«Wir müssen lernen, mit diesen Bedingungen zu arbeiten», sagt Bucheggberger Bauer Christian Mollet

Die Sonne brennt auch auf die Felder im solothurnischen Bucheggberg. Seit Wochen fällt kaum nennenswerter Regen, die Böden trocknen aus und die Kulturen geraten zunehmend unter Stress. Für Otto und Christian Mollet aus Gossliwil ist diese Situation längst keine Ausnahme mehr.

Der Biobetrieb in der Gossliwil-Mühle hat gelernt, mit Wetterextremen zu leben. Statt auf einzelne Patentrezepte setzen Vater und Sohn auf gesunde Böden, angepasste Fruchtfolgen, effiziente Tierhaltung und moderne Technik. Ihr Ziel ist klar: Das Wasser möglichst lange im Boden halten, weil keine Möglichkeit zum Bewässern besteht.

«Heute gehören trockene Phasen fast jedes Jahr dazu», sagt Christian Mollet. Trotzdem verfällt der junge Bauer nicht in Pessimismus. Im Gegenteil. Jede Trockenperiode sei auch ein Ansporn, den Betrieb weiterzuentwickeln.

Lohnunternehmer, Milchviehhalter und Ackerbauer

Gemeinsam mit seinem Vater Otto Mollet bewirtschaftet Christian eine Betriebsgemeinschaft mit 34 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche. Seit 2012 wird nach Bio-Richtlinien produziert.

Zum Betrieb gehören 23 Swiss-Fleckviehkühe, eigene Remonten sowie eine zweite Hofstelle, auf der während des Winters Aufzuchtrinder gehalten werden. Die Biomilch geht an Mooh. Otto Mollet betont, dass die Milchviehhaltung für ihren vielseitigen Biobauernhof aus verschiedenen Gründen wichtig ist. Einige schattseitige Naturwiesenparzellen liegen direkt beim Hof.

Mit Milchkühen ist, seiner Meinung nach, die effizienteste und wertschöpfungsstärkste Nutzung dieser Grünflächen möglich. Und die Hofdünger spielen in seinen Böden eine wichtige Rolle für Fruchtbarkeit und Wasserrückhaltevermögen.

Die Weiden der Gossliwil-Mühle sind anfangs Juli grüner und weniger verbrannt als die sonnseitigen Wiesen im restlichen Bucheggberg. Mollets Kühe sehen den Jura von Grenchenberg bis Weissenstein.(Bild: Samuel Otti)

Auf Mollets Feldern wachsen sechs Hektaren Kartoffeln, vier Hektaren Zuckerrüben, vier Hektaren Weizen, drei Hektaren Silomais und eine Hektare Lager-Rüebli. Der Winterweizen wird als Saatgut für die Saatzuchtgenossenschaft Semag produziert. Dazu meint Otto Mollet: «Die Produktion von gutem Saatgut muss in Bauernhand bleiben, wir dürfen das nicht nur den grossen Konzernen überlassen!»

«Die trockenen Jahre waren für uns oft die besseren»

Dass Trockenheit automatisch schlechte Ernten bedeutet, will Christian Mollet nicht unterschreiben. «Die trockenen Jahre sind für uns immer die besseren Jahre gewesen», sagt er. Was zunächst überraschend klingt, erklärt er mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Sorgen bereiten ihm vielmehr die immer längeren Hitzeperioden. «Ich habe fast das Gefühl, dass nicht einmal das Wasser allein das Problem ist. Der Hitzestress macht den Kulturen ebenso zu schaffen.» Temperaturen von über dreissig Grad während vieler Tage hintereinander seien heute belastender als die eigentliche Trockenheit. Besonders Kartoffeln und Zuckerrüben litten darunter.

