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Junge setzen auf Konservierende Landwirtschaft: Drei Landwirte erzählen von ihrem Weg

Der Luzerner Armin Steiner, Julian Köller aus Österreich und Paul Matka aus Deutschland haben ihre Betriebe auf Direktsaat umgestellt. Es beschäftigen sie Vollkosten, die Integration von Weiderindern auf Ackerflächen und die richtige Mechanisierung.

«In Zukunft kommt es auf das Wissen pro Hektare an.» Dieses Zitat stammt laut Christine Badertscher von einem Mitarbeiter des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Für die Berner Grünen-Nationalrätin trifft diese Aussage den Nagel auf den Kopf, wenn es um konservierende Landwirtschaft geht.

Verschiedene Meinungen zum «Wie»

Badertscher diskutierte anlässlich der Eröffnung von Soil Evolution, dem «Festival für den Boden» in Bern unter anderem zusammen mit Reto Minder. Der Swiss-No-Till-Präsident machte klar, es brauche einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft. «Wir können nicht weitermachen wie bisher, weil der Klimawandel real ist. Wir müssen Böden und das ganze System resilienter machen.» Die Frage nach dem «Wie» beantwortete das Podium unterschiedlich. «Irgendwo muss man anfangen», fand Nestlé-Schweiz-CEO Cedic Boehm und verwies auf die privatwirtschaftliche Initiative Agroimpact. BLW-Direktor Christian Hofer sieht es als seinen Auftrag, an den passenden Rahmenbedingungen zu arbeiten, um Betriebsleiter zu befähigen. Selbstverantwortung fördere die intrinsische Motivation, gab er zu bedenken. «Oft braucht es einen Generationenwechsel für die Umstellung», beobachtet Minder. Die jungen Landwirt(innen) brauchten dafür Mut und Unterstützung.

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Armin Steiner hat sich eine eigene Drillmaschine zugelegt.

Junglandwirte aus der Schweiz, Österreich und Deutschland

Wie das aussehen kann, zeigte sich bereits am zweiten Tag des Festivals. Armin Steiner aus Dagmersellen LU, Julian Köller aus Stöttera (Österreich) und Paul Matka aus Sachsen (Deutschland) berichteten von der Umstellung ihrer Betriebe auf konservierende Landwirtschaft. Die drei Junglandwirte sind zwar ungefähr gleich alt, aber mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen gestartet – und so unterschiedlich sind auch die Wege, die sie für ihre Betriebe gefunden haben.

Gewissensbisse wegen Humusabbaus

Armin Steiner hat 2018 den Milchwirtschaftsbetrieb seines Vaters übernommen und hin zu mehr Ackerbau weiterentwickelt. Die Schweine behielt er, die Kühe gab der Luzerner auf. Zuerst arbeitete er mit Pflug, Grubber und Kreiselegge, machte aber bereits Versuche mit No-Till. «2019 hatte ich erste Gewissensbisse wegen des Humusabbaus», schilderte Steiner. Er besuchte Feldtage im In- und Ausland, informierte sich und stellte 2023 den ganzen 11-ha-Betrieb mit Futterweizen, Zuckerrüben, Sonnenblumen und Körnermais auf Direktsaat um. Getreide und Mais lässt er im Lohn im Cultan-Verfahren düngen.2025 schaffte sich der Junglandwirt eine eigene Drillmaschine der Firma Novag an.

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Hier wächst ein Erbsen/Gersten-Gemenge nach Körnermais, gesät mit Steiners Drille von der Firma Novag.
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Für den Luzerner stand bei der Umstellung auf Direktsaat im Zentrum, den Humusverlust auf seinen Flächen zu stoppen.

Der Auslöser für die vollständige Umstellung sei der Humusverlust von über einem Prozent in den ersten fünf Jahren nach der Betriebsübernahme gewesen. Der dank Direktsaat verbesserte Deckungsbeitrag habe die Entscheidung beschleunigt. Dazu zeigte der Luzerner in Bern eine Vollkostenrechnung: 2022 verzeichnete er für Futterweizen mit intensiver Bodenbearbeitung nach Silomais mit einmal Herbizid, Halmverkürzer und zwei Fungizidbehandlungen bei einem Ertrag von 7,8 t/ha Gesamtkosten von 2940 Franken pro ha. Demgegenüber stand ein Erlös von 444 Franken pro ha. Auf derselben Parzelle erntete er 2025 6,3 t/ha Futterweizen, hatte dank Direktsaat nach Silomais mit einer Herbizidanwendung aber nur Gesamtkosten von 1450 Franken pro ha und einen Erlös von 1018 Franken pro ha. «Der Erlös hat sich verdoppelt, weil der Aufwand gesunken ist», fasste Steiner zusammen. Ein weiteres Erlebnis bezeichnete er als Augenöffner: In einem Jahr habe die Rübenmaus auf seinen Flächen die obersten 5 cm Schnee und Erde weggedrückt. «Beim Nachbarn ist sie 20 cm tief auf die Pflugsohle eingesunken.»

