Im Schweizer Wald steht, verteilt auf 535 Millionen Bäume, ein Vorrat von rund 430 Millionen Kubikmetern Holz. Darin sind über 350 Millionen Tonnen CO2 gespeichert. Zum Vergleich: Der jährliche Ausstoss an Treibhausgasen der Schweiz lag 2021 bei 45 Millionen Tonnen. Unser Wald ist also ein Schlüsselspieler im Kampf gegen die einsetzende Klimaerhitzung.

Traumpaar Wald und Holz

Noch effizienter als der Wald selbst ist nur noch das Traumpaar Wald und Holz. Denn die Bäume im Wald leben nicht ewig, sondern sterben eines Tages ab und geben ihr gespeichertes CO2 wieder an die Atmosphäre ab. Aus der CO2-Senke wird dann eine CO2-Quelle. Dieser Prozess lässt sich aufhalten oder zumindest verzögern, indem das Holz im Wald vor dem Absterben der Bäume genutzt, zu Gebäuden, Brücken, Möbeln und anderen Holzprodukten verarbeitet und in erneuerbare Energie umgewandelt wird.

Baumaterial, Energie, Erholung

Dadurch lassen sich, wie es einst das Tapfere Schneiderlein vormachte, mindestens sieben Fliegen auf einen Streich schlagen.

  • Erstens: Stellt die stoffliche vor der energetischen Nutzung des Holzes gleichsam ein «Outsourcing» und eine Verlängerung der CO2-Speicherleistung dar. Nun ist Bauen aber sehr ressourcen- und energieintensiv. Deshalb kann es aus der Sicht der Kreislaufwirtschaft durchaus Sinn machen, das Holz mehr als einmal stofflich zu verwerten. Zum Beispiel Vollholz, Balkenschicht- und Brettschichtholz für tragende Zwecke.
  • Zweitens: Können wir durch den Einsatz des Werkstoffs Holz CO2-intensive Baustoffe wie Stahl und Beton ersetzen – als Faustregel gilt, dass ein Kubikmeter verarbeitetes Holz die CO2-Emissionen um 700 kg reduziert.
  • Drittens: Können diese Holzprodukte am Ende ihrer Lebensdauer beziehungsweise Lebensdauern als Altholz energetisch genutzt und damit zur Substitution fossiler Energien eingesetzt werden, was das Klima zusätzlich entlastet.
  • Viertens: Fällt bei der stofflichen Verarbeitung des Holzes bis zu 40 Prozent energetisch nutzbares Restholz an. Dazu gehören Sägemehl und Hobelspäne als wertvoller und begehrter Rohstoff für die Produktion von Pellets ebenso wie Schnitzel aus Rinden und Schwarten. Mit diesen lassen sich zusätzlich fossile Energien und damit CO2-Emissionen einsparen.
  • Fünftens: Kann man nur dann Gebäude, Brücken, Möbel und andere stoffliche Produkte aus Holz herstellen, wenn der Wald gepflegt wird. Bei der Waldpflege fallen qualitativ minderwertige Holzsortimente an, welche meist nur als Energieholz nutzbar sind. Das ermöglicht es, noch mehr Heizöl und Erdgas zu ersetzen und noch mehr CO2 einzusparen.
  • SechstensSorgt die Waldpflege für Platz und Licht auf dem Waldboden, sodass sich der Wald besser verjüngen kann. Und ein junger Wald vermag bekanntlich deutlich mehr CO2 zu speichern als ein alter Bestand mit dicken Bäumen.
  • Siebtens: Und wer dann die hochsommerlich heissen Temperaturen gar nicht mehr aushält, der findet nirgends eine derart frische Abkühlung wie in unserem Wald!

Andreas Keel ist Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz.