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Wann ist der perfekte Schnittzeitpunkt?

Am 15. Juni darf endlich wieder mit Vollgas gemäht werden. Doch stimmt die Devise «Je später, desto besser» überhaupt?

Wann treffen sich zwei FiBL-Angestellte mit einer Gruppe pflanzeninteressierten Personen auf einer extensiven Wiese? Richtig: Wenn wieder eine Flurbegehung mit dem Thema: «Wie erhöhe ich die Qualität meiner extensiven Wiese» ansteht. Durchgeführt wurde der Anlass auf einer Wiese in Fischingen, bewirtschaftet von Landwirt Jakob Hug. Der Anlass fand unterteilt in zwei Gruppen statt, mit je einer Referentin.

Bei einem dieser Posten gibt Véronique Chevillat, Biologin, Informationen über die erfolgreiche Aufwertung von Blumenwiesen weiter: «Viele wüchsige, extensive Wiesen werden zu wenig genutzt», begründet sie die tiefe Qualitätsstufe vieler extensiven Flächen, «häufig wird nur einmal gemäht – so kann, ausser auf sehr mageren Standorten mit seltenen Pflanzen wie Orchideen, keine Artenvielfalt erhalten bleiben. Die Vielfalt ist nur durch die Bewirtschaftung entstanden, fällt diese weg, wird es schwierig.» Laut Chevillat sollten Fromental- und Goldhaferwiesen mindestens zwei- bis dreimal pro Jahr geschnitten werden. Lieber dreimal, vor allem dann, wenn sie im Herbst nicht abgeweidet werden.

Kräutern eine Chance geben

Häufigeres Mähen habe den Vorteil, dass Nährstoffe abgeführt werden und der Grasanteil reduziert wird. Dies spiele vor allem Kräutern in die Karten, da sie so viel bessere Chancen hätten, sich zu etablieren. Eine weitere Massnahme, um Pflanzenvielfalt zu erhöhen, sei auch, die letzte Nutzung möglichst spät im Herbst durchzuführen, sagt Véronique Chevillat. «Während den milden Herbsten können Wiesen noch kräftig wachsen, so dass der Bestand im Frühling schon sehr hoch ist und bis zum ersten erlaubten Schnittzeitpunkt veraltet.» Bei einer Wiese mit zu vielen Gräsern sollte früher gemäht werden, damit diese nicht versamen können und somit unterdrückt werden. Vor allem, wenn Knaulgras und Raygras dominierend sind.

Der perfekte Zeitpunkt

Doch wann ist der perfekte Schnittzeitpunkt? Dies lasse sich leider nicht pauschal sagen. Dabei ist es wichtig, die Wiesen zu beobachten: die Kräuter sollten versamen können, vor allem seltene Pflanzen. Statt sich auf einen Richtzeitpunkt zu fixieren, sollte man jedes Jahr aufs Neue die Nutzung dem Bestand anpassen. Nach diesem Grundsatz bewirtschaftet Jakob Hug seine extensiven Flächen: «Ich mähe meine Wiesen zweimal im Jahr, bei beiden Schnitten haue ich die ganze Fläche gestaffelt ab, in einem Abstand von drei Wochen.» Er habe eine Bewilligung für flexible Schnittzeitpunkte bekommen. Seitdem sei die Fläche viel artenreicher.

SOS bei artenarmen Wiesen

Das genaue Abwägen des Schnittzeitpunktes und das optimale Intervall gut und recht, doch was ist mit Wiesen, die noch nicht artenreich sind? Was nicht ist, kann auch nicht erhalten bleiben. Es wurden zwei Möglichkeiten vorgestellt:

Ansaaten mit Handelssaatgut oder regionalem Saatgut: Die Bodenbearbeitung ist hierbei wichtig, gründlich muss sie sein. Der ursprüngliche Wiesenbestand darf nicht mehr zu sehen sein. Ansonsten ist die Konkurrenz zu stark. Eine weitere Möglichkeit wäre noch eine Übersaat, diese ist laut Véronique Chevillat jedoch nicht zu empfehlen, da Wiesenkräuter so zu stark von den konkurrenzstarken Gräsern unterdrückt werden.

Heuübertragung: Standortspezifische Pflanzen haben höhere Chancen, zu keimen. Vor allem bei nährstoffarmen Standorten, die schon einige typische Pflanzen enthalten (Witwenblume, Margerite, Salbei). Dort kann nach der Mahd der Boden mit einem Striegel leicht aufgekratzt werden, damit offene Bodenstellen entstehen. Auf Standorten ohne typische Arten in der Wiese ist es jedoch besser, den Boden umzubrechen.

«Man erwischt nie alle zusammen»

Für eine erfolgreiche Heuübertragung ist die Entwicklung der Spenderwiese am Übertragungszeitpunkt sehr wichtig. Sind die Pflanzen zu reif, gehen viele Samen bereits auf dem Übertragungsweg verloren. «Eine gute Beobachtung ist entscheidend», sagt Véronique Chevillat. Sie begründet dies folgendermassen: «Es blühen nicht alle Pflanzen gleichzeitig. Man erwischt nie alle zusammen. Deshalb muss erst ermittelt werden, welche Pflanze man übertragen möchte.» Das Heu, das dann verteilt wird, soll möglichst lange liegen gelassen werden. «Die Heuübertragung wird meist im Juni durchgeführt: Es ist sehr heiss, dann werden die Keimlinge schnell verbrannt. Die Heuschicht schützt dagegen und sorgt für eine feuchte Umgebung», erklärt Véronique Chevillat.

Die Form ist entscheidend

«Um die Wiesenbewohner zu schonen, sollte 10 % des Bestandes via Rückzugsstreifen stehen gelassen werden», so Véronique Chevillat. Diese sollten länglich, jedoch nicht zu dünn (ansonsten ist der Randeffekt zu gross) und eng miteinander vernetzt sein. Ausserdem dürften die Streifen nicht immer am selben Ort angelegt werden: Sonst verfilze der Bestand und man verliere an Artenvielfalt.

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