Bei den einen sind es Herz, Ecke, Schaufel und Kreuz. Bei den anderen Schellen, Rosen, Schilten und Eicheln. Doch auf beiden Seiten des Aare-Reuss-Jass-Grabens ist das Nationalspiel quer durch alle Generationen immer noch angesagt.
Aber nun werden die traditionellen Jasskarten neu gemischt. Daniel Fässler und Jens Riedweg wollen mit dem Fässler-Jass trumpfen. Das neue Kartenset hat 60 plus zwei Spielkarten, statt der üblichen 36 in der traditionellen Variante.
Dazu kamen die Karten 1, 2, 3, 4 und 5 in jeder Farbe sowie zwei Joker. Sie zeigen Willhelm Tell und Helvetia. Ebenfalls neu ist ein «Fässler» pro Farbe. «Die Karte zeigt einen Handwerker und hat bei den Bildkarten den kleinsten Wert», erklärt Daniel Fässler.
Ferien-Idee
Die Idee kam dem Kommunikationsprofi aus Uster ZH, als er mit seinen erwachsenen Kindern und deren Partnern in den Ferien war. «Sie wollten immer jassen – doch wir waren zu fünft.» Dann kam im Frühling 2020 der Lockdown und Fässlers Eventagentur hatte Zwangs- pause. Er nutzte die Zeit, um an einer neuen Jasskartenvariation zu tüfteln.

Bei den Recherchen stiess er auf Jens Riedweg aus Baar ZG. Der Grafiker hatte die alten Illustrationen der Deutschschweizer Karten sanft modernisiert und mit moderner Grafik-Technologie ins 21. Jahrhundert übertragen. «Mit viel Respekt vor dem traditionellen Bild», sagt er.
Die Sujets waren sehr wahrscheinlich vor über 130 Jahren von Jakob Peyer geschaffen worden. Jens Riedweg optimierte unter anderem die Typografie und die Kontraste für mehr Schärfe.
Sanftes Update
Für den Fässler-Jass kreierte er zudem mit viel Fingerspitzengefühl die 26 Zusatzkarten. «Wenn man etwas so Bekanntes wie Jasskarten um neue Karten ergänzt, muss man genau den Stil treffen, sonst stört das Neue.»
Der Vorteil des erweiterten Jasskartensets: Damit können bis zu sechs Personen jassen. Es eignet sich auch für beliebte Jassvarianten wie Schieber, Differenzler, Tschau-Sepp oder Hose-abe-Jass. Es ist zudem universell für viele andere Kartenspiele einsetzbar wie etwa Poker. Entfernt man die Ergänzungskarten, hat man ein reguläres 36er-Jasskartenset wie bisher.
Druck in der Schweiz
Die meisten hier gebräuchlichen Spielkarten werden in Deutschland oder Belgien gedruckt. Das war Fässler und Riedweg beim Schweizer Nationalspiel ebenfalls ein Dorn im Auge. Es gelang ihnen, die Kartenproduktion zurück in die Schweiz zu bringen. Das dadurch ein Kartenset 15 Franken kostet, wird laut Fässler gut akzeptiert.
Einen anderen Weg, die Jasskarten zu modernisieren, ging der Fotograf und Digigal-Designer Alain Wohlgemuth. Bei ihm standen gendergerechte Sujets im Zentrum. «Dä Ander Jass» zeigt nicht nur einen König, sondern auch eine Königin, eine Oberin und eine Underin. Zudem sind nicht auf allen Sujets schlanke, weisshäutige Menschen zu sehen.
Weitere Informationen zum Fässler-Jass: www.schweizerjass.ch
Dä ander Jass: www.alain-wohlgemuth.com

