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Das flüssige Gold kann den Pflanzen auch schaden

Eine unsachgemässe Anwendung der Gülle beeinflusst die Pflanzenbestände negativ und kann sie sogar schaden. Worauf bei der Ausbringung zu achten ist, erfahren Sie hier.

Die Gülle wird auch als flüssiges Gold der Landwirtschaft betitelt. Doch gerade bei unsachgemässer Anwendung beeinflusst sie die Pflanzenbestände negativ. Die möglichen Fehlerquellen sind vielfältig und finden ihre Ursache in unsachgemässer Verdünnung, Applikationstechnik oder unvorteilhaften Witterungsbedingungen.

Ziel sollte es aber sein, die hochwertige Gülle bestmöglich anzuwenden und die wertvollen Nährstoffe den Pflanzen zu einem Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen, in dem Bedarf vorhanden ist. Positive Nebeneffekte sind dann zugleich eine hohe Stickstoffeffizienz bei tiefen ­Geruchs- und Ammoniake­missionen.

Wirkung auf die Pflanzen

Die Gülle ist ein Volldünger mit den wichtigsten Hauptnährstoffen Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) wie auch Magnesium (Mg), Schwefel (S) und diversen Spurenelementen. Stammt die Gülle von Milchkühen, ist in der Regel der Kaligehalt leicht höher als der Bedarf der Wiesen, besonders ausgeprägt bei Milchviehgülle aus Anbindehaltung, sprich getrennter Sammlung von Mist und Gülle.

Gerade bei dieser Harngülle aus Anbindeställen treten bei zu geringer Verdünnung mit Wasser Schäden an Pflanzen auf. Die Schäden werden verursacht durch Säuren, Salze und Phenolen, die in der Gülle natürlicherweise vorkommen, aber auch durch Gärprodukte des Harns wie Hippur- und Benzoesäure. Für Schäden an Pflanzen sind insbesondere Eigenschaften und Bestandteile des Harns verantwortlich. Daher ist bei kotarmer Gülle eine Verdünnung von mindestens 1:2 mit Wasser empfohlen.

Kunstdünger in Sommermonaten mit wenig Niederschlag

Ist die Gülle mit Kot versetzt, wie es bei Vollgülle der Fall ist, entschärft sich der enorme Effekt des Harns. Hingegen gewinnen Effekte des Mists an Bedeutung. Kotstickstoff wirkt bedeutend langsamer als Harnstickstoff – das hat vorwiegend Vorteile für die Futterpflanzen. Negativ an Kot ist die geringere Fliessfähigkeit aufgrund des höheren Trockensubstanzgehalts, aber auch der höhere Schleimgehalt kann schädigend wirken. Vor allem dicke Vollgülle bedeckt Blattmaterial von Pflanzen und fliesst nicht ab. Das schädigt die Pflanzen durch das wahrnehmbare Verätzen der Blätter.

Es ist bekannt das horstbildende Gräser mit aufrechtstehenden Blättern weniger von Verätzungsschäden betroffen sind als ausläuferbildende Arten, die eine flache Blattstellung haben und den Boden gut abdecken. Darum ist bei der Düngung von Weiden die Verdünnung der Gülle besonders zu beachten oder gegebenenfalls auf Kunstdünger für gezielt gewählte Zeitpunkte umzusteigen. Dies betrifft gerade die Sommermonate bei wenig Niederschlagsmengen.

Wurzelfäulnis wird durch hohen Kaligehalt erhöht

Nicht nur oberirdische Teile der Pflanzen sind von der Wirkung der Gülle betroffen, auch die Wurzeln werden beeinflusst. Die klassische Gülleflora enthält Pflanzen wie Wiesenblacken, Wiesenkerbel und Bärenklau. Die krautigen Bestände profitieren von der teils verätzenden Wirkung der Gülle auf sensible Gräserwurzeln. Der Grund liegt im unterschiedlichen Bau der Wurzeln. So verfügen die genannten Kräuter über eine ausgeprägte Pfahlwurzel, die horstbildenden Gräser aber über feine Büschelwurzeln die feinverzweigt in den obersten 10 bis 20 cm des Bodens ankern.

Daneben wird aufgrund des hohen Kaligehaltes der Gülle und dessen stark quellender Wirkung verstärkt wasserreiches Wurzelgewebe gebildet, was die Fäulnisanfälligkeit erhöht. Lang ausdauernde Wurzeln sind durch einen erhöhten Gerbsäuregehalt und früh einsetzendes Dickenwachstum (z. B. Wiesenblacken) oder durch verdickte Rindenschichten (z. B. Kriechender Hahnenfuss) vor schädlichen äusseren Einflüssen geschützt. Pflanzen ohne sekundäres Dickenwachstum der Wurzeln, wie die Gräser, treten daher aus Güllestandorten zurück. Eine Ausnahme bildet zum Beispiel die Gemeine Rispe, die sich durch Sprossausläufer vermehren kann und infolge starker Reservestoffeinlagerungen in den Ausläufern nach einer Schädigung oder Nutzung schnell wieder austreibt.

Gülle auf Nährstoffgehalt untersuchen lassen

Haben Sie bereits einmal Ihre Gülle auf deren Nährstoffgehalt untersucht? Eine Analyse von gut homogenisierter Gülle gibt Aufschluss über die Zusammensetzung Ihrer eigenen hofspezifischen Gülle. Ist die Verdünnung der Gülle im Verlaufe des Jahres stark variierend, so bieten sich zum Beispiel zwei Probezeitpunkte an: Ende Winter und in der Sommerzeit um gute Referenzwerte zu erhalten.

Gerade in Bezug auf den Trockensubstanzgehalt und die Werte an Ammoniumstickstoff geben diese Auskunft über das sinnvolle Wasser-/Gülleverhältnis in der eigenen Gülle. Der Gehalt von Nverf (pflanzenverfügbarer Stickstoff) sollte in ideal verdünnter Gülle für den Futterbau den Wert von 1,5 kg pro m3 Gülle nicht überschreiten. Werden diese Hofdüngeranalysedaten zusammen mit den Bodenanalysen interpretiert, können wertvolle Erkenntnisse gewonnen und der Hofdünger so effizient wie möglich eingesetzt werden.

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