Kurz & bündig
- Präzise Saat ist entscheidend für einen gleichmässigen Feldaufgang.
- Elektronik erleichtert die Arbeit, bringt aber nicht automatisch mehr Ertrag.
- Die Ausstattung sollte zum Betrieb und zu seinen Anforderungen passen.
Beim Säen muss vieles zusammenpassen: Fahrgeschwindigkeit, Saatmenge, Schardruck, Ablagetiefe und Bodenbeschaffenheit. Schon kleine Abweichungen können dazu führen, dass die Körner nicht dort liegen, wo sie liegen sollten.
Moderne Sämaschinen sollen dabei möglichst viel Arbeit abnehmen. Sie dosieren elektrisch, speichern Einstellungen und können Saatmengen oder einzelne Säschare automatisch anpassen. Doch längst nicht jede dieser Funktionen ist für jeden Betrieb gleich wertvoll.
Wie die Grundanforderungen in der Praxis aussehen, zeigt Thomas Blum, stellvertretender Leiter des Bereichs Landwirtschaft auf Schloss Herdern in Herdern TG.
Auf dem 110 Hektaren grossen Betrieb war die alte Sämaschine verschlissen. Blum stellte zunehmend einen uneinheitlichen Feldaufgang und eine weniger präzise Ablage fest.
Bei der Suche nach einer neuen Maschine stand deshalb nicht möglichst viel Elektronik an erster Stelle. Die Maschine sollte präzise arbeiten und über eine stabile Andruckrolle verfügen.
Wo Elektronik tatsächlich Arbeit abnimmt
«Für uns war vor allem wichtig, dass die Maschine wieder präzise arbeitet. Isobus war dabei eher nebensächlich», sagt Thomas Blum. Trotzdem hat er sich für eine Säkombination entschieden, die viele moderne Funktionen beinhaltet. Die Wahl fiel auf eine «Kverneland e-drill maxi plus»-Säkombination mit 3 Metern Arbeitsbreite, pneumatischer Dosierung, Isobus und Doppeltank.

«Die Elektronik macht die Arbeit etwas einfacher, ändert am Ertrag jedoch nichts.»
Thomas Blum, stv. Leiter Landwirtschaft Schloss Herdern TG
Den Mehrwert der Elektronik erlebt Thomas Blum vor allem bei der Bedienung. Einstellungen können gespeichert und später wieder abgerufen werden. «Die Tiefenführung ist einfacher einzustellen, und auch der Schardruck lässt sich bequem über eine Spindel anpassen», so Blum.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Elektronik ersetzt nicht die agronomische Aufgabe der Sämaschine. Sie kann aber deren Bedienung einfacher machen.

