«Am meisten trifft uns die Trockenheit im Moment mit den Weiden», sagt Simon Widmer. Er führt zusammen mit seiner Frau Eliane und seinem Bruder Philipp einen Betrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau in Oberkulm AG. Momentan stehen die 49 Milchkühe im Stall, Weiden geht nicht mehr.
«Wir können noch etwas von einer früh angesäten Kunstwiese eingrasen, mit sehr viel Ausfallgetreide», ergänzt Widmer. Er hätte auf einen wüchsigen Herbst gehofft. Im Sommer haben die Gebrüder Widmer bereits Futter zugekauft – ungefähr die Menge, die sie selbst aufgrund des Extremwetters nicht einfahren konnten – jetzt werde es aber knapp. Und in der Region sei kaum etwas verfügbar.
Immerhin werden Widmers einen Teil des Grasmangels mit Maissilage überbrücken können. Zwar habe der Bestand im Sommer fast täglich die Blätter gerollt, dann aber einen relativ guten Ertrag geliefert. Auch konnten die Gebrüder etwas Maissilage zukaufen. «Ich sage immer, mit unseren schweren Böden sind die trockenen Jahre die besseren», hält Simon Widmer fest.



Beim Zwischenfutter fehlt die Masse deutlich
Dem Zwischenfutter sieht man die wochenlange Trockenheit allerdings an. «Schwierig», kommentiert Simon Widmer. Nach der Rapsernte hat er Zwischenfutter gesät, danach blieb es einen Monat trocken. «Der Ausfallraps ist gewachsen, aber das Gras nicht», schildert der Landwirt. Nach zwei Säuberungsschnitten habe es jetzt zwar etwas Gras und Widmer rechnet mit einem Schnitt im Frühling – im Herbst gebe es von dieser Fläche aber kaum etwas.
«Normalerweise haben wir von Zwischenfutter nach Raps noch einen ordentlichen Herbstschnitt.» Nach Weizen kam die Mischung erst auf, als etwas Regen fiel. Dafür sei der Bestand jetzt gut. Nach Mais hingegen kommt das Gras einfach nicht auf. «Da ist wohl noch das Bodenherbizid aktiv», vermutet Widmer. Wenn das Gras weiter kümmert und diese Futterflächen auch im Frühling wegfallen, sei das schon nicht ideal.
Was sich im Extremsommer bewährt hat und wie es jetzt aussieht – Landwirte erzählen
Am 23. September hat mit der Tag-und-Nachtgleiche der Herbst begonnen. Zeit also, über den Sommer 2026 Bilanz zu ziehen. Jene im Klimabulletin von Meteo Schweiz ist schnell zusammengefasst: der heisseste Sommer seit Messbeginn 1864, Rekordzahl an Hitzetagen, extremes Niederschlagsdefizit.
Der Extremsommer hat jeden Betrieb vor eigene Herausforderungen gestellt – und er hat gezeigt, was trotzdem funktioniert. Wir haben im Thurgau, im Berner Mittelland und im Aargau nachgefragt.
Genug Feuchtigkeit im Boden für die Rapssaat
Immerhin ist Widmers Raps regelmässig aufgelaufen und wenn jetzt – wie prognostiziert – etwas Regen kommt, ist der Aargauer bei dieser Kultur zuversichtlich. Der Raps wurde pfluglos mit zwei Grubberdurchgängen angebaut: einmal für den Stoppelsturz nach Getreide sowie um die Kapillaren zu brechen und so die Bodenfeuchte zu erhalten, und dann wieder vor der Saat mit der Krummenacher-Säkombination.
«Wahrscheinlich hat das Getreide kurz vor der Ernte nicht mehr so viel Wasser gezogen und es hatte noch genügend Feuchtigkeit für den Raps im Boden», sagt Simon Widmer.

Viel Futterbaufläche, aber heuer reicht es nicht
Für ihn waren die letzten Wochen und Monate auch mental eine Belastung. «Man geht immer wieder auf die Felder schauen und hofft, dass etwas wächst», erklärt Simon Widmer. Dies immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass der Winter dann irgendwann da sein wird und es keine Möglichkeit mehr gibt, noch Futter zu produzieren. Bisher konnten die Gebrüder aber alle Tiere behalten. «Es gab gewisse Abgänge, aber nur vielleicht einen Monat früher als geplant», so der Aargauer.
Neben den 49 Milchkühen stehen 20 Stück Aufzuchttiere im Stall. Die Gebrüder bewirtschaften 46 ha LN, davon sind 39 ha futterbaulich genutzt (Silomais mitgerechnet). «Früher konnte man einen solchen Tierbestand mit kleinerer Fläche versorgen», bemerkt Simon Widmer.
Aber heuer kam die ganze Rechnung sowieso durcheinander, da mindestens zwei Schnitte komplett ausfielen. Allerdings haben Widmers viele Naturwiesen – «Kunstwiesen würden wohl mehr Ertrag liefern», fährt er fort.
Viele Hornissen und viel Fallobst bei den Äpfeln
Für Wiesen und Weiden konnte der Landwirt nichts tun. Seine Obstbäume hingegen versorgte er zweimal mit einem kleinen Druckfass mit Wasser. Das sei teilweise auch fürs Gewissen gewesen, räumt er ein. Für das Gefühl, wenigstens etwas machen zu können. «Ich weiss nicht, ob es etwas gebracht hat», sagt Simon Widmer. Aber die Fruchtgrösse stimmt und sein Ertrag an Tafeläpfeln ist gut – trotz starkem Aufkommen von Hornissen.
«Wir hatten in diesem Jahr sehr viele Äpfel und sehr viele Hornissen», meint er. Das Resultat waren grössere Mengen angefaultes Fallobst, auch aufgrund des Drucks durch den Apfelwickler. «Wir haben ihn nicht intensiver bekämpft als in anderen Jahren. Aber Berufskollegen schildern, dass sie mehr gefahren sind – und trotzdem Schäden hatten.»

«Normalerweise haben wir von Zwischenfutter nach Raps noch einen ordentlichen Herbstschnitt.»
Widmers passen ihre Kulturwahl für 2027 nach den Erfahrungen dieses Extremsommers nicht grundlegend an. Auf Weizen verzichten sie eher aufgrund abflauender Nachfrage und machen etwas mehr Kunstwiese. «Dinkel säen wir sicher, der ist eher anspruchslos», fährt Simon Widmer fort. Er hofft, dass 2027 wieder besser wird. Und er fasst allenfalls mehr Luzerne auf den Kunstwiesenflächen ins Auge.

