Der Ursprung des Sportholzfällens ist etwa um das Jahr 1830 in Holzfällercamps in Australien zu suchen. Der erste Wettkampf fand in Tasmanien (Australien) statt. Auch in anderen Gegenden der Welt wurde das Sportholzfällen bereits vor vielen Jahren praktiziert – neben Australien und Neuseeland auch in den USA, in Kanada und im Baskenland. Daraus ergeben sich auch verschiedene Ausprägungen dieses Sports: In den USA und Kanada wurde vorallem mit Sägen gearbeitet, in Australien und Neuseeland vorwiegend mit Äxten.
Im Jahr 2004 zog dann der Motorsägen-Hersteller Stihl die Timbersports-Serie auf, wodurch der Sport immer mehr gepusht wurde. Seither wurde viel in Marketing investiert – daraufhin wurde der Sport kontinuierlich bekannter und zog auch immer mehr Fans an.
Sechs Disziplinen
Bei den Stihl Timbersports gibt es zwei Kategorien. Die sogenannten Rookies bilden die U25-Kategorie, die Pros sind Ü25. Wettkämpfe beinhalten für die Rookies die Disziplinen Underhand Chop, Standing Block Chop, Stock Saw und Single Buck. Bei den Pros kommen noch die Disziplinen Springboard und Hot Saw hinzu. Die Rangierung gestaltet sich je nach Wettkampf etwas anders, aber generell gibt es pro Disziplin so viele Punkte zu vergeben, wie es auch Teilnehmende hat. Beispielsweise gibt es bei 10 Teilnehmern für den Besten in der Disziplin Single Buck zehn Punkte, für den zweitbesten neun Punkte usw. Wer nach allen Disziplinen am meisten Punkte hat, gewinnt den Wettkampf.
Als Freizeitathlet erfolgreich
Jede Sportlerin ist selbst für ihr Equipment und dessen Unterhalt verantwortlich. «Man muss für sich herausfinden, was zu einem passt», erklärt Oliver Reinhard, der letztes Jahr den Six Nations Rookie Cup gewann.
Die Äxte kommen meistens aus Neuseeland oder Australien, weil die dortigen Hersteller grosse Erfahrung damit haben. Eine Axt kostet schnell einmal 600 bis 650 Franken. Interessant ist dabei, dass es für diese spezielle Schleifsteine von besonders guter Qualität gibt, oder besser gesagt, gab. Diese werden nämlich heutzutage nicht mehr hergestellt, weil sie krebserregendes Material enthalten. Sie sind aber so wertvoll, dass ein Stein mittlerweile etwa 1200 Franken kostet und in Australien und Neuseeland manchmal auch als Wertanlage verwendet wird. Fast schon ein Hohn gegenüber früher, als man einen solchen Schleifstein noch für fünf Cent im Laden kaufen konnte.
Oliver Reinhard konnte auch dieses Jahr bereits einige Erfolge verzeichnen. So wurde der 22-jährige Nachwuchsathlet aus Waltalingen ZH im Juli an der Europameisterschaft der Rookies hervorragender Dritter und erst kürzlich Sieger des Swiss Rookie Cups. Toll findet Reinhard, dass man in diesem Sport sehr schnell und auch als Freizeitsportler an internationalen Wettkämpfen teilnehmen kann. Er selbst ist dafür das beste Beispiel: Erst vor vier Jahren hat der gelernte Forstwart mit Timbersports begonnen und ist nun bereits sehr erfolgreich auf internationaler Bühne unterwegs. Seine Erfolge hat Reinhard unter anderem auch seinen Aufenthalten in Neuseeland und Australien zu verdanken, wo er sich während insgesamt acht Monaten mit Holzhacken seinen Lebensunterhalt verdiente.
Präzision und Kraft
Um im Sportholzfällen erfolgreich zu sein, braucht es primär drei Dinge: die richtige Ausrüstung, Präzision und Kraft. Kraft allein bringt nicht viel, wenn man mit der Axt oder der Säge nicht den korrekten Winkel trifft. Zudem braucht man «den richtigen Hüftschwung», wie Oliver Reinhard schmunzelnd erzählt. Die Kombination von Präzision und Kraft stehe etwa im Verhältnis 70 zu 30, so der Bauernsohn.
Mittlerweile gibt es in der Schweiz zwischen 60 und 80 Timbersportler(innen), darunter auch drei Frauen. Die bekannteste unter ihnen ist Yolanda Hagmann, die auch Europameisterin ist. Die Sportlerinnen und Sportler sind auf mehrere regionale Clubs verteilt, und alle Clubs freuen sich über neue Mitglieder. Wer Interesse an diesem Sport hat, kann an einem zweitägigen Newcomer-Camp von Stihl teilnehmen.
