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Immer mehr Bauern vermarkten ihren Süssmost direkt

Die auch dieses Jahr hohen Rückbehalte verstärken in der Zentralschweiz den Trend, weniger Äpfel abzuliefern, dafür selber zu mosten und den Saft direkt zu vermarkten. Lohn-Süssmoster berichten von steigenden Mengen pro Kunde.

Wie viel Süssmost durch Bauern direkt vermarktet werde und nicht an gewerbliche Mostereien gehe, sei schwierig zu schätzen, ist seitens Schweizer Obstverband zu vernehmen. Der Anteil sei sicher steigend, auch wegen der hohen Rückbehalte für abgeliefertes Mostobst, dürfte aber kaum viel mehr als zehn Prozent ausmachen.

Kleinere Bag in Box

Dass ihre Kunden mehr selber mosten lassen als noch vor Jahren, spürt die Kundenmosterei Fischer Hubi aus Rain deutlich, wie Margrit Fischer erklärt. Vor allem Süssmost aus dem Bag in Box sei gut vermarktbar. Die 10-Liter-Boxen würden immer noch dominieren, der Anteil 5-Liter-Boxen oder gar 3-Liter-Säcke sei wegen der immer kleineren Haushalte eher steigend. Die grossen Ertragsschwankungen würden Kundenmoster weniger spüren, die Bauern hätten ihren konstanten Bedarf. «Wenn es weniger Mostobst gibt, wird eben weniger abgeliefert», sagt Fischer. Zwar startet die Kundenmosterei bei Fischers erst nächste Woche, es sei aber feststellbar, dass wohl wegen Hagelschäden mehr Ware aus Tafelapfelanlagen vermostet wird. Wobei die regionale Betroffenheit wegen Frost und Unwettern sehr unterschiedlich sei.

Immer mehr Bauern vermarkten ihren Süssmost direkt
Süssmost in Bag in Box lässt sich gut vermarkten. Der Trend geht allerdings zu kleineren Gebinden als 10 Liter.

Bei Ramseier Suisse AG, welche die Hälfte des gesamten Schweizer Mostobstes verarbeitet, startete die Annahme dieses Jahr rund zehn Tage später, in Sursee letzten Mittwoch, 1. September. Trotz der hohen Lagermenge von Obstsaftkonzentrat, welche den Bedarf von über einem Jahr abdecken könnte, werde Ramseier alles angelieferte Mostobst übernehmen und in den beiden Mostereien Oberaach und Sursee verarbeiten, betont Marco Clavadetscher, Leiter Marketing und Verkauf. Er hoffe auf eine weiterhin offene Gastronomie, damit der tiefere Absatzrückgang bei den Säften wegen Corona und des wettermässig schlechten Sommers wieder etwas aufgefangen werden könne.

Trockene Hagelschäden

Der Schweizer Obstverband erwartet eine Mostobsternte von 55 000 t bis 65 000 t, davon sind 10 Prozent Mostbirnen. Aus der Zentralschweiz stammen lediglich 12,5 Prozent der gewerblichen Menge Mostäpfel. Der Anteil des Mostobstes von Hochstammbäumen beträgt schweizweit 63 Prozent, aus Mostobstanlagen sind es 15 Prozent und aus Tafelobstanlagen 22 Prozent. Mostobst hat auch dieses Jahr hohe Qualitätsanforderungen zu erfüllen. Hagelschäden werden nur toleriert, wenn diese trocken vernarbt sind und die Äpfel wenig offene Verletzungen aufweisen.

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