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Die Westschweizerin Léa Wicki hat mit 25 Jahren alleine einen Reiterhof übernommen

Beim Einüben neuer Volkstänze mit ihrer Trachtengruppe bekommt Léa Wicki jeweils den Kopf frei. Dieser ist randvoll gefüllt mit allem, was es auf ihrem Reithof zu erledigen gibt.

Gerade einmal 25 Jahre jung war Léa Wicki, als sie davon hörte, dass für die Manège de Lully ein neuer Pächter gesucht wird. «Damals hatte ich meinen Agronomie-Bachelor noch nicht in der Tasche, war mir aber bewusst, wie selten sich eine solche Möglichkeit eröffnet», erzählt die Pferdenärrin im urig eingerichteten Reiterstübli.

Bereits im zarten Alter von zwölf Jahren sei für sie klar gewesen: Ich möchte Pferde zu meinem Beruf machen und am liebsten einmal einen eigenen Reitbetrieb führen. Dieser Traum ging in Erfüllung – sogar früher als geplant. Seit mittlerweile sechs Jahren bewirtschaftet die junge Frau den Reithof in der freiburgischen Gemeinde Lully, unweit von Estavayer-le-Lac und dem Neuenburgersee entfernt. Aufgebaut wurde der Betrieb seinerzeit von der Familie Fünfschilling, einer prägenden Grösse in der Schweizer Pferdewelt.

Herausfordernde Startphase

Ihre Bachelorarbeit, in der sie verschiedene Einstreuarten verglich, konnte Léa Wicki bereits auf dem «eigenen» Betrieb durchführen. Daneben galt es, rund 30 Pferde zu versorgen, eine Reitschule neu aufzubauen und die ersten Berittpferde auszubilden. Und dies im Alleingang. Erst als die Westschweizerin ihr Studium abgeschlossen hatte, durfte sie eine Lernende beschäftigen.

Eine langjährige Reitschülerin aus den Ecuries du Châtaignier in Corserey (FR), wo Léa Wicki während ihres Studiums als Bereiterin und Reitlehrerin tätig war, hatte sich dazu entschlossen, ihre Ausbildung zur Pferdefachfrau in Lully zu absolvieren.

Fast hätte sich Léa Wicki nach der Maturität für denselben Weg entschieden. Mit acht Jahren war sie das erste Mal aufs Pferd gestiegen, und diese Leidenschaft liess sie seither nicht mehr los. «Mein Bruder und ich bekamen früh ein Pony und unsere Familie hatte immer selbst Pferde zu Hause. Dennoch begann ich schon als Jugendliche zusätzlich, andere Pferde zu reiten und auf Turnieren vorzustellen.»

Mit möglichst vielen Pferden Erfahrungen zu sammeln und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten, das faszinierte die junge Frau. Als die Berufswahl anstand, fiel die Entscheidung fast auf eine Lehre als Bereiterin. «Irgendwie reizte mich der akademische Weg aber doch, und als ich von der Möglichkeit hörte, an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL Agronomie mit Vertiefung in Pferdewissenschaften zu studieren, war für mich der Fall klar», erinnert sich die Agronomin.

Léa Wickis Leidenschaft sind die Pferde. Genauso sehr begeistert sich die Leiterin eines Reithofes aber auch für den Trachtentanz.(Bild: Privat)

Das Führen eines Betriebs ist kein Zuckerschlecken

Dieses Studium habe ihr eine gute Basis gegeben, um einen Betrieb zu führen. Ein Zuckerschlecken sei es dennoch nicht, sich um so viele Tiere und einen Reitschulbetrieb zu kümmern, gesteht die zierliche Frau ein. «Es ist ein wunderschönes Metier, doch anfangs habe ich mich oft hinterfragt und natürlich ist die Motivation nicht jeden Tag gleich hoch», so die Betriebsleiterin.

Eine junge Frau, die alleine einen landwirtschaftlichen Betrieb übernimmt, muss sich noch ein Stück mehr beweisen, als ihre männlichen Kollegen. Im Pferdebereich wird dies aber bald nicht mehr so ungewöhnlich sein, da Frauen in diesem Berufsfeld eindeutig die Mehrheit bilden.

Mittlerweile hat sich alles eingespielt: Léa Wicki betreut keine Lernenden mehr, dafür hat sie ihren Partner an der Seite, der seinen angestammten Beruf als Matrose aufgegeben hat, um mit ihr gemeinsam die Manège de Lully zu führen.

Pferde und Menschen ausbilden

Das Paar bewirtschaftet rund sieben Hektar Land. Die Hälfte davon ist Weideland für die 20 Pferde und Ponys, die andere Hälfte wird für den Anbau von Raufutter genutzt. «Rund ein Drittel des benötigten Heus können wir selbst anbauen, den Rest müssen wir zukaufen», erklärt Léa Wicki.

