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Azienda ­Montana Odro im Tessin: Abschalten bei einem Selbstversorger

Tobias Bührer führt im fünften Jahr den Agrotourismus Azienda ­Montana Odro, hoch oben im Verzascatal. Der 49-jährige Umsteiger musste das Ziegenhandwerk von Grund auf lernen.


Wer hier Ferien macht, muss fit sein. Denn Odro lässt sich nur zu Fuss erreichen. Das Maiensäss liegt auf 1219 Metern über Meer, hoch oben im Verzascatal. Rund zwei Stunden dauert der Aufstieg vom Dorf Vogorno. 700 Höhenmeter sind zu überwinden, ein schöner, aber steiler Weg, vorbei an Wegkapellen, restaurierten und verfallenen Rustici – Spuren der einstigen Wanderweidewirtschaft. In Odro angekommen, werden die Besucherinnen und Besucher mit einer phänomenalen Aussicht belohnt: Diese reicht hinunter zum Stausee und den Lago Maggiore sowie die prealpine Berglandschaft.

Neben den Ziegen und Hühnern lebt auch eine Hofkatze auf der Alp auf 1219 Metern über Meer.

Die Angebote im Überblick

  • Zwei Rustici für Familien oder Gruppen. Diese sind authentisch und heimelig eingerichtet. Sie verfügen über Holzherde, Holzöfen und fliessendes Wasser.
  • Massenlager mit 14 Schlafplätzen für Übernachtungsgäste. Ein schöner Aufenthaltsraum lädt zum Verweilen ein, und bei schönem Wetter bietet die Sonnenterrasse eine fantastische Aussicht über das Tal.
  • Bergwirtschaft für Tagesausflügler und Wanderer mit hausgemachten Produkten wie Ziegenkäse oder Salametti.

Vom Schlagzeuger zum Ziegenmelker

2017 hat Tobias Bührer (49) diesen Agrotourismus von den Vorgängern mitsamt Ziegen und Zicklein übernommen. Ein Aussteiger? «Überhaupt nicht, ich bin ein Umsteiger», betont Bührer. Für ihn war damals der Zeitpunkt gekommen, noch einmal etwas ganz Neues im Leben zu beginnen. «Ich hatte mein Leben lang als Schlagzeuger unterrichtet, war als Pädagoge tätig», erzählt er. Das Leben im Raum Winterthur war ihm zu eng. Das Leben in Odro versprach neue Freiheit. Und im Verzascatal war er sehr willkommen: «Die Einheimischen haben mir sehr geholfen.» Inzwischen arrangiert er sich auch ganz gut auf Italienisch – der Amtssprache im Tessin.

Odro ist ein kleiner Bergbiobetrieb mit 28 Ziegen der einheimischen Rasse Nera Verzasca, davon sind 13 Milchziegen und 15 Jungtiere. Das Melken der Ziegen musste Bührer lernen, genauso wie das Ausmisten des Stalles und das Heuen. Das Käsen brachte ihm ein gelernter Milchtechnologe bei. Vieles schaute er sich auf Youtube-Videos an. Er hat sein Handwerk jedenfalls gut gelernt, wie der Frischkäse und die Halbhartkäse beweisen, die er den Gästen und Wanderern serviert. Soeben hat sich der Tierbestand in Odro im Übrigen um vier Hühner erweitert. «Sie legen bereits Eier», freut sich Bührer. Und auch eine Hauskatze fehlt nicht.

Für Übernachtungsgäste bietet der Bauer zwei Rustici an und auch ein Massenlager. Das Angebot eignet sich auch für Familien und Kleingruppen.

Maximal fünf Helikopterflüge pro Sommersaison

Rund 10 Liter Ziegenmilch kommen täglich zusammen. Daraus werden ständig Frischprodukte wie Käse oder Joghurt produziert, die direkt den Gästen angeboten werden. «Ich bin kein Produzent, der an Detailhändler liefern muss», sagt Bührer. Und zeigt sich erleichtert, dass er diesen Druck nicht hat. Darüber hinaus stellt er selbst Bier her, bäckt eigenes Brot. Ausserdem baut er Gemüse, Salat und Kräuter im eigenen Garten an, soweit sie in dieser Höhe wachsen, etwa Randen und Zucchini. Das Prinzip lautet: So weit wie möglich Selbstversorgung, daher werden auch die Helikopter-Flüge auf maximal fünf in der halbjährigen Sommersaison limitiert. Ganz ohne geht es nicht.

