«Was ist Stress?» Martina Wyss lacht. Der berufstätigen Mutter und Bäuerin muss natürlich niemand erklären, dass das Leben anstrengend sein kann. Aber sie mag es, wenn etwas läuft. «Es wäre mir langweilig, nur in der Stube zu sitzen und darauf zu warten, dass wieder eine Windel voll ist.» Der junge Mann, auf den sie anspielt, ist soeben in ihren Armen eingeschlafen: Sohn Beni, ein Jahr alt.
Schule, Stall und Haus
Ein Jahr ist es auch her, dass Martina und ihr Mann Joel Wyss den Betrieb seiner Eltern mit Munimast, Acker- und Futterbau und Kompostherstellung in Uerkheim übernommen haben. «Ich helfe aus», umschreibt Martina Wyss ihre Rolle auf dem Betrieb. Dazu führt sie den Haushalt, arbeitet in einem 40-Prozent-Pensum als Sekundarlehrerin und absolviert den Fachkurs Bäuerin an der Liebegg. «Ich mag Abwechslung», kommentiert sie die verschiedenen Aufgabengebiete, «100 Prozent auswärts arbeiten fände ich anstrengender.»
Hängendes Kleinbüro
Bei der Organisation des Familienlebens hilft das «hängende Kleinbüro» an der Küchenwand, mit dem die Familie Post, Termine und anderes organisiert. Es ist eine sichtbare Spur der Bäuerinnenausbildung, die Anregung kam aus dem Modul «Familie und Gesellschaft».
Es sei eine tolle Weiterbildung, sagt die junge Frau über den Fachkurs Bäuerin. Sie hat ihre Ausbildung als Sekundarlehrerin für die Fächer Deutsch, Französisch, Englisch und Hauswirtschaft gemacht. An der Liebegg müsste sie dank ihrer Vorbildung in einigen Fächern eigentlich nur noch die Prüfung machen. «Aber mir ist der Sozialkontakt wichtig», begründet Martina Wyss den Besuch der Module. In ihrer Klasse stünden die meisten Frauen an ähnlichen Punkten im Leben, sie würden angeregte Diskussionen führen. Eine der häufigsten Fragen in der Klasse lautet: «Wie macht ihr das?»
Auch die theoretischen Module wie Buchhaltung und Recht schätzt sie. «Buchungen habe ich schon lange gemacht, jetzt verstehe ich, was dahintersteckt», nennt sie ein Beispiel. Nicht alles findet sie gleich toll, bei den Lerninhalten gäbe es schon einiges zu modernisieren, regt sie an. «Einmal beispielsweise mussten wir ausgiebig Silberbesteck putzen. Darüber lachen wir heute noch – keine von uns benutzt zu Hause Silberbesteck.»
Ein Zimmer zum Stillen
Trotz ihrer Vorbildung lernt Martina Wyss viel. Beim Kochen zum Beispiel suchte sie sich neue Menüs aus, statt mit Bekanntem bequem durchzuschlüpfen. «Das ist Erwachsenenbildung – du musst einfordern, was du brauchst.» Manchmal habe sie es sich doch einfach gemacht, fügt sie an: Sie absolvierte Modulprüfungen hochschwanger und ging danach mit Baby Beni wieder zur Schule. «Dass das geht, ist ein weiterer Pluspunkt dieser Ausbildung. Da gab es auch immer ein Zimmer zum Stillen oder zum Ausruhen.» Im Sommer beendet Martina Wyss den Fachkurs, danach hängt sie die Berufsprüfung an. Sie weiss jetzt schon, dass sie sich in der Projektarbeit mit Direktvermarktung befassen wird, das möchte sie nämlich in den nächsten Jahren auf dem Hof umsetzen. «Das ist eine super Gelegenheit, mich vertieft mit dieser Idee zu befassen und fachliche Unterstützung zu erhalten.»
Fachkurs Bäuerin:
Der nächste Fachkurs Bäuerin / Bäuerlicher Haushaltleiter am LZ Liebegg startet im August 2023. Infoabende finden am 12. Januar (online) und 8. März um 19.30 Uhr statt.

