Ein weisses, vierstöckiges Haus mitten im auf 1377 Metern über Meer gelegenen Dorf von Langwies GR. Von Landwirtschaft keine Spur. Doch hier lebt die sechsköpfige Bauernfamilie Margreth. «Der Stall ist rund 300 Meter weiter Richtung Bahnhof», erklärt Rahel Margreth. Der Landwirtschaftsbetrieb gehörte früher einem Onkel und einer Tante ihres Mannes, Hans und Myrtha Zippert. Die beiden wohnen nach wie vor im ehemaligen Bauernhaus beim Stall. Dieses wurde aus dem landwirtschaftlichen Gewerbe abparzeliert. «Darum gehört nun das Haus im Dorfzentrum zum Betrieb.»

Es ist zehn Jahre her, seit Rahel und Hanspeter Margreth den Biohof Rofel übernommen haben, einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 13 Milchkühen, 20 Jungtieren und rund 40 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche in der Bergzone 4. Etwas mehr als die Hälfte des Landes liegt zwischen 1900 und 2200 Metern. «Die Wiesen sind steil und es gibt sehr viel Handarbeit», sagt Rahel Margreth.

Drei Hochtäler rund um Langwies

Viele der Wiesen seien im Fondei, erklärt sie weiter. Das Fondei ist ein 10 Kilometer langes Hochtal mit alten Walser-Siedlungen. «Jeder Bauer hier hat einen Bezug zu einem der drei Hochtäler, Sapün, Medrigen und Fondei.» Die Fahrt dorthin dauert rund 20 Minuten, im Normalfall. «Sind wir im Sommer aber mit einem Fuder Heu unterwegs, dauert eine Fahrt hin und zurück anderthalb Stunden. Zudem sind wir mit der Transportergrösse beschränkt, da es auf der Strecke drei Galerien hat.»

Rahel Margreth ist selbst auf einem Bauernbetrieb aufgewachsen, in Tann im Zürcher Oberland, auf einem Hof mit Milchvieh, Ackerbau, Geissen, Schafen, Pferden für die Hypo-Therapie und einer Kompostieranlage. Ihr Grossvater war der Bio-Pionier und Politiker Ernst Frischknecht, der unter anderem auch Präsident von Bio Suisse war. Den Grossvater kannte in der Region jeder, und sie wurde sehr oft auf ihn angesprochen, erzählt Rahel Margreth. «Für mich war es als junge Frau gut, wegzukommen und mich selbst zu werden.»

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Mehr Interesse an Tieren als an Maschinen

Interesse an der Landwirtschaft hatte sie schon immer, aber selbst Landwirtin werden, das wollte sie nicht. «Da kam mir mein Anspruch in die Quere, als Frau gleich viel leisten zu wollen wie ein Mann», sagt die 34-Jährige, und ergänzt mit einem Schmunzeln. «Das wäre bei meiner Körpergrösse von 153 cm auch schwer.» Zudem sei sie mehr an den Tieren und am Haushalt als an Maschinen interessiert. «Doch ich kann auf dem Hof trotzdem eine Fachkraft sein.»

Als sie erfuhr, dass man das erste Lehrjahr auch auf einem Landwirtschaftsbetrieb absolvieren kann, entschied sich Rahel Margreth für eine Lehre als Fachfrau Hauswirtschaft. Sie absolvierte das 1. Lehrjahr auf dem Bauernhof Neuberg in Malans GR und ging anschliessend an den Plantahof in Landquart GR. Ursprünglich liebäugelte sie mit der Idee, eine Ausbildung als Fachfrau Gesundheit anzuhängen. «Doch dann merkte ich, dass das nichts für mich ist.»