Die gepflanzten Zuckerrüben entwickeln weniger tiefe Wurzeln als die gesäten, darum leiden diese Felder im Moment besonders stark.(Bild: Samuel Otti)

Auch Otto Mollet beobachtet den Wandel seit Jahrzehnten. «Früher sprach man von einem Trockenjahr alle fünfzehn Jahre», sagt er. «Die Abstände dazwischen sind kürzer geworden. Man sieht daran schon, dass es generell wärmer und trockener wird.»

Der Boden ist der wichtigste Wasserspeicher

Wenn Christian Mollet über Trockenheit spricht, beginnt er nicht bei der Bewässerung. Er spricht zuerst über den Boden. «Wir müssen das Winterwasser möglichst im Boden behalten», erklärt er.

Deshalb wird so früh wie möglich angepflanzt, um die Winterfeuchte ausnutzen zu können. Der Boden darf weder zu nass noch zu trocken bearbeitet werden. Nur so entwickeln Kartoffeln und Zuckerrüben tiefe Wurzeln, die auch in niederschlagsarmen Sommern noch Wasser erschliessen können.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Hacken. Viele verbinden Hackgeräte in erster Linie mit der mechanischen Unkrautbekämpfung. Für Christian Mollet erfüllen sie auch eine zweite wichtige Aufgabe.

«Ein Hackdurchgang hat etwa den Effekt von zwanzig Millimetern Regen.» Durch das Hacken werden die Kapillaren im Boden unterbrochen. Dadurch steigt weniger Wasser an die Oberfläche, um dort zu verdunsten. Die Feuchtigkeit bleibt länger im Wurzelraum erhalten.

Herausforderungen zwingen zum Überdenken der Fruchtfolge

Mindestens ebenso wichtig ist die Fruchtfolge. Zwei Jahre Kunstwiese innerhalb der sechsjährigen Rotation verbessern die Bodenstruktur. Mist liefert organische Substanz, während künftig vermehrt Luzerne und Rotkleegras zum Einsatz kommen sollen. Deren tiefe Wurzeln erschliessen Wasser aus Bodenschichten, die flach wurzelnde Pflanzen längst nicht mehr erreichen.

Eigentlich müssten jetzt die Rüebli gesät werden. Aber die Dämme sind am 30. Juni sehr trocken, was zur Frage führt, ob eine Saat im Moment sinnvoll ist.(Bild: Samuel Otti)

Ganz ausschliessen möchte Christian Mollet eine Bewässerung trotzdem nicht. «Vielleicht ziehen wir künftig auch Tropfschläuche in die Kartoffel- und Rüeblidämme ein.» Die Idee überzeugt ihn, weil das Wasser direkt an die Wurzeln gelangt. Gleichzeitig sieht er die Schattenseiten. «Das wäre schon eine Option, aber es ist auch eine ziemliche Plastik-Morerei, weil die Schläuche bisher noch nicht vollständig aus dem Boden geholt werden können.»

Auch die Fruchtfolge muss wegen neuer Schädlinge angepasst werden. Die Zuckerrüben sind stark vom Rübenrüssler befallen. Und die Glasflügelzikade bereitet dem Betrieb in den Kartoffeln inzwischen grössere Sorgen als der Drahtwurm.

Die Kartoffeln, die durch die Insekten mit Bakterien infiziert werden, fallen beim Backtest durch. Darum sucht Mollet nach Fruchtfolge-Alternativen zum bisherigen Anbau von Weizen nach Zuckerrüben. Winterleguminosen als Gründüngung könnten künftig eine wichtige Rolle übernehmen.

Der Rübenrüssler befällt die Stängel und macht Frassgänge bis zum Rübenkopf. Was dort später zu Fäulnis führt.(Bild: Samuel Otti)

Mit modernster Hacktechnik unterwegs

Wenn Christian Mollet über Maschinen spricht, leuchten seine Augen. Neue Technik fasziniert ihn, allerdings nicht, weil sie spektakulär aussieht, sondern weil sie Probleme löst. «Ich will immer besser werden», sagt er. Dieser Satz beschreibt seine Arbeitsweise wohl am treffendsten.

