Haben Sie noch kein Abo?
Hier abonnieren

Sie sind Zeitungs-Abonnent und haben noch kein Online-Login?
Hier freischalten

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 17:00 Uhr

Haben Sie noch kein Abo?
Hier abonnieren

Sie sind Zeitungs-Abonnent und haben noch kein Online-Login?
Hier freischalten

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 17:00 Uhr

Das Huhn, das unbekannte Wesen

Auf Einladung der UFA referierte eine deutsche Biologin über tiergerechte Haltung und Verbesserungen im Management.


Publiziert: 17.11.2018 / 14:45

Wöchentlich liest man in der Fachpresse, was Wiederkäuer brauchen, um viel leisten zu können. Beim Geflügel ist der Wissensstand, zumindest ausserhalb der Branche, meist etwas tiefer. Christiane Keppeler, Biologin an der Universität Kassel (D) und bundesweit anerkannte Hühner-Expertin, beschäftigt sich seit 20 Jahren mit allen Fragen rund um das Huhn und wird gerne als «Hühnerflüsterin» betitelt.

Hühner sind Dschungeltiere

Vergangene Woche nahm Keppeler in Sursee einen Saal voll Geflügelhalter aus der ganzen Schweiz mit auf eine Reise durch die Evolution des nützlichen Vogels. Hühner stammen ursprünglich aus Ostasien. Vor ihrer Domestizierung und der Weiterzucht zu Hochleistungshybriden lebten sie als Dschungeltiere in kleinen Gruppen (zwei bis fünf Hühner, ein Hahn).

Hühner sind ängstliche Vögel mit grossem Sicherheitsbedarf. Sie würden eine Rangordnung bilden innerhalb der Gruppe, erklärte Christiane Keppeler. Im Unterholz des Dschungels bauen die Gruppen Gemeinschaftsnester. Das Huhn ist ein Allesfresser, der aktiv auf Nahrungssuche geht. Der Radius in der freien Natur beträgt gegen 600 Meter.

Aufzucht entscheidend

Hat sich das Verhalten bei Legehennen geändert? «Nein, beim Huhn sind alle Verhaltensweisen noch vorhanden», beantwortete die Biologin ihre rhetorische Frage. Dies müsse bei Stallbau und Management berücksichtigt werden. Nur ein Tier, dem wohl ist, kann auch Leistungen erbringen. Ansonsten kommt es zu Federpicken und Kannibalismus. Und dieses sei nicht etwa aggressiv motiviert, stellte die «Hühnerflüsterin» klar. Sondern ein klarer Indikator für Defizite in der Haltung, genauer bei Fütterung und beim Management.

Wie bei allen Nutztieren ist bereits die Aufzucht entscheidend. «Dort müssen die Tiere alles lernen, was sie dann im Legestall können müssen», sagte die Beraterin. Eine gute Abstimmung mit dem Aufzuchtbetrieb sei wichtig, damit die Umstellung schonend vonstatten geht und die Parameter wie Futter möglichst langsam verändert werden. Ausgewachsen sind die Tiere erst dann, wenn sie die Legespitze erreichen, also mit 25 bis 30 Wochen. Und die Haltung? So viel Platz wie möglich und ein gutes Hygienemanagement seien von Bedeutung, sagte Keppeler.

«Nur Hühner ohne Rückzugsmöglichkeiten lassen sich totpicken»

Als wichtig nannte sie auch verschiedene Bereiche für verschiedene Verhaltensweisen, fast wie im Dschungel (Sitzstangen, Rückzugsmöglichkeiten, Wintergarten, Scharraum usw.). Nur Hühner ohne Rückzugsmöglichkeiten lassen sich «totpicken», weiss Keppeler. Und mache man es noch so gut: «Jede Herde ist anders», dämpfte sie übertriebene Erwartungen der Geflügelprofis. Nebst dem Zustand des Gefieders, Infektionen oder Verletzungen ging Keppeler auch auf Brüche des Brustbeins ein. Untersuchungen hätten gezeigt, dass je nach Herde von unter 10 bis über 80 Prozent der Tiere betroffen waren. Schuld seien etwa Haltungseinrichtungen wie scharfkantige Anflugstellen, zu wenig gut erreichbare Ruheplätze, ungünstige Anflugwinkel oder Abstände.

Aber auch runde Metallsitzstangen mit glatten Oberflächen. Bei Metallsitzstangen sei das Balancieren wichtig und die Druckbelastung während des Ruhens dürfe nicht zu hoch sein. Und wie immer ist auch die Fütterung ein Faktor. Ein Stichwort ist eine zu geringe Kalziumversorgung oder eine zu hohe Legeleistung.

Rasch handeln im Stall

Stelle man Gesundheitsprobleme in der Herde fest, müsse rasch gehandelt werden. «Sie haben bei Hochleistungstieren keinen halben Tag Zeit», stellte Christiane Keppeler klar. Mit vorbeugenden Massnahmen gewinne man etwas Reaktionszeit. Wenn Tiere plötzlich eine Verhaltensstörung zeigen oder gar krank würden, gäbe es immer einen Grund dafür.

Armin  Emmenegger

 

Werbung
Werbung
Verwandte Themen
War dieser Artikel lesenswert?
Kommentare (0)
Kommentar erfassen
Werbung
Werbung
Werbung
Artikel zum Thema
Leser-Schnappschüsse Weitere Schnappschüsse Senden Sie uns Ihre Schnappschüsse!