Bührer ist nicht nur Biobauer, sondern auch Gastgeber. Er vermietet zwei Rustici für jeweils vier oder fünf Personen, die sich dort dank einer gut ausgestatteten Küche selbst verpflegen können. Brennholz wird gestellt. Diese  sind deal für Familien und Kleingruppen. Ausserdem gibt es ein Massenlager mit 14 Schlafplätzen im Mehrzweck­gebäude mitsamt einem Gemeinschaftszimmer, Waschraum und Toiletten. Von der «Freiluftdusche» geniessen die Gäste ein traumhaftes Panorama über das Tal und auf die Seen. Wer im Massenlager schläft, muss Halbpension buchen. Denn dort gibt es keine Küche.

Tagesgäste, die auf der Sonnenterrasse eine Pause einlegen, können sich mit selbstgemachtem Ziegenkäse stärken.

Corona-Jahr erhöht Nachfrage

Die Beherbergung von Touristen und Feriengästen ist für Bührer von entscheidender Bedeutung. «Zwei Drittel meines Umsatzes mache ich durch die Übernachtungen, einen Drittel dank Direktzahlungen», sagt er. Es sind fast ausschliesslich Deutschschweizer, welche diesen abgelegenen Ort aufsuchen. «Aber es waren bereits Menschen aus allen fünf Kontinenten hier», erzählt Bührer mit berechtigtem Stolz. Und diese Gäste sind zufrieden, wie ein Blick ins Gästebuch zeigt.

In Folge der Coronavirus-Krise sind die Anfragen in die Höhe geschnellt. Im Jahr 2020 erhöhte sich die Zahl der Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr um 200 auf 800. Und dieses Jahr werden es wohl 1000 Logiernächte werden. Der Juli ist schon komplett ausgebucht. «Ich bin in gewisser Weise ein Corona-Gewinner», lacht Bührer. Er hat in der Hochsaison «zwei helfende Hände», wie er sagt, denn alleine lässt sich der Betrieb bei so vielen Gästen nicht stemmen. Es kommen ja auch Tagesausflügler und Wanderer hinzu, die dort oben einkehren. Dabei legt er Wert auf diese Feststellung: «Wir sind ein Team – hier oben gibt es keine Chefs.»

Tobias Bührer verkauft die selbstgemachten Produkte wie Ziegenkäse, Joghurt und Salametti alle seinen Gästen.

Betriebsspiegel Azienda Montana Odro

Tobias Bührer, Vogorno (Tessin) 

LN: 6 ha

Kulturen: Grünland

Tierbestand: 28 Ziegen Nera Verzasca (13 Milchziegen, 15 Jungtiere), 4 Hühner

Weitere Betriebszweige: Agrotourismus

Arbeitskräfte: Tobias Bührer und zwei «helfende Hände»

Die Natur entdecken statt aufs Handy starren

Doch warum machen die Leute Ferien in Odro? Die Gäste seien glücklich, ohne Gesichtsmasken das Leben geniessen zu können. Kinder und Jugendliche entdecken die Natur: «Junge Menschen, die hier oben auf ihren Handys gamen, sehe ich keine.» Viele zeigten hingegen Interesse für die Tiere, wollten beim Melken und Stallausmisten dabei sein oder die Ziegen streicheln. 

Zum Saisonschluss Ende Oktober verlässt Bührer die Azienda Montana Odro, steigt talabwärts und zieht sich mitsamt den Ziegen und Zicklein in sein Winterlager ins Bernbiet zurück. «Im Winter ist es hier oben nichts für mich», sagt er. Der Winter ist dann aber auch die Zeit, in welcher – dank der Zusammenarbeit mit einem befreundeten Metzger – Fleischprodukte hergestellt werden, zum Beispiel Salametti aus Ziegenfleisch. Auch diese sind vorzüglich, wie eine Kostprobe zeigt. Bührer ist ein «Kleinbauer mit viel Herz» geworden, meint er über sich selbst: «Im Januar musste ich eine Ziege notschlachten, das hat mir fast das Herz gebrochen.» 

Die zwei- bis dreistündige Wanderung nach Odro lohnt sich. Oben wird man belohnt mit einer Aussicht auf den Lago Maggiore und den Stausee.

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