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«Sulas-Markt»: Ursula Strasser hat einen neuen Online-Hofladen für regionale Produzenten geschaffen

Ursula Strasser hat mit dem «Sulas-Markt» eine Plattform für Hofprodukte gegründet. Produzentinnen und Produzenten können dort ohne eigene Website verkaufen – von Spezialitäten bis zu Grossmengen und «Rette-mich»-Ernten.

«Wir hatten eine kleine Hobbyfarm, ohne Strom und ohne fliessendes Wasser», erzählt Ursula Strasser von ihrer Kindheit und Jugend in Spanien. Viele Chancen für sich und ihre Zukunft hat sie damals nicht gesehen. Heute ist sie diplomierte Architektin und hat eine Plattform für Landwirt(innen) und Bäuer(innen) geschaffen, auf der Hofprodukte verkauft werden können.

Ricardo für die Landwirtschaft

Eine Art Ricardo für die Landwirtschaft habe sie mit ihrer Vision eines Online-Shops für Produzent(innen) schaffen wollen, erzählt Ursula Strasser. Ausschlaggebend für die Idee der 46-Jährigen war der letzte Tag ihrer Weiterbildung CAS-Immobilienbewertung an der Hochschule Luzern. An diesem Tag hatte eine Bäuerin aus der Region ihre Produkte an einem Stand verkauft. Die Nachfrage, ob man diese – wenn man nicht in Luzern sei – auch anderweitig erwerben, sprich auf einer Webseite bestellen könne, sei verneint worden. Das liess Ursula Strasser keine Ruhe.

Die Plattform als Online-Hofladen

Als Ursula Strasser mit der Umsetzung des «Sulas-Marktes» begann – der Name setzt sich aus Teilen ihres Vor- und Nachnamens zusammen –, erzählte sie zunächst niemandem davon. Nicht einmal ihrem Sohn. Die grösste Herausforderung sei gewesen, an die Idee zu glauben und zu investieren, ohne zu wissen, wann sich das Ganze amortisieren würde.

Für den Sulas-Markt brauchen Produzent(innen) keine eigene Website. Im Online-Hofladen können Obst und Gemüse, aber auch verarbeitete Produkte angeboten werden. Die Preise und Lieferbedingungen werden individuell festgelegt. Das bedeutet, es gibt die Optionen Versand, Abholung im Hofladen, auf dem Markt oder an einem anderen vereinbarten Ort. Zukünftig soll zudem eine regionale Lieferung aufgebaut werden. Die Kosten, um auf der Plattform zu inserieren, betragen 6 % des Verkaufspreises. Dies aber erst, wenn das Produkt verkauft wurde.

Klare Vorstellungen bezüglich Angebot

Als Ernährungsberaterin und bewusste Konsumentin hat Ursula Strasser klare Vorstellungen. Ein Biobetrieb müsse man nicht sein, allerdings lehnt sie Produkte, die Konservierungsstoffe oder einen zu hohen Zuckergehalt haben, aktuell ab. Dass die Produkte nach den entsprechenden Richtlinien verarbeitet wurden, liege in der Verantwortung der Inserent(innen). Dabei sollen nicht nur Spezialitäten verkauft werden, wie Ziegenkäse, Wagyu-Fleisch oder Liköre, sondern auch Grossmengen oder «Rette-mich»-Ernten. Gerade für die letzten beiden bestehe die Möglichkeit, zeitlich beschränkte Aktionen zu machen, um Foodwaste zu verhindern.

«Die Landwirtschaft ist das Herz unseres Lebens»

«Ich möchte ein unabhängiges Netzwerk erschaffen», meint Ursula Strasser. Sie stellt sich ein Netzwerk vor, das Produzentinnen und Produzenten direkt mit der Kundschaft verbindet – unterstützt durch eine private, regionale Logistik. Touren könnten etwa Pensionierte oder Schülerinnen und Schüler übernehmen. So kämen die Produkte direkt von den Höfen in die Haushalte. Gleichzeitig entstünden neue Arbeitsmöglichkeiten, und auch empfindliche Waren wie Eier oder gekühlte Produkte liessen sich einfacher absetzen.

Strasser selbst plant im nächsten Semester, die Ausbildung zur Landwirtin oder Bäuerin berufsbegleitend zu absolvieren, um noch mehr Zusammenhänge zu verstehen. «Die Landwirtschaft ist das Herz unseres Lebens, das zeige ich auch mit dem Logo: Eine Bauernhand, die das Land in Herzform hält – das Herz unseres Lebens», erklärt die Unternehmerin.