Steckbrief

Name: Rahel Margreth
Alter: 34
Beruf: Fachfrau Hauswirtschaft / Bäuerin FA
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 40 ha
Viehbestand: 13 Milchkühe und 20 Jungtiere

An der Landwirtschaftsschule kennengelernt

Am Plantahof lernte Rahel Margreth ihren Mann Hanspeter kennen, dem sie fast jeden Mittag und Abend das Essen servierte. «Am Anfang war er mir mit seinen 190 cm etwas zu gross», erinnert sie sich lachend. Doch dann unternahmen die beiden öfter etwas zusammen, spielten etwa Tischtennis oder gingen tanzen in die Bluebox nach Niederurnen, wo sich Absolventinnen und Absolventen fast aller Landwirtschaftsschulen der Deutschschweiz trafen. «Hanspeter war ein guter Tänzer, und so hat sich unsere Beziehung langsam entwickelt.» 2014 heirateten die beiden.

Hanspeter Margreth ist in Churwalden aufgewachsen, kommt nicht aus einer Bauernfamilie und lernte Schreiner als Erstberuf. «Er wollte aber schon immer Bauer werden und half oft dem Onkel auf dem Hof und beim Heuen im Fondei», erzählt seine Frau. Daher absolvierte der Bündner zusätzlich die Zweitausbildung als Landwirt und danach die höhere Fachschule als Agrotechniker. 

Da Myrtha und Hans Zippert selbst keine Kinder hatten, konnte der Neffe den Betrieb übernehmen. «Ein Riesenglück», wie Rahel Margreth sagt. Hans Zippert kümmere sich noch heute um das Galtvieh, doch seitdem der Stall vor zwei Jahren umgebaut wurde, melke er nicht mehr. Dafür habe sie mehr Arbeiten auf dem Hof übernommen, so Rahel Margreth. Das ergänze sich gut, da ihr Mann zusätzlich 40 % im Agro-Treuhandbereich arbeite.

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Ruhiger als der Nachbarort Arosa

Rahel Margreth selbst machte zusätzlich die Bäuerinnenschule am Strickhof. Schon damals dachte sie, es wäre toll, irgendwann mal bei der Landfrauenküche mitzumachen. «Doch dann kamen die Betriebsübernahme und die Kinder und es war immer viel zu tun.» Fast wie auf dieses Stichwort erklimmt Ursin die Treppe hinauf zur Küche. Der Vierjährige hat den Vormittag beim Vater im Stall verbracht. Wenig später treffen auch seine drei Schwestern zum Mittagessen ein: Annina, 10, Flurina, 8 und die 6-jährige Madlaina. Die Mädchen fahren zweimal täglich mit dem Schulbus ins rund zehn Kilometer entfernte Arosa. Der umtriebige Ferienort sei ganz anders geprägt als das beschauliche Langwies, weiss Rahel Margreth. «In Arosa hat es noch zwei Landwirtschaftsbetriebe. Hier haben wir noch etwa zehn Höfe und die Feriengäste, die hierherkommen, suchen das Ruhige.»

Von anderen Bäuerinnen im Tal wurde Rahel Margreth vor zehn Jahren angefragt, ob sie bei «Schanfigg kocht» mitmachen möchte. Dabei kochen Landfrauen in einem Vier-Sterne-Hotel für Feriengäste. «Mit Gerichten, die wir auch daheim kochen, wird ein Neungänger zusammengestellt», erklärt sie.

«Ich bin keine Superköchin»

Als sich Rahel Margreth selbst und ohne Rücksprache mit der Familie für die Landfrauenküche anmeldete, rechnete sie nicht damit, dass sie genommen würde. «Ich dachte, wir sind ein Durchschnittsbetrieb und zu wenig interessant.» Zudem habe mit Kathrin Sprecher schon mal eine Frau aus Langwies teilgenommen. Doch dann kam eine Redaktorin vom SRF für ein Vorgespräch vorbei, und die ganze Familie war bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen. «Ich wollte mal rauskommen und etwas für mich machen», sagt Rahel Margreth auf die Frage nach der Motivation. «Ich bin keine Superköchin, doch ich koche gern.»

