An der Delegiertenversammlung der Bio Suisse vom 16. November 2022 im Stadttheater Olten begrüsste Präsident Urs Brändli die Delegierten mit einigen Worten zur aktuellen, unsicheren Wirtschaftslage und Energieversorgung. Die Entwicklung stimme nachdenklich, sagte er. «Wie reagiert unsere Kundschaft im nächsten Jahr auf die Preissteigerungen, die zu erwarten sind? Trotzt der Bio-Markt der Situation, wie so oft in vergangenen Krisenzeiten, oder wird vermehrt beim Essen gespart?», warf er in die Runde der 94 anwesenden Delegierten.
Trend zu Bio laufe weiter
Tatsächlich sei man froh, sagte Balz Strasser, Geschäftsführer von Bio Suisse etwas später in seiner Eröffnungsrede, dass der Trend zu Bio ungebrochen weiterlaufe. Es brauche aber in Anbetracht der aktuellen Situation ein realistisches und den Gegebenheiten angepasstes Budget.
Er entschuldigte sich an der Delegiertenversammlung am Anfang ausserdem ausdrücklich bei den Produzentinnen und Produzenten, die im August eine fehlerhafte Rechnung erhielten, von diesen seien etwa 1500 Stück wegen einem Datenfehler verschickt worden. «Wir haben aus dem Fall gelernt, das kann ich Ihnen versichern», sagte er.
Das Protokoll der DV vom April 2022 wurde von den Delegierten einstimmig genehmigt.
Budget 2022 musste angepasst werden
Die Frage ums Budget zog sich an der Delegiertenversammlung weiter mit der Präsentation des Budgets für nächstes Jahr. Folgende vier Hauptfaktoren wurden dabei berücksichtigt:
- Die Ertragsschätzung für das Jahr 2022 musste aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage (Inflation und Krieg) und der Verzögerungen im Markteintritt des Migros Genossenschafts Bundes (MGB) nach unten angepasst werden. Die Ausgaben wurden entsprechend angepasst.
- Für das Jahr 2023 wurde das Ziel gesetzt, eine schwarze Null zu schreiben, um den höheren Verlust im Jahr 2022 zu kompensieren.
- Der Personalbestand wird konstant gehalten, weil die Arbeitsauslastung weiterhin hoch ist, u. a. wegen dem Eintritt des MGB und der Anpassung der Arbeitsorganisation an die Unternehmensgrösse.
- Die Personalkosten in allen Bereichen sind höher als im Budget 2022, weil beispielsweise gewisse Personalstellen nur für ein halbes Jahr budgetiert wurden.
Sparen ist angesagt
Dementsprechend ist nächstes Jahr bei Bio Suisse sparen angesagt. Weniger Ausgaben will Bio Suisse unter anderem erreichen, indem weniger Geld für Fernsehwerbung und Online-Kampagnen ausgegeben wird. Ausserdem werden die Projektgelder für die Mitgliederorganisationen gekürzt, dies jedoch nur vorübergehend.
Die Personalkosten seien im Moment hoch, da viele Produkte für die Migros neu lizenziert werden müssten, sagte Balz Strasser. Hier sind laut ihm auch keine Sparmassnahmen geplant: «Im Bereich Personal können und wollen wir gar nicht abbauen, wir brauchen die Leute».
«Müssen wir der Migros den roten Teppich ausrollen?»
Die Tatsache, dass die Lizenzerträge von Migros erst später kommen, Bio Suisse jedoch bereits den Aufwand für die Lizenzierung der Produkte hat, entlockte den Delegierten zum Teil kritische Fragen, so fragte zum Beispiel ein von ihnen: «Müssen wir der Migros den roten Teppich ausrollen?»
Balz Strasser relativierte. Er sieht praktische Gründe hinter der verzögerten Einführung des Bio Suisse Labels bei der Migros. So gebe es zum Teil neue Rezepturen. Der Arbeitsaufwand sei nicht zu unterschätzen. Ausserdem würde Migros die Verpackungen auslaufen lassen wollen und nicht einfach vernichten, was als positiv zu werten sei. Urs Brändli ergänzte, dass die Migros schwierige Strukturen habe mit vielen Gremien, die mitsprechen. Dies sei ein bisschen wie bei Bio Suisse, sagte er mit einem Augenzwinkern.
Trotz Diskussionen wurde am Schluss das vorgeschlagene Budget fürs Jahr 2023 angenommen. Die Debatte hinterliess jedoch Spuren im Zeitplan, der dabei um einiges überschritten wurde. Die weiteren Geschäfte wurden deshalb so zügig wie möglich behandelt.
Ja für eine Prüfung einer Richtlinien-Änderung
Im nächsten Traktandum ging es um eine mögliche Richtlinienänderung zur Unterscheidung zwischen Ausnahmebewilligungen und Sonderbewilligungen. Dies ist auf den Vorfall zurückzuführen, dass ohne Rücksprache mit den Schweizer Bio-Mühlen, ob noch Ware vorhanden ist, eine Sonderbewilligung von der Geschäftsstelle vergeben wurde, den Anteil von Schweizer Bio-Getreide im Brot von mindestens 90 % auf mindestens 80 % herabzusetzen. Dies wegen der schlechten Schweizer Getreideernte im Jahr 2021.
Der Fehler könne leider nicht rückgängig gemacht werden, doch zukünftig vermieden werden, sagte Balz Strasser. Der Antrag wurde angenommen. Somit wird an der DV im Frühling 2023 erneut über das weitere Vorgehen informiert.
Ja zur Herstellung von Bio-Apfelessig mit Schweizer Apfelsaftkonzentrat
Den Antrag, die Rückverdünnung der Apfelsaftkonzentrate zu Essig zu erlauben, haben mehrere Mitgliederorganisationen zusammen gestellt. Er wurde vorher von der Markenkommission Verarbeitung und vom Qualitätsgremium abgelehnt, heute wurde der Antrag von den Delegierten ziemlich deutlich angenommen, trotz einiger Bedenken.
So plädierte die Markenkommission, keine «unnötige Verarbeitung» der Produkte zu erlauben, da die «Kohärenz der Richtlinie» verloren gehe. Die im Anbau strengen Richtlinien sollen nicht in der Verarbeitung «verwässert» werden.
Gegenstimmen kamen aber aus dem Vorstand, wie Urs Brändli sagte. So plädierten Biobäuerinnen und -bauern im Vorstand dazu, eine Möglichkeit zu gewinnen, Übermengen in der Schweiz absetzen zu können. So liessen sich Ernteschwankungen leichter ausgleichen, da Mostobstkonzentrat leichter lagerbar sei. Heute muss ein Teil des Apfelweins zur Essigherstellung importiert werden. Dieser Import falle weg bei Annahme des Antrags. Auch für den Erhalt der ökologisch wertvollen Hochstammbäume habe die Rückverdünnung positive Auswirkungen.
Ausserdem wurde der Antrag von Bio Ostschweiz, Varia als festes Traktandum bei der DV einzuführen, ohne Diskussion angenommen.