Auch die Saatmenge lässt sich über das Isobus-Terminal einstellen. Das Abdrehen kann elektronisch unterstützt werden. Eine Kontrolle bleibt dennoch notwendig, denn unterschiedliche Saatgutchargen können beispielsweise beim Tausendkorngewicht voneinander abweichen.
Blum nutzt die Maschine seit drei Saisons, vor allem bei Kunstwiesen sowie bei Getreide. Die Kombination mit Kreiselegge und Packer und die hydraulische Scharaushebung erleichtern ihm ebenfalls die Arbeit.
Für Peter Aregger, Produktmanager bei Agriott und unter anderem für Kverneland-Sämaschinen zuständig, sind deshalb zwei Dinge entscheidend: eine zuverlässige Dosierung und eine präzise Ablage.
«Die Maschine muss die gewünschte Saatmenge reproduzierbar ausbringen und das Saatgut möglichst gleichmässig und in der vorgegebenen Tiefe ablegen», fasst Aregger zusammen. Erst danach kommen die elektronischen Möglichkeiten ins Spiel.
Variable Saatmenge: interessant, aber nicht für alle
Elektrische Dosierung und Isobus ermöglichen mehr als eine einfache Einstellung der Saatmenge. Die Maschine kann auch unterschiedliche Mengen innerhalb eines Feldes ausbringen. Dafür braucht es allerdings entsprechende Boden-, Ertrags- oder Satellitendaten und eine Schnittstelle zur Maschine.
Thomas Blum nutzt die variable Saatmenge gelegentlich. Allerdings stellt er diese händisch, nach Erfahrung ein. Das Ganze anhand von Bodendaten zu automatisieren, wäre mehr Aufwand für ihn.
Gerade darin liegt eine interessante Erkenntnis: Eine Funktion muss nicht ständig genutzt werden, um einen Wert zu haben. Sie kann interessant sein, wenn sie bei bestimmten Kulturen oder Bedingungen einen Vorteil bringt.
«Wir können nun etwas ausprobieren und sehen, was uns im Arbeitsalltag wirklich etwas bringt», sagt Thomas Blum.
Seine Säkombination bietet darüber hinaus die Möglichkeit, zwei Komponenten wie Saatgut und Dünger in einem Arbeitsgang auszubringen. Der geteilte Tank und die unabhängig arbeitenden Dosierungen machen die Maschine entsprechend flexibel. Der Doppeltank wird beispielsweise genutzt, um bei Zuckerrüben gleichzeitig Dünger und Schneckenkörner auszubringen.
Section Control: Technik mit Grenzen
Bei Section Control ist die Frage nach dem Nutzen noch offensichtlicher. Einzelne Säeinheiten oder Sektionen können abgeschaltet werden, etwa bei Fahrgassen, Keilen oder Überlappungen.
Auf einem Betrieb mit vielen unregelmässigen Flächen kann dies Saatgut sparen. Auf Schloss Herdern ist der Vorteil dagegen gering: Die meisten Flächen sind rechteckig und gerade.
Hinzu kommt eine technische Besonderheit pneumatischer Sämaschinen. Werden viele Schare gleichzeitig abgeschaltet, verändern sich die Luftströmungsverhältnisse. Das kann die Saatgutverteilung beeinflussen.
Wirtschaftlich ist der Effekt ebenfalls zu betrachten: Bei Getreide ist Saatgut im Vergleich zu Dünger oder Pflanzenschutzmitteln relativ günstig. So ist es gerade beim Getreide meist fraglich, ob sich ein Einsetzen dieser Technik lohnt.
Auch Peter Aregger warnt indirekt vor einem verbreiteten Denkfehler: Mehr Ausstattung bedeutet nicht automatisch mehr Leistung. Zusatzausstattungen können Komfort, Flexibilität und Arbeitseffizienz erhöhen, sie sorgen aber nicht automatisch für höhere Erträge.
Die Betriebsgrösse entscheidet mit
Für Schloss Herdern passt die Maschine laut Thomas Blum gut. Rund 60 bis 80 Hektaren werden jährlich gesät. Damit wird die Maschine ausreichend ausgelastet. «Für einen kleinen Betrieb ist diese Maschine wohl eher Luxus», folgert Blum. Eine einfacher ausgestattete pneumatische Sämaschine läuft kostengünstig auch auf kleineren Betrieben.
Eine gemeinsame Anschaffung einer Sämaschine könnte eine Möglichkeit sein, die Auslastung zu erhöhen.
Was zwischen Tank und Boden passiert
Bei mechanischen Sämaschinen wird das Saatgut über ein Dosierorgan pro Schar gefördert. Sie erreichen eine hohe Präzision bei der Querverteilung, während Hanglagen die Längsverteilung beeinflussen. Bei niedrigem Tankfüllstand muss die Saatgutverteilung überprüft werden, da sonst einzelne Reihen leer laufen.
Pneumatische Systeme transportieren das dosierte Saatgut gleichmässig per Luftstrom zu den Scharen. Der Tank kann ohne Fehlstellen bis zum letzten Korn leer gefahren werden.
Für den Landwirt zählt letztlich das Ergebnis: Kommt auf jeder Säreihe die richtige Menge an und landet das Korn in der richtigen Tiefe? Doppelscheibenschare öffnen die Furche präzise, haben aber mehr Verschleissteile, einen höheren Wartungsaufwand und können nicht ohne Andruckrollen gefahren werden. Einzelscheibenschare sind einfacher und verschleissärmer, laufen dafür etwas unruhiger. Eine Kombination aus Stahl- und flexibler Kunststoffscheibe bietet einen Mittelweg: Sie kommt ohne separaten Abstreifer aus und verbindet geringen Wartungsaufwand mit einer präzisen Furchenöffnung.

Für die konstante Ablagetiefe sorgt die Andruckrolle. Sie begrenzt die Schartiefe, schliesst die Saatfurche und stellt den Bodenkontakt sicher. Für Peter Aregger ist entscheidend, dass das Saatgut dort landet, wo es vorgesehen ist. Bei nassen Bedingungen kann jedoch aufgenommene und verklumpte Erde an der Anpressrolle die Tiefenführung und den Furchenschluss beeinträchtigen. Beim Kverneland-CXII-Schar kann trotz angehobener Andruckrolle eine regelmässige Sätiefe eingehalten werden.
Technik, die zum Betrieb passt
Eine moderne Sämaschine ist nicht automatisch besser, nur weil sie mehr kann. Entscheidend ist, welche Funktionen im eigenen Betrieb tatsächlich einen Unterschied machen.
Thomas Blum zeigt das exemplarisch: Seine Maschine bietet zahlreiche elektronische Möglichkeiten, doch im Alltag zählt für ihn vor allem, dass sie präzise sät, einfach einzustellen ist und zuverlässig funktioniert. Isobus ist für ihn heute eher nebensächlich – gleichzeitig sieht er darin eine Investition in die Zukunft.
Die passende Sämaschine ist deshalb nicht zwingend die technisch aufwendigste. Sie ist diejenige, deren Ausstattung zum Betrieb, zu den Flächen und zu den eigenen Arbeitsabläufen passt.
Wann lohnt sich welche Ausstattung?
Elektrische Dosierung: interessant, wenn Saatmengen häufig angepasst werden oder unterschiedliches Saatgut eingesetzt wird. Sie kann die Einstellung und Kalibrierung vereinfachen.
Isobus: interessant, wenn mehrere Einstellungen gespeichert, aus der Kabine bedient oder mit anderen Precision-Farming-Funktionen kombiniert werden sollen.
Variable Aussaat: interessant, wenn auf dem Betrieb entsprechende Bodendaten oder andere Vorgaben vorhanden sind. Ohne Datengrundlage bleibt die Funktion weitgehend ungenutzt.
Section Control: besonders interessant bei vielen Keilen, Vorgewenden und Überlappungen, um Saatgut zu sparen. Bei regelmässigen, rechteckigen Flächen ist der Nutzen kleiner.
Doppeltank: interessant, wenn zwei Komponenten in einem Arbeitsgang ausgebracht werden sollen, beispielsweise Saatgut und Dünger oder Schneckenkörner.
Aufwendige Ausstattung generell: lohnt sich nur, wenn die Maschine genügend eingesetzt wird oder die Funktionen einen konkreten Arbeitsvorteil bringen.

