«Bedauerlich, unverständlich und belastend ist die Dauerkritik an unserer Landwirtschaft durch Gruppierungen, die sich auf ihrem Rücken profilieren wollen», so formulierte diese Woche Reto Grünenfelder, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rinderzüchter, an der DV, was viele Bauernfamilien denken in diesen Tagen. In der zur Abstimmung kommenden Massentierhaltungs-Initiative sieht Grünenfelder eine Ohrfeige und den Ausdruck mangelnder Wertschätzung gegenüber den Bauernfamilien. Am Montag startete das Nein-Komitee den Abstimmungskampf. Mit Respekt und Entschlossenheit will der Schweizer Bauernverband den Abstimmungskampf vonseiten einer grossen Mehrheit der Bauernfamilien führen.
«Nein, laufen lassen»
Bereits einen Tag vor der Lancierung des Abstimmungskampagne titelte der «Sonntagblick»: «Es droht der nächste Bauern-Krach». Wohl ein Vorzeichen auf eine heiss geführte Medienschlacht im Vorfeld des 25. Septembers. Der Refrain ist dabei immer derselbe: «Liebe» Bauern werden gegen «böse» ausgespielt. Ein im Artikel zitierter Bauernvertreter fühlte sich unfair behandelt und fragte mich: «Soll ich reagieren?» Da nichts bewusst falsch dargestellt wurde, empfahl ich: «Nein, laufen lassen.»
Oft ist Gelassenheit – nicht Gleichgültigkeit – in solchen Fragen angesagt. Das raten auch Ex-Kassensturz-Moderator Ueli Schmezer und ganz besonders Rolf Dobelli in seinem Buch «Die Kunst des digitalen Lebens». Darin schildert er, «wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern». Er schreibt, dass uns News nicht guttun, «sie vernebeln den Geist, verstellen den Blick fürs Wesentliche und lähmen die Willenskraft.» Ohne News-Konsum verspricht er mehr Zeit, klareres Denken, wertvollere Einsichten und weniger Nervosität. Wäre das nicht einen Versuch wert?
Nicht nachlassen beim Direktkontakt
Wo wir hingegen nicht nachlassen wollen, ist beim direkten Kontakt mit den Konsument(innen). Da sind Bauernfamilien ganz besonders gefragt, denn sie sind die glaubwürdigsten Botschafter(innen) der Branche. Ein direkter, guter Kontakt kann durch nichts ersetzt werden. Bei rund 8 Millionen Personen in der Schweiz ergibt das pro Bauernfamilie 160 Leute zum Ansprechen. Dabei helfen Angebote von vielen Verbänden und Organisationen.
Allen voran die Basiskommunikation «Schweizer Bäuerinnen & Bauern. Für dich.», die Nachfolgekampagne von «Gut gibt’s die Schweizer Bauern» und «Schweizer Bauern von hier, von Herzen». Sie bietet Projekte wie Stallvisite, Tag der offenen Hoftüren oder «Vo Puur zu Puur» in den Regionen, den Brunch sowie «Vom Hof» und Lockpfosten, um Menschen von ausserhalb der Landwirtschaft einen Einblick zu ermöglichen und direkte Kontakte zu knüpfen.
Luft nach oben bei «Tag der offenen Hoftüren»
Jede Bauernfamilie wählt sich ein Angebot aus und macht mit, auch «Schule auf dem Bauernhof» sei hier empfohlen. Bei Projekten wie dem «Tag der offenen Hoftüren» vom 12. Juni mit rund 90 Betrieben in der ganzen Schweiz haben wir noch viel Luft nach oben. Auch die Agrarscouts und zahlreiche regionale Projekte stehen zur Verfügung.
Die gegenwärtige Krise mit Verknappungen und Verteuerungen von Produktions- und Lebensmitteln weltweit lässt viele aufhorchen. Es ist nicht mehr alles so selbstverständlich. Wenn jeder Stadtmensch guten Kontakt hat mit einer Bauernfamilie und sagen kann: Die Schweizer Bäuerinnen und Bauern arbeiten für mich, dann werden auch noch so süffige Schlagzeilen dieses Vertrauen nicht untergraben können.

