Starke Frauen bedeuten eine starke Landwirtschaft. Dies wurde am Netzwerkanlass «Frauen in der Landwirtschaft» mehrfach betont. Die Agridea nutzte in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) das Uno-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft und lud zum Treffen auf den Ballenberg BE ein.
Während der Referate am Morgen wurden die Leistungen, die von Bäuerinnen und Landfrauen tagtäglich für die ganze Gesellschaft erbracht werden, hochgelobt und wertgeschätzt. Frauen würden die Landwirtschaft vielfältiger und resilienter machen, ist etwa Simone Hunziker von der Agridea der Meinung. Vielfältig und breit gefächert waren auch die Hintergründe der teilnehmenden Frauen. Diese stammten aus unterschiedlichen Bereichen der Landwirtschaft, von Verbänden, aber auch aus der Beratung, Forschung, Bildung und Politik.
Gleichstellung besteht nicht überall
Anne Challandes, die Präsidentin des SBLV, machte deutlich: «Frauen sind nicht nur ein Teil der Landwirtschaft, sondern ein wichtiger Teil der landwirtschaftlichen Zukunft.» Bei aller Euphorie über das Können der Frauen durfte jedoch das Thema der teilweise immer noch fehlenden Gleichstellung des weiblichen Geschlechts gegenüber den Männern nicht fehlen.
Challandes machte deutlich, wie jung das Thema der Gleichstellung in der Schweiz sei. So wurde erst 1971 das Frauenstimmrecht eingeführt. Ein weiterer Meilenstein war laut der Präsidentin die Einführung des neuen Eherechts im Jahre 1988. Erst ab da durften Frauen selbstständig Verträge unterzeichnen oder ein Bankkonto eröffnen.

Unermüdlich plädiert Anne Challandes dafür, dass Frauen weltweit unbedingt geeint auftreten müssen, um weitere Erfolge bei der Gleichstellung in Bezug auf Lohn, Landbesitz und Anerkennung zu erzielen. Zudem seien zu viele Leistungen von Frauen, etwa im Bereich der Care-Arbeit, nach wie vor unsichtbar.
Ein Umstand, den Esther Grossenbacher vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bestätigte. Sie präsentierte einige Zahlen aus dem Monitoring des BLW zu den Frauen in der Landwirtschaft. Dabei erläuterte sie, dass die Arbeitszeit von Frauen in der Landwirtschaft im Monitoring eher tief ausfalle. Ein Raunen ging durch den Saal, als sie den Grund erläuterte. Denn bei dieser Erhebung werde nur die Erwerbstätigkeit eingerechnet, jedoch nicht die Hausarbeit und Care-Arbeit.
Rollenbilder ablegen
Mehrfach ein Thema waren die Rollenbilder. Das Monitoring zeigt, dass traditionelle Rollenverteilungen immer noch den Grossteil ausmachen. «Doch das Rollenbild ändert sich langsam», erklärte Esther Grossenbacher.
Während im Jahr 2000 lediglich 3,3 % der Betriebe von Frauen geführt wurden, lag der Wert im Jahr 2025 bei 8,1 % Betriebsleiterinnen. Nicht von der Hand zu weisen sei, dass Betriebsleiterinnen mehr im Haushalt leisten, als ihre männlichen Berufskollegen.
Denn vielfach besorge die Betriebsleiterin weiterhin den Löwenanteil der Hausarbeit. Anne Challandes betonte, dass sich die Realität auf den Höfen nicht mehr in Kategorien wie «Der Mann arbeitet draussen, die Frau in Haus und Garten» einteilen lasse.
«Ein Landwirt EFZ kann genauso Wäsche waschen und die Kinderbetreuung übernehmen, ohne den Status Landwirt zu verlieren, wie eine Bäuerin melken oder Traktorfahren kann», nannte sie ein Beispiel. Und sie doppelte nach: «Wir müssen verhindern, dass Frauen weiterhin auf Rollen festgelegt werden!»

Viel Zeit zum Netzwerken
Bevor es zum gemeinsamen Mittagslunch ging, veranstaltete die Resilienztrainerin Sandrine Bellwald einen Empowerment-Workshop (siehe Kasten). Empowerment kann mit «Ermächtigung», «Selbstbefähigung» oder «Stärkung von Eigenmacht und Autonomie» übersetzt werden.
Bereits der gemeinsame Lunch bot den Frauen Zeit, um sich auszutauschen. Dies war ebenfalls ein Ziel des Anlasses. Im Anschluss ermöglichten unterschiedliche Partnerorganisationen am Infomarkt, Kontakte im Netzwerk unter engagierten Frauen zu erweitern oder zu vertiefen.
Und natürlich war auch die Sonderausstellung «Frauen in der Landwirtschaft – gestern, heute, morgen» frei zugänglich. Die Ausstellung endet aber nicht im Dezember mit dem Ende des Uno-Jahres 2026. Dies wurde bei einer Führung von Nina Hübner, Bereichsleiterin Kommunikation beim LID, verraten. Die Ausstellung bleibe auch im kommenden Jahr zu sehen, freute sie sich.

So gelingt klare Kommunikation
Die Resilienztrainerin Sandrine Bellwald weiss, dass Frauen für andere sorgen und deren Bedürfnisse abdecken wollen. Vielfach wird daher unklar kommuniziert, um das Gegenüber nicht zu enttäuschen oder zu verärgern.
Offen zu kommunizieren, Dinge klar anzusprechen, zu klären, Rückmeldungen zu geben und für sich selbst Raum einzunehmen, fällt Frauen oft schwer. Vielmehr würden sie in eine Rechtfertigungs- oder Verteidigungshaltung verfallen oder andere Strategien anwenden wie explodieren, überfreundlich sein, in einen Redeschwall ausbrechen, hilflos werden, lästern, sich zurückziehen oder die Faust im Sack machen. All dies sei normal. Sie gab den Frauen die Hilfestellung bei einem Gespräch, die drei B anzuwenden. Anhand eines Beispiels mit Stallarbeit erklärte sie diese so:
- Beobachten: Darunter fällt alles, was auch mit einer Kamera aufgezeichnet werden kann. Was ist gerade los, was passiert konkret? «Du hilfst mir nie», sei dabei der falsche Ansatz. «Ich habe diese Woche an vier Abenden die Stallarbeit erledigt», sei der richtige Weg.
- Bedürfnis: «Was brauche ich? Was ist mir wichtig? Was steckt hinter meinem Anliegen?» Statt Vorwürfe zu machen, das Bedürfnis wie «Ich brauche einen Abend pro Woche, an dem ich nicht für den Stall zuständig bin» klar zu benennen.
- Bitte formulieren: Konkret und positiv formuliert. Etwa: «Würdest du ab nächster Woche jeweils am Donnerstag den Stall übernehmen!»
Wichtig sei, die Bedürfnisse wirklich klar zu benennen und nicht mit Sätzen wie: «Wäre es vielleicht möglich …?», «Nur wenn es für dich auch passt …», «Ist vielleicht etwas blöd, aber …», «Ich weiss, du hast ja eigentlich viel zu tun …» oder einer Entschuldigung im Vorhinein abzuschwächen.
Und zum Schluss forderte Sandrine Bellwald dazu auf, die eigene Rolle und die eigene Stimme anzuerkennen und sich selbst zu erlauben, Raum einzunehmen.