Weitere Informationen: www.stihl-timbersports.ch
Underhand Chop
[IMG 2] Die Sportler stehen auf einem Block, der einen Durchmesser von 32 cm hat. Zuerst wird von der einen Seite eine Kerbe in diesen Block reingeschlagen. Ist die Kerbe dort tief genug, wechselt die Sportlerin mit einem Hüpfer die Seite und bearbeitet den Block dort weiter. Gemessen wird die Zeit, bis der Block komplett durchschlagen ist. Der Underhand Chop simuliert das Ablängen eines Stamms im Wald. Der Block ist horizontal verankert und muss zwingend von beiden Seiten durchschlagen werden, ansonsten wir der Sportler oder die Sportlerin disqualifiziert. Um die Füsse zu schützen, tragen die Athleten Ketten-socken in den Schuhen. Präzision und Balance sind beim Underhand Chop besonders wichtig. Der Weltrekord liegt aktuell bei etwas mehr als zwölf Sekunden.
Standing Block Chop
[IMG 1] Ein Stamm von 30 cm Durchmesser ist senkrecht eingespannt und muss mit der Axt möglichst schnell durchtrennt werden. Dazu wird auf beiden Seiten eine Kerbe reingeschlagen. Der Standing Block Chop stellt das Fällen eines Baums dar. Kein Holzstamm ist genau wie der andere. Damit erzielte Zeiten und Rekorde miteinander vergleichbar sind, müssen möglichst homogene Eigenschaften erreicht werden können. In Europa wird für den Sport Pappelholz verwendet. Die Blöcke werden auf den gleichen Durchmesser zugesägt und es werden Massnahmen getroffen, dass der Feuchtigkeitsgehalt des Holzes konstant bleibt. Die Äxte werden von Hand geschliffen. Es sind Spezialanfertigungen für Wettkämpfe, die sich für den Normalgebrauch nicht eignen.
Stock Saw
[IMG 5] Von einem 40 cm dicken Stamm werden mit einerStihl-MS-661-Motorsäge zwei Scheiben abgesägt. Vor dem Start müssen die Sportler beide Hände auf den Holzblock legen. Das erste Cookie (so werden die Holzscheiben genannt) wird von oben nach unten abgesägt, das zweite von unten nach oben. Die Cookies müssen innerhalb eines definierten Bereichs von 10 cm liegen und als ganze Stücke abgesägt werden. Werden die Markierungen überschritten oder die Cookies nicht als ganze Stücke abgesägt, wird die Sportlerin in dieser Disziplin disqualifiziert. Bei der Arbeit mit Motorsägen ist es für die Athletinnen vorgeschrieben, Gehör- und Augenschutz zu tragen. Zudem ist ein Beinschutz mit Schnittschutzeinlage Vorschrift. Diese blockiert bei einem Abrutschen der Säge die Kette.
Single Buck
[IMG 3] Mit einer zirka zwei Meter langen Zugsäge wird eine ganze Scheibe von einem 46 cm dicken Block abgesägt. Die Säge ist handgemacht und kostet etwa 2500 Franken. Weltweit gibt es nur drei Hersteller, die diese Sägen in guter Qualität produzieren. Deshalb kann es für die Zugsägen auch Wartezeiten von bis zu sechs Jahren geben. Bei dieser Disziplin sind Rhythmusgefühl und dynamische Bewegungsabläufe wichtig. Ein Helfer darf die Säge mit einem Ölgemisch besprühen und zusätzlich einen Keil zwischen das Cookie und den Holzblock treiben. Die Disziplin stellt das frühere Arbeiten mit einer alten Waldarbeitersäge dar. Durch die Länge von zwei Metern ist die Ein-Mann-Zugsäge nicht für den Normalgebrauch zu verwenden. Die Säge wiegt etwa fünf Kilogramm.
Springboard
[IMG 4] In einem zwei Meter hohen Stamm werden zwei Bretter platziert und der Stamm zuoberst durchschlagen. Dazu wird auf Schulterhöhe mit der Axt eine Kerbe in den Stamm geschlagen und ein Springboard reingesteckt. Anschliessend klettert die Sportlerin auf dieses Brett und schlägt von dort aus eine zweite Kerbe rein, wo daszweite Brett reinkommt. Der Sportler klettert dann auf dieses zweite Brett und durchschlägt von dort aus einen oben befestigten Block von 27 cm Durchmesser. Voraussetzung ist, dass der Block von zwei Seiten durchschlagen wird. Diese Disziplin kommt ursprünglich aus Kanada, Australien und Neuseeland. War ein Baum unten im Wurzelbereich zu dick, kletterten die Waldarbeiter mithilfe der Springboards nach oben, um den Baum dort zu fällen.
Hot Saw
[IMG 6] Nach dem Startschuss werden die selbstgebauten Sägen gestartet und drei Cookies innerhalb einer Markierungvon 15 cm eines horizontal eingespannten, 46 cm dicken Stamms abgesägt. Bei der Hot Saw müssen nur zwei Bedingungen erfüllt sein: Sie darf nur einen Zylinder haben und muss von Hand gestartet werden. Wie die Säge sonst gestaltet wird, ist jedem frei überlassen. Die Sägen erbringen meistenseine Leistung von gut 70 PS. Häufig werden dafür Motoren von alten Schneemobilen verwendet. Das Schwert der Säge kann selbst gemacht und die Ketten können speziell geschärft werden. Die Sägen sind rund 27 kg schwer. Es erfordert sehr viel Kraft von den Athletinnen, die Säge ruhig halten zu können. Unvollständige Cookies führen zur Disqualifikation.

