«Ein Jahr ist kein Jahr», meinte Barbara Wälchli vom BBZN Hohenrain. Wer auf Proteinpflanzen setze, brauche Durchhaltewillen. Sie wies auf die Vorteile in der Fruchtfolge wie N-Fixierung, Verbesserung der Bodenstruktur oder auch die Förderbeiträge hin. Schädlingsbefall, Krankheiten oder auch die Spätverunkrautung seien als Risiken allerdings nicht zu unterschätzen.
Das Potenzial und Marktumfeld von Proteinpflanzen stand im Mittelpunkt einer Tagung am LBBZ Schluechthof Ende Oktober. Dies im Rahmen des Weiterbildungsprogrammes des Projekts «Klimafitte Landwirtschaft» der Kantone Uri, Schwyz und Zug (siehe Kasten) und der Offensive Spezialkulturen vom Kanton Luzern.
Derzeit sind die Anbauflächen in den Kantonen Zug und Luzern noch gering: Steigend bei Soja (2024 rund 30 ha), schwankend bei Eiweisserbsen und Ackerbohnen (je ca. 30 bis 50 ha). Wälchli empfiehlt, Boden-, Klima-, Fruchtfolge- und Marktbedingungen genau zu prüfen und erst danach die passende Kultur auszuwählen. Das sei wichtig, damit der Anbau sowohl agronomisch als auch wirtschaftlich Sinn mache.

Geringe Erträge und schwierige Vermarktung
Bereits Erfahrungen mit dem Anbau von Proteinpflanzen hat Beat Wüest vom Schulerhof in Grosswangen. Auf dem Betrieb werden Angus, Truten, Legehennen und Kaninchen gehalten und eine Direktvermarktung betrieben. Im Ackerbau stehen Weizen, Dinkel, Raps, Mais, Sonnenblumen und Erbsen im Vordergrund. Auf einer Fläche werden jeweils neue Kulturen, wie zum Beispiel Proteinpflanzen, getestet. Schon vor 15 Jahren wurden Ackerbohnen zu Futterzwecken produziert, dann wurden auch Kichererbsen, Lupinen, Soja, Linsen und letztes Jahr die Erbsen als Verarbeitungsgemüse getestet. Häufig blieben die Erträge jedoch gering, wie Wüest einräumt.
Er führt dies unter anderem darauf zurück, dass die Sortenauswahl von Proteinpflanzen noch gering ist und viele Sorten nicht an die Schweizer Standortbedingungen angepasst sind. Auch die Vermarktung von Proteinpflanzen ist anspruchsvoll, da einige Produkte beim Konsumenten kaum bekannt sind und auch die Wirtschaftlichkeit zu wünschen übriglässt. Wüest rät Interessierten daher, sich auf Kulturen zu konzentrieren, die beim Konsumenten bekannt und klimatisch angepasst sind.

Über seine Erfahrungen mit Hülsenfrüchten in der Verarbeitung – von der Getreidesammelstelle über die Aufbereitung bis zur Vermarktung – referierte David Villiger von der Eichmühle AG in Beinwil im Freiamt. Dort werden über 50 verschiedene Produkte wie Brotgetreide, Futtergetreide, Ölsaaten und auch viele Eiweisspflanzen verarbeitet. Die Lagerkapazität liegt bei 8000 t. Viele Produkte werden durch Schälen und Röllen, Spezialreinigung und Schleifen veredelt. Für die Veredelung sei eine Mindestmenge von zwei bis vier Tonnen notwendig. Für die Kleinmengentrocknung stünden aktuell nur wenige Chargen zur Verfügung. Wichtig sei, dass sich Kunden frühzeitig bei der Eichmühle meldeten, wenn sie Hülsenfrüchte dort verarbeiten lassen wollten. Wer diese nicht selber vermarkte, sollte sich schon vor der Aussaat melden, damit der Absatz geklärt werden könne, betonte Villiger. Die Eichmühle engagiere sich seit diesem Oktober aktiv in der Vermarktung von Schweizer Hülsenfrüchten, auch wenn die Importprodukte eine starke Konkurrenz seien. Villiger gab sicher aber zuversichtlich: «Die Nachfrage für Schweizer Hülsenfrüchte ist vorhanden, wenn auch auf bescheidenem Niveau.»
Klimafitte Landwirtschaft
Das Projekt will Landwirtinnen und Landwirte bei der Umsetzung ihrer eigenen innovativen Ideen unterstützen und Wissen zum Thema Klimaschutz und -anpassung in der Landwirtschaft vermitteln. So sollen die Ideen von 30 bis 35 Pilotbetrieben aus den Kantonen Uri, Schwyz und Zug Projekte geprüft, erarbeitet und realisiert werden. Ziel dabei ist, eine langfristige und zukunftsorientierte Lebensmittelproduktion sicherzustellen. Wassermanagement auf Alpen, Einsatz von Kohle in der Schweinefütterung, Agroforst im Gemüsebau, Energiespeicher oder Übersaaten an Hanglagen sind Beispiele von laufenden Projekten. Zudem gibt es ein vielseitiges Weiterbildungsangebot: So diese Woche zum Einsatz von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft oder Anfang Februar 2026 zur Reduktion von Ammoniakemissionen im Rindviehstall. Weitere Infos
Die ganze Wertschöpfungskette muss funktionieren
[IMG 3] Das «Netzwerk Protein Power» will das Wissen und die Zusammenarbeit für die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit pflanzlichen Proteinen aus Schweizer Anbau fördern. Dieses wurde von Dany Schulthess vom Strickhof 2021 lanciert, seither finden regelmässig Netzwerktreffen statt. «Innovationen in der Landwirtschaft brauchen Wissen, Mut und Unterstützung», sagt Schulthess. Der Agronom informierte an der Fachtagung am Schluechthof über das Potenzial von Hülsenfrüchten. Weltweit veränderten sich die Ernährungsgewohnheiten, die Proteinversorgung werde immer wichtiger, das sei auch eine Chance für Schweizer Bauern, sagte er. Derzeit liegt der Selbstversorgungsgrad bei Hülsenfrüchten laut Schulthess erst bei acht Prozent. Der Anbau von Hülsenfrüchten in der Schweiz sei derzeit noch mit Unsicherheiten verbunden, da die Erträge bislang wenig stabil sei und die Wertschöpfungskette erst in Ansätzen bestehe. Damit der Anbau von Hülsenfrüchten in der Schweiz rentabel werde, brauche es standortangepasste Sorten, eine Anbaustrategie für verlässliche Erträge, Abnehmer, die die Rohstoffe verwerten und angemessen bezahlten sowie Konsumentinnen und Konsumenten, die Schweizer Hülsenfrüchte kauften. Für die Bewerbung bei den Konsumenten und auch in der Gastronomie wurde letztes Jahr der Verein Schweizer Hülsenfrüchte gegründet. Aktuell werde in der Schweiz viel für die Optimierung beim Anbau und für den Absatz für den menschlichen Konsum geforscht, erklärte Schulthess. Der Bund biete auch Förderprogramme. Schulthess riet zu Mut zu Innovationen und Veränderungen, denn das Umfeld für die Landwirtschaft wandle sich. Erfolgreiche Produkte könnten aber nur lanciert werden, wenn die ganze Wertschöpfungskette stimme, vom Feld bis auf den Teller. Daran arbeite das Netzwerk Protein Power. Am 21. November 2025 findet am Strickhof die 5. Fachtagung Protein Power statt. Weitere Infos