Mit seinem Lohnunternehmen ist er während der Vegetationszeit im ganzen Bucheggberg, im Wasseramt und im Limpachtal unterwegs. Zum Zuckerrübenpflanzen fährt er sogar bis in den bernerischen Oberaargau. Das Einsatzgebiet ist gross, die Kulturen sind unterschiedlich und jeder Boden stellt neue Anforderungen. Gerade diese Vielfalt reizt ihn. «Man sieht auf jedem Betrieb etwas Neues. Das bringt auch den eigenen Betrieb weiter.»

Bio-Zuckerrüben werden oft gesetzt, damit die Unkrautregulierung einfacher wird. Mollet bietet auch die Pflanzarbeit an. Die sechs Menschen auf den Setzapparaten muss aber der Auftraggeber stellen.(Bild: Christian Mollet)

Zum Maschinenpark gehören ein zwölf Meter breiter Striegel, zwei kameragesteuerte Hackgeräte für 50- und 75-Zentimeter-Reihen, Fingerhackgeräte sowie eine Pflanzmaschine für Zuckerrüben. Besonders stolz ist Mollet auf die neueste Generation der Hacktechnik mit automatischer Hanglenkung. Selbst wenn der Traktor am Hang leicht seitlich abrutscht, bleibt das Hackgerät exakt in der Pflanzenreihe. Kulturpflanzen werden geschont und die Arbeitsqualität steigt deutlich.

Die Hackgeräte sind kameragesteuert und mit einem Hangausgleichsmechanismus ausgerüstet. Christian Mollet hackt damit verschiedene Kulturen von Kunden aus der Umgebung von Gossliwil.(Bild: Christian Mollet)

«Früher musste man andauernd korrigieren. Heute übernimmt das die Technik.» Trotzdem ersetzt die Kamera den Fahrer nicht. Erfahrung, der richtige Zeitpunkt und das Auge des Praktikers bleiben entscheidend.

Technik ja – aber mit Vernunft

Auch die rasante Entwicklung neuer Technologien verfolgt Christian Mollet aufmerksam. Lasermaschinen interessieren ihn durchaus. Dennoch bleibt er vorsichtig.

«Im Moment kommt fast jedes Jahr etwas Neues auf den Markt. Kaum hast du investiert, ist die nächste Generation schon wieder besser.» Eine Laserjätmaschine koste mehrere Hunderttausend Franken. Deshalb müsse eine Investition wirtschaftlich Sinn ergeben und langfristig überzeugen.

Der junge Lohnunternehmer setzt auf bewährte, robuste und bezahlbare Technik. Wie dieses Fingerhackgerät, das auch in der Pflanzenreihe arbeitet.(Bild: Christian Mollet)

Diese nüchterne Haltung zieht sich durch den ganzen Betrieb. Christian Mollet rennt keinem Trend hinterher. Er beobachtet genau, probiert aus und übernimmt nur, was sich unter den Bedingungen des Bucheggbergs bewährt.

Erfahrung und Offenheit ergänzen sich

Während Christian neue Verfahren testet, bringt Vater Otto die Erfahrung aus Jahrzehnten ein. Die beiden diskutieren viel, widersprechen sich auch einmal, verfolgen aber dasselbe Ziel: den Betrieb Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Gerade deshalb wirkt der Betrieb trotz der Trockenheit erstaunlich gelassen. Lösungen entstehen hier nicht erst, wenn der Boden bereits staubtrocken ist. Sie beginnen lange vorher – mit Mist, Kleegras, tiefen Wurzeln, einem gut strukturierten Boden und präziser Technik. Natürlich hoffen Otto und Christian Mollet auf Regen. Doch sie wissen auch, dass sich die Landwirtschaft nicht mehr auf regelmässige Niederschläge verlassen kann.

«Wir müssen lernen, mit diesen Bedingungen zu arbeiten», sagt Christian Mollet. Sein persönliches Motto bringt diese Haltung auf den Punkt: «Immer besser werden.»

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