Von Fettnäpfchen, Mauselöchern und Kuhmist​​

Kolumnistin Barbara Kipfer ist in ihrem Leben schon in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten. Damit ist sie aber längst nicht die Einzige.

Kennen Sie das sehr unangenehme Gefühl, verzweifelt nach einem Mauseloch Ausschau zu halten, weil man das gerade Gesagte nicht mehr rückgängig machen kann? Nur, um dann zu merken, dass man weder eine Maus ist, noch dass es hilft, sich zu verstecken.

Dann bleibt nur noch, den Blick zu Boden zu richten, sofort abzulenken oder – wohl die beste Variante – sich zu entschuldigen. Was aber die Sache gefühlsmässig oft nicht besser macht. Dies sind eben diese klassischen Fettnäpfchen. Ich bin immer froh, wenn ich nur bei Menschen hineintrample, denen ich selten oder im besten Fall nie mehr begegne. Ganz sicher kennen Sie dieses Sch…-Gefühl auch – jeder kennt es. Wie pflegte mein Vater zu sagen: «Me sött zersch hirne, nächär ersch horne» – ein weiser Spruch, nur manchmal ist es einfach zu spät.

Aus Erfahrungen lernt man

Man will niemanden absichtlich verletzen, einfach nur kommunizieren. Wenigstens lerne ich immer etwas dazu. Es gibt Fragen, die ich nie mehr stelle. Aus Erfahrung eben. Ich frage nie mehr eine Frau, ob sie schwanger sei, bevor sie es mir nicht selbst mitteilt. Da kann der Bauch noch so rund sein. Ich sehe diesen Gesichtsausdruck noch genau vor mir, als ich eine nur flüchtig bekannte Frau nach dem Geburtstermin fragte und sie mir sagen musste, dass ihre deutliche Gewichtszunahme wohl nicht nach 9 Monaten wieder verschwindet.

Ich äussere mich auch nie mehr bei einem Kind über den Verwandtschaftsgrad seiner Begleitung. Als ich, damals noch im Kinderspital tätig, zu einem kleinen Patienten sagte, dass ich mich sehr für ihn über den Besuch vom Grosätti freue, da erklärte mir der wirklich sehr weisshaarige Mann, dass er der Vater sei. Ja, da war ich auch auf der Suche nach eben diesem Mauseloch. Beruhigend ist jedoch, dass wir alle solche Momente kennen. Niemand kommt ohne sie durchs Leben. Es ist halt menschlich.

Nachsicht mit unseren Mitmenschen haben

Wer nie in Fettnäpfchen tritt, der kommuniziert nicht. Nun aber im Wissen, dass viele solche Verletzungen nicht mit Absicht geschehen, könnten wir uns selbst vielleicht vermehrt vornehmen – wie mein Mann zu sagen pflegt – nicht zu streng zu sein mit unseren Mitmenschen. Nachfolgende Geschichte habe ich nicht selbst erfunden, aber sie begleitet mich immer wieder. Besonders dann, wenn gerade nicht alles rund läuft:

Eine Maus wird von einer Katze verfolgt. Sie rennt um ihr Leben und sieht eine Kuh auf der Weide stehen. In ihrer Verzweiflung bittet sie die Kuh um Hilfe. Diese sagt zu ihr: «Stell dich hinter mich.» Sie hebt den Schwanz und bedeckt die Maus mit einem grossen Haufen Mist. Nur die kleine Schwanzspitze schaut noch keck aus dem Dreck. Nun ist auch die Katze angekommen, schaut sich die Bescherung an, schleicht ein paar Mal rund um den Haufen, zögert noch, packt aber dann doch das Schwänzchen, zieht die Maus aus dem Mist und frisst sie. Nun die Moral der Geschichte: «Nid jede wo di aschiisst, meints unbedingt schlächt mit der. Nid jede wo di zum Dräck uszieht, meints unbedingt guet mit der. Aber we de scho im Dräck hockisch, de zieh wenigschtens der Schwanz i.»