Wenn im Winter an mindestens sieben aufeinanderfolgenden Tagen die Tagesmitteltemperatur (Durchschnitt aller Messwerte von Mitternacht bis Mitternacht des entsprechenden Tages) über fünf Grad steigt, gilt die Vegetationsruhe als unterbrochen. Es öffnet sich dann ein sogenanntes Düngefenster, in dem die Pflanzen theoretisch Stickstoff aufnehmen könnten. Vergleichsweise hohe Temperaturen, wie sie im Moment herrschen, sind aber nicht das einzige Kriterium, das es beim Güllen zu beachten gilt. Ein aktueller Vorfall aus dem Kanton Freiburg zeigt, was sonst passieren kann.

Gülle im Crêt Moron

Wie die Freiburger Kantonspolizei mitteilt, wurde am 26. Dezember von einem Wildhüter in Châbles die Verschmutzung eines Wasserlaufs festgestellt. Offenbar war Gülle in den Bach Crêt Moron geflossen. Gemäss ersten Ermittlungen seien rund 63 m3 des Düngers auf eine nach anhaltenden Regenfällen mit Wasser vollgesogene Parzelle ausgebracht worden. Auch seien die Säfte eines nahe gelegenen Kompostplatzes übergelaufen und hätten sich entlang der Strasse ihren Weg bis in den genannten Bach gesucht.

Das Ökosystem sei in Mitleidenschaft gezogen worden, man habe aber bisher kein Fischsterben verzeichnet, hält die Kapo fest. Untersuchungen sind im Gange und mehrere Personen seien im Zusammenhang mit der Verschmutzung identifiziert worden.

Eigenverantwortung des Bewirtschafters

AboVegetationsruheWohin nur mit der Gülle im Winter?Samstag, 17. Dezember 2022 Es ist am Bewirtschafter oder der Bewirtschafterin, einen geeigneten Moment für das Ausbringen von Hofdüngern zu finden bzw. Verschmutzungen zu verhindern. Zu den Vorgaben gibt es Checklisten, die Auskunft geben sowohl zum Umgang mit festen als auch mit flüssigen Düngern. Wer trotz gemäss den gesetzlichen Kriterien untersagtem Einsatz Gülle, Mist oder Kompost auf seine Parzellen bringt, muss mit straf- und verwaltungsrechtlichen Folgen rechnen. Das umfasst eine polizeiliche Anzeige oder eine Bestrafung wegen Vergehens gegen das Umweltschutz- oder Gewässerschutzgesetz oder aber das Strafgesetzbuch (Freiheits- oder Geldstrafen sind möglich). Es könne im Einzelfall auch zu einer Kürzung der Direktzahlungen kommen.

Ohne Konsequenzen dürfte auch der oben geschilderte Fall nicht bleiben.

Vier Grundkriterien gelten immer

Egal ob flüssig oder fest, Hofdünger darf nicht ausgebracht werden, wenn eine der folgenden Fragen mit Ja beantwortet wird:

Der Boden ist wassergesättigt: nicht mehr saugfähig, lässt sich leicht kneten und fühlt sich breiig an.

Der Boden ist gefroren: Schraubenzieher lässt sich an mehreren Stellen der Parzelle mit der flachen Hand nicht in den Boden stossen.

Der Boden ist schneebedeckt: Geschlossene Decke, Schnee bleibt länger als einen Tag liegen. 

Es regnet stark oder anhaltend: Intensivniederschläge (über 20mm/24 Stunden) vor 1-2 Tagen, dauern an oder sind in weniger als drei Tagen zu erwarten.

Eine ausführliche Checkliste zum Ausbringen von Gülle und Mist im Winter finden Sie hier.