons Thurgau einen grossen Knall. Kantonstierarzt Thomas Fuchs kündigt nach nur fünf Monaten seine Stelle. Grund sind interne, zwischenmenschliche Probleme.


Die Hoffnungen und die Erwartungen waren gross, als Thomas Fuchs am 1. November 2019 die Nachfolge des Thurgauer Kantonstierarztes Paul Witzig antrat. Umso grösser war die Verwunderung, als am 1. April die Meldung kam, dass Fuchs sein Amt per 30. Juni 2020 bereits wieder abgeben wird. «Ich dachte zuerst, es sei ein Aprilscherz», sagt Urs Schär. Der Landwirt und SVP-Kantonsrat leitet die Kommission Viehwirtschaft beim Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL).

Intern gab es zwischenmenschliche Probleme

Thomas Fuchs hatte die anspruchsvolle Aufgabe angetreten, nach dem Fall Hefenhofen im Jahr 2017 die Arbeiten im Veterinäramt neu auszurichten und ein Reorganisationsprojekt umzusetzen. Rasch habe sich gezeigt, dass das Ausmass der nötigen Massnahmen grösser war als angenommen und es tief greifende Veränderungen braucht, schreibt das Departement für Inneres und Volkswirtschaft in seiner Medienmitteilung.

Teilweise als Folge dieser Reorganisation und auch aus persönlichen Gründen haben ein Amtstierarzt und eine Amtstierärztin sowie ein Mitarbeiter aus dem Bereich Tierschutz ihre Stelle gekündigt. Angesichts dieser sehr belastenden Situation habe sich Fuchs entschieden, das Veterinäramt per 30. Juni wieder zu verlassen.

Externe Unterstützung kam zu spät

Der zuständige Regierungsrat Walter Schönholzer hält gegenüber der BauernZeitung fest, dass das Arbeitsklima unter dem neuen Chef nicht von Beginn weg schlecht war. «Nachdem sich die Mitarbeiter in einem Schreiben an den Amtschef und später auch direkt an mich gewendet hatten, habe ich eine Delegation der Mitarbeitenden persönlich empfangen und ihre Anliegen angehört.» Unter anderem auch deshalb habe er in der Folge eine externe Begleitung des Reorganisationsprozesses eingesetzt. Da schien es aber bereits zu spät gewesen zu sein. Vier der 13 Mitarbeiter im Veterinäramt haben ihre Kündigung eingereicht.

«Veterinäramt erfüllt seine Aufgaben weiterhin»

Die Personaldecke beim Thurgauer Veterinäramt wird also dünner statt dicker. Dabei stimmte der Grosse Rat bei der Budgetdebatte 2020 vom letzten Dezember einer Aufstockung der personellen Ressourcen auf 420 Stellenprozente zu. «Ein weiterer Ausbau wird auch in den nächsten Jahren notwendig sein. Der genaue Umfang hängt vom jeweils aktuellen Stand und der Resultate bei der Umsetzung der Reorganisation ab», sagt Walter Schönholzer und betont gleichzeitig, dass das Veterinäramt funktioniere und seine Aufgaben, gestützt auf die neue Tierschutzverordnung und die Bundesvorgaben, weiterhin korrekt erfüllen könne.

Nutztiere machen kleineren Teil aus

Auch Urs Schär glaubt nicht, dass der Personalmangel im Veterinäramt unmittelbare Auswirkungen für die Nutztierhalter(innen) im Kanton Thurgau hat. «Ich glaube, dass wir Landwirte vom Personalmangel nichts zu spüren bekommen. Die Nutztiere machen ohnehin einen kleineren Teil aus, viel grösser ist der Bereich der Heimtiere», führt er aus. Im Bereich Nutztierhaltung sei das Veterinäramt gut aufgestellt, findet Schär. Die Sensibilisierung nach dem Fall Hefenhofen habe stattgefunden und das heutige Kontrollwesen funktioniere gut.

Er weist aber auf ein anderes Problem hin, nämlich dass es viele Heimtierhalter gibt, die Tiere illegal in die Schweiz bringen oder exotische Tiere falsch halten. «Mit solchen Fällen hat das Veterinäramt mehr Arbeit.» Das bestätigte auch Thomas Fuchs an einen Anlass des VTL im Januar, wo er sich den Bauern vorstellte. Fuchs sagte damals, dass heute jeder und jede dank Handykamera angebliche Missstände (auch wenn es keine sind) melden kann und dass das Veterinäramt jedem Hinweis nachgehen muss. Das nehme extrem viel Zeit in Anspruch.

Die Erwartungen sind hoch

Er habe nach diesem Anlass einen guten Eindruck von Thomas Fuchs gehabt, sagt Urs Schär. «Ich hatte das Gefühl, er ist der richtige Mann für die Reorganisation des Thurgauer Veterinäramts. Ich frage mich schon, wieso es nicht geklappt hat.» So oder so brauche es jetzt einen Neuanfang. «Die Anforderungen an dieses Amt sind gross und der Abgang von Thomas Fuchs wirft natürlich kein besonders gutes Licht auf das Veterinäramt», so Schär.

Walter Schönholzer stellt in Aussicht: «Wir werden nun eine Übergangslösung für die Amtsleitung erarbeiten. Diese herausfordernde Situation ist auch eine Chance, um die angefangene Neuorganisation im Veterinäramt konsequent umzusetzen.» Thomas Fuchs selber äusserte sich nicht zu seiner Kündigung.

Vorgeschichte: Der Fall Hefenhofen

Thomas Fuchs trat am 1. November 2019 seine Stelle als neuer Amtstierarzt an. Er folgte auf Paul Witzig, der pensioniert wurde. Unter Witzigs Amtszeit fiel der Fall Hefenhofen: Der Betrieb eines wegen Tierquälerei national in die Schlagzeilen geratenen Pferdehalters wurde im August 2017 zwangsgeräumt. Dies geschah aber erst auf Druck der Bevölkerung. Den Behörden wurde «grobes Versagen» vorgeworfen. Kantonstierarzt Witzig geriet daraufhin in die Kritik, zu lange weggeschaut zu haben. Walter Schönholzer, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements, hielt an Witzig fest und kündigte eine Reorganisation des Veterinäramts an. Thomas Fuchs sollte diese Reorganisation umsetzen und Ruhe ins Veterinäramt bringen. Nun muss sich Schönholzer erneut nach einem neuen Kantonstierarzt umsehen.

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