Ein Internetverbindung gehört, wie zum Beispiel auch der Telefonanschluss, in der Schweiz zur Grundversorgung. Das heisst: In allen Schweizer Haushalten soll sie zur Verfügung stehen, und zwar in einer Datenübertragungsrate von mindestens 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) für den Download und 1 Mbit/s für den Upload. Das steht seit 1. Januar 2020 in der Verordnung über die Fernmeldedienste. Das Ziel der Grundversorgung ist es, allen Bevölkerungskreisen in allen Landesteilen ein Basisangebot zur Verfügung zu stellen. Diese Dienste müssen laut dem zuständigen Bundesamt für Kommunikation erschwinglich, zuverlässig und von einer bestimmten Qualität sein.
Oftmals nur mit Kupferleitungen erschlossen
In der Realität sieht es zum Teil etwas anders aus. Städtische Gebiete und Agglomerationen und meist auch Dörfer sind zwar grundsätzlich mit dem heute sehr leistungsfähigen Glasfasernetz erschlossen und gut mit Internet versorgt. In abgelegenen Gebieten sind aber oftmals nur ältere Kupferleitungen vorhanden. Diese Regionen stehen häufig hinten an. Denn je weiter der Anschluss von einem Glasfasernetz entfernt ist, desto mehr büsst das Internet an Geschwindigkeit ein.
So kann es sein, dass es zu gewissen Tageszeiten zu Überlastungen kommt und nichts mehr geht für die Haushalte, die weiter weg gelegen sind. Ausserdem kann die Grundversorgungs-Konzessionärin, in diesem Fall die Swisscom, in Ausnahmefällen die Geschwindigkeit eines Anschlusses reduzieren, wenn technische und ökonomische Gründe dafür sprechen.
Gibt es bald mehr Internet?
Nebst den zum Teil unzuverlässigen Leitungen in ländlichen Gebieten kommt hinzu, dass heutzutage 10 Mbit/s für die Grundversorgung eines Haushalts nicht mehr reichen. Homeoffice und Schule Zuhause haben durch Corona an Bedeutung gewonnen. Das Streaming von Filmen in HD-Qualität ist beliebter geworden.
Ab 2024 möchte der Bundesrat daher die Internet-Geschwindigkeit in der Grundversorgung ausbauen, wie er Ende letztes Jahr mitteilte. In der Mitteilung steht, dass ein Internetanschluss mit einer Download-Geschwindigkeit von 80 Mbit/s das bisherige Mindestangebot von 10 Mbit/s ergänzen soll. Was das genau heisst und wie die Änderung umgesetzt wird, bleibt noch offen. Die Vernehmlassungsfrist lief bis im März 2022.
Stadt und Land sind wichtig
Klar ist, der Ausbau des Netzes bedeutet Investitionen. Dass diese in in der Vergangenheit hauptsächlich in den Städten gemacht wurden, ist zwar nachvollziehbar. Städte sind für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes wichtig. Ländliche Gebiete aber ebenso. Sie dürfen deshalb in der Grundversorgung nicht benachteiligt werden. Denn die dezentrale Besiedelung ist in der Bundesverfassung verankert. Sie bietet zahlreiche Vorteile für die Schweiz. Zum Beispiel stellt die ländliche Kulturlandschaft Erholungsraum für die Bevölkerung zur Verfügung, es werden wertvolle Landwirtschaftsflächen erhalten, wo sich der Wald nicht ausbreiten kann und dadurch die Biodiversität erhöht. Ländliche Regionen gelten ausserdem als wirtschaftlich krisenresistenter und haben eine weniger hohe Arbeitslosenrate.
Permanente Verfügbarkeit wäre wichtig
In der von den Alpen geprägten Schweiz ist die flächendeckende Versorgung mit Internet natürlich eine besondere Herausforderung. Es gibt viele abgelegene Höfe oder Siedlungen. Häufig gibt es in Gebieten mit schlechten Kabelverbindungen auch schlechten oder keinen Mobilfunkempfang. Dennoch ist dort die Versorgung mit einer angemessenen Internetgeschwindigkeit nicht ausgeschlossen.
Eine Datenübertragungsrate von 30 Mbit/s reicht im Normalfall für eine Familie mit Kindern – wenn die Verbindung denn auch zuverlässig und permanent verfügbar ist. Zwar bietet Internet über eine Glasfaserleitung die beste Versorgung, aber auch Richtfunk ist eine ziemlich zuverlässige Technologie, die jedoch kostet.
Keine höheren Kosten für die Landbevölkerung
Neuerdings gibt es zwar auch Satelliten-Internet, dieses steht aber noch etwas wacklig auf den Beinen. Die Datenübertragungsrate ist beschränkt auf 20 Mbit/s oder sie ist sehr variabel und auch eher teuer. In Talregionen beschränken die Berge rundum die freie Sicht auf die Satelliten.
Wie auch immer die ideale Lösung für den einzelnen Haushalt aussieht: Es ist durch die heutigen Technologien möglich, flächendeckendes, zuverlässiges Internet anzubieten. Die ländliche Bevölkerung sollte aber nicht mehr Geld für eine Internetverbindung ausgeben müssen als die städtische.

