Ende Oktober – die Nächte bleiben kühl und der Boden riecht nach modrigem Gras und Pilzen. Manchmal kündigt ein kühler Wind den bevorstehenden Winter an. Trotzdem gibt es sie noch, die sonnig-goldenen Tage. An denen empfiehlt es sich, auf einem Spaziergang eine Stofftasche dabeizuhaben. Denn jetzt ist Erntezeit für Wildobst. Die Mühe, die Beeren des Schwarz- und Weissdorns, der Kornelkirsche und Eberesche zu sammeln, lohnt sich. Die meisten dieser Früchte schmecken roh nicht sonderlich gut oder sind gar unbekömmlich. Aber gekocht, eingelegt oder eingemacht sind sie wahre Geschmacksbomben. 

Falsche Oliven, eine Erfindung aus dem Norden 

Gerade der Schwarzdorn (auch Schlehe) und die Kornelkirschen eignen sich besonders fürs Einmachen. Meist wird daraus Konfitüre, Sirup oder Likör. Etwas ganz Besonderes sind jedoch «falsche Oliven». Sie haben nicht nur weniger Kalorien als echte Oliven, sie sind auch noch mindestens genau so gesund. Für falsche Oliven werden unreife und nicht zu reife Kornelkirschen oder noch feste Schwarzdornfrüchte erst in Salzlake und anschliessend in Olivenöl oder nur in Salzlake eingelegt. Die mit eingelegten Kräuter und Gewürze lassen das Ergebnis schmecken wie eingelegte Oliven. Sie bereichern jede kalte Platte und eignen sich sogar für die Pizza. 

Die Idee dazu hatte der europaweit bekannte Kräuterkoch, Jean-Marie Dumaine aus der Eifel, dem Gebirge zwischen Belgien, Luxemburg und Rheinland-Pfalz. Er verwendete vorerst nur Schwarzdorn und nannte sie «Eifeler Oliven». Was hindert uns daran, unsere eigenen Wildfrüchte genauso zu verwenden? Wir haben den Versuch mit den etwas unreifen Kornelkirschen gestartet und der Erfolg war genauso durchschlagend (siehe Rezept). Der Versuch lohnt sich also! Am besten startet man zuerst einmal mit einem kleineren Glas, doch vermutlich wird man den nächsten Herbst kaum erwarten können …

Vogelbeeren kann man essen, aber gekocht 

Für die falschen Oliven auf keinen Fall zu reife oder überreife Früchte verwenden, das Resultat wäre schlicht matschig und höchstens noch zum Würzen geeignet. Allerdings können die geernteten Früchte zuerst einmal in den Tiefkühler wandern, bis man Zeit hat, sie zu verwenden. Gerade Schwarzdorn sollte einen ersten Frost erlebt haben. 

Sollten jetzt die Süssschnäbel reklamieren, dann sollten diese auch gleich noch einige Vogelbeeren ernten. Ja genau, die Früchte der Eberesche, von denen wir gelernt haben, dass sie giftig seien. Dabei gehören diese herb-bitteren Beeren zum Gesündesten, was die heimische Baumwelt bereithält. Die Verehrung der Eberesche stammt aus der Keltenzeit. Der Baum gehörte einst zu allen Sonnwendfeiern, Tagundnachtgleichen und den Hexenfeiertagen, bis die offizielle Kirche den Baum für giftig erklärte und der Verehrung ein Ende setzte. 

Roh gegessen sind die Beeren tatsächlich unbekömmlich, aber nicht giftig; sie enthalten Parasorbinsäure, die zu Reizungen im Verdauungstrakt, Erbrechen und Durchfall führt. Durch Kochen wird sie jedoch inaktiviert. Wie wäre es also mit einem herbsüssen Vogelbeermus anstelle eines Mango-Chutneys zur Pastete oder einer Preiselbeerkonfitüre zum Wild? 

Falsche Oliven sorgen für spannende Tischgespräche

In diesem Jahr, in dem wir alle Corona-bedingt den häuslichen Herd noch etwas mehr schätzen lernten, wäre es gerade passend, zu zeigen, was in unseren Hecken und an unseren Waldrändern steckt. Und wie einzigartig ist das, wenn es plötzlich Seeländer-, Zuger-, Ostschweizer- oder Jura-Oliven gibt und ein Mus für Hexen auf dem Tisch steht! Die Diskussionsthemen am Tisch werden mit solchen Überraschungen ganz bestimmt nicht ausgehen.