Während der Drehzeit, die sich über sieben Wochen zog, kam ihre Schwester Claudia Mächler jeweils für zwei Tage nach Langwies, vor allem für die Kinder. «Mir war es wichtig, dass sie gut versorgt sind.» Während der Drehwoche auf dem Hof unterstützte sie zusätzlich Schwager Elia Mächler. In der Küche durfte sie auf die Hilfe von Naema Jeuch zählen, die vor einigen Jahren bei der Familie ein Sozialjahr machte.

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Mehr Milch- als Gartenprodukte

Da sie keinen grünen Daumen und daher auch keinen Garten hat, setzte Rahel Margreth beim Menü den Schwerpunkt auf eigene Milchprodukte und Fleisch vom Hof. «Ich wollte etwas Regionales kochen, aber neu interpretieren», sagt sie. Viel geübt habe sie nicht, das liege ihr nicht. Lief beim Dreh dennoch alles gut? Rahel Margreth lacht und spricht von zerschlagenen Gläsern. Mehr dazu sehe man dann in der Sendung.

Nach dem Mittagessen reicht es noch für einen Abstecher hinunter zum Stall und zum Verkaufsstand. Hier bietet Familie Margreth verschiedene Hofprodukte an, von Trockenfleisch und Salsiz über Alpkäse bis zu Konfitüren, Sirup und Chutneys.

Wie ein Sprung ins kalte Wasser

Die Dreharbeiten hätten ihr gut gefallen, erzählt Rahel Margreth weiter, während flauschig wirkende Schneeflocken vom Himmel fallen. «Doch es waren sehr lange Tage und es war nicht immer einfach, spät am Abend schlaue Antworten fürs TV zu geben.» Die Zeit mit sechs, ihr vorher unbekannten Frauen sei wie ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. «Aber es waren schöne Abende und man lernt sich schnell kennen.»

Am besten gefallen habe ihr, dass sie mal etwas anderes gesehen habe und erfahren durfte, dass es zu Hause auch ohne sie geht. «Die Kinder machten das tipptopp, doch wir mussten anschliessend wieder etwas zur Ruhe kommen.»

«Ich dachte immer, ich brauche in Langwies mehr Leute um mich herum», sagt Rahel Margreth zum Schluss, kurz bevor sie durch das Schneegestöber wieder zum Wohnhaus hinauffährt. Während der Dreharbeiten realisierte sie, dass sie sich in den letzten zehn Jahren verändert hatte. «Ich bevorzuge heute die Ruhe, statt ständig unterwegs zu sein, und ich schätze nun umso mehr, was wir hier haben.»

Fünf Fragen an Rahel Margreth

Mein Lieblingsessen als Kind: Apfelküchlein aus Milchäpfeln.
Das esse ich (heute) nicht gern: Meeresfrüchte, Fenchel und Zucchetti.
Meine Küchenwunderwaffe: Meine ganze Küche, ich habe sie selbst für die Bäuerinnenprüfung geplant. Sie hat viele praktische Eigenschaften wie je eine ausziehbare Waage und Küchenmaschine, und natürlich passen die Arbeitsflächen perfekt zu meiner Grösse.
Meine Lieblingsarbeit in der Küche: Schmorgerichte kochen, Produkte sterilisieren.
Diese Küchenarbeit finde ich öde: Die Abwaschmaschine ausräumen und den Küchenboden putzen.

«SRF bi de Lüt – Landfrauenküche 2025»: Wir sind für Sie dabei

Ab Freitag, 31. Oktober, bis zum Finale am 19. Dezember berichtet die BauernZeitung zur Landfrauenküche.

- Über jede Kandidatin gibt es ein grosses Porträt
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Die Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche 2025» wird ab dem 31. Oktober 2025 jeden Freitagabend (20.05 Uhr, SRF 1) ausgestrahlt.

Der grosse Wettbewerb zur «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» 2025
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