Für den Reitunterricht und die Pferdeausbildung stehen eine Reithalle, ein Sandviereck und ein Springplatz auf Gras zur Verfügung. In Reitdistanz zum Stall hat die begeisterte Cross-Country-Reiterin ein Trainingsgelände mit festen Hindernissen eingerichtet.

Sieben Hektar Land gehören zur Manège de Lully. Die Hälfte davon ist Weideland, die andere Hälfte ist für den Futterbau reserviert.(Bild: Léa Wicki privat)

Gut 40 Reiterinnen und Reiter besuchen bei der Pferdespezialistin Kurse. «Ich unterrichte vom vierjährigen Mädchen bis zum Erwachsenen, der grösste Teil meiner Reitschüler ist im Alter zwischen acht und 16 Jahren», gibt sie Einblick. Regelmässig bietet die Fachfrau Diplom- und Brevetkurse für ihre Schüler an. Und auch ein interner Plauschconcours steht jährlich auf dem Programm.

Léa Wicki liegt es aber nicht nur am Herzen, Menschen auszubilden. Ihre Passion liegt auch in der Aus- und Weiterbildung von ihr anvertrauten Pferden. Verkaufspferde stellt sie zur Valorisierung gerne auch an Prüfungen vor.

Diesen Frühling sind gleich sechs neue Pferde hinzugekommen, die später einmal verkauft oder ausgebildet werden wollen. Léa Wicki und ihr Partner haben sich in das Abenteuer Zucht gestürzt. Von ihrem vierjährigen KWPN-Hengst Solar (Cornet Obolensky/Diamant de Semilly) tummeln sich nun ein kleiner Hengst und fünf kleine Stuten auf den ausgedehnten Weiden in Lully.

«Den Zuchtbereich und damit die Ausbildung von jungen Pferden möchte ich zukünftig definitiv noch ausbauen», verrät die Betriebsleiterin.

Dieses Jahr sind Léa Wicki und ihr Partner in die Pferdezucht eingestiegen. Sechs Fohlen erblickten in der Manège de Lully das Licht der Welt.(Bild: Léa Wicki privat)

Volkskultur als Ausgleich

An Arbeit und Projekten mangelt es der 31-Jährigen also nicht. Sie weiss aber: Sich immer wieder Pausen zu erlauben, ist elementar, auch wenn es während des Aufbaus eines Betriebs alles andere als einfach ist. Die aus Corserey FR stammende Léa Wicki findet ihren Ausgleich im kulturellen Bereich. Einmal die Woche fährt sie nach Courtepin FR um in der Trachtengruppe «La Franandole de Courtepin» ihrem Hobby, dem Volkstanz, zu frönen. «Während der Tanzabende bekomme ich den Kopf frei und kann aus dem Pferdemetier auftauchen», schwärmt sie.

Die Liebe für die tänzerische respektive theatralische Ausdrucksweise kommt nicht von ungefähr: Auch Léas Vater ist davon begeistert. 2018 inszenierte Emerick Wicki in Salavaux (FR) ein Openair-Spektakel mit dem Titel «Europe Tragédie», das Tanz, Gesang und Theater vermischte und bei dem Menschen gemeinsam mit Tieren auf die Bühne traten.

Léa Wicki übernahm damals die ungewöhnliche Aufgabe, den Ochsen Zeus auf seinen Einsatz vorzubereiten, heisst als Reittier auszubilden. «Ich war erstaunt, wie schnell Zeus lernte. Er liess sich fast genauso schnell wie ein Pferd einreiten», berichtet Léa von dieser spannenden Herausforderung. Mittlerweile hat sie wieder auf Pferde umgesattelt, auf deren Rücken fühlt sie sich nach wie vor am wohlsten.

Mit der Trachtengruppe «La Farandole de Courtepin» ist Léa Wicki regelmässig an Auftritten zu sehen.(Bild: Léa Wicki privat)

Fünf Fragen an Léa

Welcher ist Ihr liebster Volkstanz?
Der «Alliwander» und «Jardin d'Automne».

Welche Tiere neben Pferden mögen Sie am liebsten?
Kühe.

Wie erfrischen Sie sich am liebsten im nahegelegenen See – mit oder ohne Pferde?
Beides gefällt mir gut.

Mit welchem Lieblingsmenü belohnen Sie sich nach einem anstrengenden Arbeitstag?
Am liebsten mit einer Lasagne meiner Grossmutter.

Welche Arbeit im Stall mögen Sie am wenigsten?
Die Boxen ausmisten.

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