Weiderinder in die Fruchtfolge integriert

Auf dem «Regenerativhof Köller» mit 125 ha, den Julian Köller zusammen mit seinem Vater betreibt, wird ebenfalls alles in Direktsaat gesät. Während sein Vater vorwiegend für die Putenmast zuständig ist, hat der junge Österreicher mit Weiderindern angefangen. Sie werden vor Ort geschlachtet, zerlegt und die Stücke gereift. Das Fleisch geht in die Direktvermarktung. «Das funktioniert gut», schilderte Köller. «Die Leute schätzen, was wir machen.» Das ist aber auch nicht ganz alltäglich in seiner Region, denn die zwei Herden mit Aubrac, Pinzgauer und Angus stehen primär auf Ackerflächen – die Integration von Tieren in den Ackerbau ist Julian Köller ein grosses Anliegen. Ende März lässt er sie Wintergetreide beweiden. Gründüngungen sät er gestaffelt, damit übers ganze Jahr Weidefutter zur Verfügung steht. Kraftfutter bekommen seine Weiderinder keines, im Winter gibt es silierte Gründüngungsbestände und Heu. Die Grunddüngung erfolgt bei Köllers organisch, zusätzlich kommt das Cultanverfahren zum Einsatz.

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Julian Köller lässt seine gemischte Rinderherde auf Gründüngungen weiden.

«Nach dem Beweiden sah der Winterweizen etwas zerrupft aus und wies einige Trittschäden auf», beschrieb Julian Köller. Die spät gesäte Parzelle habe aber stark bestockt und wirke besonders gesund, da die Pflanzen frische Blätter tragen. Ausserdem verfüge der beweidete Weizen über mehr Feinwurzeln. Vom Resultat sei er insgesamt begeistert. «Ich weiss nicht, ob das jedes Jahr funktioniert – ich habe es einfach mal gemacht.»

Mit Strip-Till und Kinsey-Albrecht gestartet

Zu Beginn seines Referats zeigte Paul Matka ein Video. Das sei «normaler Wind» gewesen, bemerkte er zu den Bildern. Darauf war eine bearbeitete Fläche zu sehen, von der der Boden in tiefen Staubwolken davon getragen wird. Steigende Betriebskosten und Wetterextreme haben den deutschen Junglandwirt zur Umstellung auf Direktsaat bewogen.

Dabei arbeitet er auf einer anderen Skala als seine beiden Berufskollegen aus Österreich und der Schweiz: Matka bewirtschaftet einen 850-ha-Ackerbaubetrieb. «Man sieht bei der Arbeit, dass etwas nicht stimmt. Man fühlt sich unwohl», schilderte er seine Gefühle vor der Umstellung. Er startete mit Strip-Till, um sich an die Direktsaat heranzutasten, die Trägheit der Böden bzw. die Nährstoffdynamik zu verstehen. Hinzukamen teilflächenspezifisches Management und Bodenanalysen nach Kinsey-Albrecht.

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Weizensaat in eine stehende Gründung auf dem Betrieb von Paul Matka.

Gründüngungen baut Paul Matka wo immer möglich in seine Fruchtfolge ein. Er wählt je nachdem abfrierende oder überwinternde und setzt auf Doppel-Zwischenfrüchte, um die Wurzelmasse im Boden zu maximieren. Beisaaten im Raps bringt der Deutsche mit einem Doppeltank-System zum Einschlitzen in den Boden. Soja sät er als «Planting Green» in stehenden Roggen.

Matka hat diverse Sämaschinen ausprobiert und ist vom Crossslot-System überzeugt. Dabei formen Kreuzschlitzscharen ein umgekehrtes «T» im Boden. Auf der einen Seite des Säschlitzes wird das Saatgut abgelegt, auf der anderen der Dünger. Dadurch sollen Feuchtigkeitsverluste minimiert werden.