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Pomologentreffen in Salez: Grosses Publikum für alte Obstsorten

In Salez (SG) trafen sich die Fachleute für Obstsorten. Die umfangreiche Sortenausstellung brachte auch Laien zum Staunen.

Salez Über 140 Pomologen aus der Schweiz sowie aus West- und Mitteleuropa trafen sich am Wochenende zum 18. Internationalen Pomologen-Treffen am Landwirtschaftszentrum Rheinhof in Salez. Sie widmeten sich den Themen Sortenvielfalt, Obst­sortenverarbeitung sowie der Baumerhaltung. Organisiert wurde das Treffen vom Verein Hortus (siehe Kasten) sowie von Fructus, der Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten mit Sitz im zürcherischen Wädens­wil.

Genetische Basis erhalten

Fructus-Präsident Alfred Aeppli erörterte kurz, worum es bei diesem Treffen geht: «Unser gemeinsames Anliegen ist das Erhalten und die Nutzung von alten Obstsorten. Diese sorgen durch ihr bewährtes Erbgut dafür, dass die Vielfalt nicht verarmt. Wenn wir die neueren Züchtungen anschauen, finden wir immer wieder gleiche Kreuzungseltern. Das heisst, die genetische Basis der erfolgreichen Apfelzüchtung ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts eng geworden.» Deshalb werden vermehrt alte Sorten gesucht, die beinahe verschwunden sind, aber über die gewünschte Robustheit gegenüber Krankheiten verfügen. Zudem seien alte Obstsorten auch ein lebendiges Kulturgut, betonte Alfred Aeppli.

Produkte aus alten Sorten

Drei Verarbeiter präsentierten am Treffen die Produkte, die sie mit Erfolg aus traditionellen ­Birnen- und Apfelsorten herstellen. Den Anfang machte Robert Brunner von der Wehntaler-Mosterei im zürcherischen Steinmaur. Diese produziert als einzige Mosterei der Schweiz das bekannte Birnelsaftkonzentrat. Pro Jahr werden etwa 2000 Tonnen Birnen verarbeitet, was einem Viertel des Jahresbedarfs an Mostbirnen in der Schweiz entspricht. «Um den Zuckerbedarf im Haushalt zu reduzieren, kann man gut und gerne Birnel als Süssungsmittel verwenden. Es enthält im Gegensatz zu raffiniertem Zucker wichtige Mineralstoffe und Polyphenole», betont Robert Brunner. «Nehmen Sie doch statt Balsamico einen Löffel Birnel und fügen ihn der Salatsauce bei. Das kostet viel weniger und schmeckt erst noch besser», propagierte Brunner. Thomas Oeler präsentierte seine Dörrerei, die er zusammen mit seiner Frau seit zwölf Jahren in Lömmenschwil SG betreibt.

Wie zu Gotthelfs Zeiten

In dieser wird definitiv noch so gedörrt wie einst: nämlich im Holzofen. «Wir verarbeiten pro Jahr 80 Tonnen Birnen, drei Wochen lang dörren wird Zwetschgen und während eines Monats Äpfel», sagt Thomas Oeler. Getrocknet wird Tag und Nacht – und dies während zehn Monaten im Jahr. Die Teilnehmer der Tagung bekamen Gelegenheit, die verschiedenen aromatischen Dörrbirnen zu kosten. Da gab es die bekannte Schweizer Wasserbirne und andere bekannte Tafelbirnensorten zum Probieren. Aber auch Sorten, die einst speziell zum Dörren angebaut wurden. Zum Beispiel die Blaue Längler oder die Luzeiner Längler, die leider nur noch auf wenigen Bäumen zu finden sind.

Seit fünf Generationen

«Ich bin etwas vorbelastet: Ich bin Moster, mein Vater und mein Grossvater waren Moster und auch meine Kinder sind Moster.» Mit diesen Worten begrüsste Ruedi Kobelt aus Marbach imSt. Galler Rheintal die Zuhörerinnen und Zuhörer. Er nennt seine Mosterei die «kleinste Mosterei der Schweiz». In dieser werden Cider, Säfte und Spirituosen hergestellt. Pro Jahr werden in der Mosterei Kobelt durchschnittlich 600 Tonnen Obst verarbeitet. Ruedi Kobelt schwärmt von der Tüftlerei auf dem Weg zu immer neuen Varianten und Raritäten beim Cider. Es ist spürbar, dass die Generation, die jetzt am Ruder ist, auf dem Weg in die Zukunft die Palette an Cider-Produkten ausbaut, um auch die junge Generation für den Cider gewinnen zu können.

Früchte machen Freude

Nach dem Motto «Früchte machen Freude und Freunde» wurden während des Treffens der Pomologen am Samstagnachmittag die Türen fürs Publikum geöffnet: mit einer breit ge­fächerten Sortenausstellung, Marktständen und einem Wettbewerb zum Thema Obstverarbeitung. Die Vielfalt an Äpfeln, Birnen, Quitten und Wildfrüchte in teilweise kuriosen Formen und Grössen lösten grosses ­Staunen aus. Schätzungsweise 100 Sorten waren ausgestellt – mit Namen, die den Besuchern nicht geläufig waren. Es gab auch Exemplare von unbekannter Herkunft. Vergnüglich war auch der Marktplatz, an dem etwa Kinder Äpfel zu Saft pressen konnten und erfuhren, wie anstrengend das Pressen mit einer von Hand angetriebenen Maschine ist. Besucher erlebten, wie Pomologen Sortenbestimmungen vornehmen. Die alten Obstsorten stiessen an diesem Anlass auf ein erstaunlich grosses Interesse.

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