Sepp Zurfluh erblickte im Jahr 1941 das Licht der Welt. Er wuchs zusammen mit sechs Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen in den kleinen Heimwesen Rösti und Stockbergli in der Gemeinde Attinghausen UR auf.
Nach der Primarschule und der Fortbildungsschule trat er 1956 seine erste Arbeitsstelle bei einem Landwirt in Attinghausen an. Während zwei Winterkursen besuchte er die landwirtschaftliche Schule in Seedorf.
Die Alp Surenen wird zum Thema
In dieser Zeit besass sein Onkel Kobi die Alp Hobiel auf Surenen. Er hatte diese damals verpachtet und nach wenigen Jahren reifte der Entschluss, sein Alprecht zu verkaufen. In seinem familiären Umfeld fand er Interessenten bei den Kindern seines Bruders Anton. Trotz Bedenken seiner Eltern packte den 16-jährigen Sepp die Abenteuerlust: «In meinem jugendlichen Tatendrang und mit der Unterstützung meiner Schwester haben wir dem Kauf dieses Alprechtes zugestimmt.» Sepp Zurfluh erzählt seinen Werdegang als Älpler auf Surenen in seiner Wohnstube auf der Alphütte Hobiel.
16-jährig erstmals z'Alp
1957 gings zum ersten Mal z’Alp. Seine zwei Jahre jüngere Schwester Marie begleitete ihn dabei, denn die ältere Schwester wurde zu Hause beim Heuen benötigt. Die Alpfahrt mit den Kühen ging vom Stockbergli aus über den 2290 Meter über Meer liegenden Surenenpass hinunter nach Hobiel/Surenen. Onkel Kobi bot sich an, ihnen beim Z’Alp-Fahren zu helfen. Dabei blieb er drei Tage auf Surenen und zeigte den jungen Älpler-Geschwistern, wie der Alpbetrieb funktionierte.
Die Milch ihrer sieben Kühe musste in einem 15-minütigen Fussmarsch in einer «Bräntä» zur Alpkäserei Usserebnet getragen werden, was Sepps Kräfte ziemlich beanspruchte. Am meisten beschäftigte die jungen Älpler, dass sie sich verschlafen könnten und somit die Milch zu spät in der Käserei abliefern würden. Glücklicherweise trat dieser Fall nie ein.
Die erste Alpabfahrt kam infolge heftiger Schneefälle für die Neuanfänger überraschend schnell. Mit Bedenken und gemischten Gefühlen mussten die Kühe am Montag nach dem Bettag 1957 über den Surenenpass getrieben werden.
Die Alp Hobiel war einfach
In der Umgebung der Alphütte Hobiel gab es keine Tränkestellen für die Kühe. Die Tiere mussten je 200 Meter links oder rechts zu einem Bach gehen, um Wasser zu bekommen. Für die Alphütte musste das Wasser von einer nahen Quelle heraufgetragen werden.
Sepp Zurfluh wollte diesem Missstand ein Ende bereiten. Der nunmehr 21-jährige Älpler fand nach langem Suchen und Beobachten zuoberst in einer Plangge, 400 Meter von der Alphütte entfernt, eine Quelle mit einer Minutenleistung von sechs Litern.
In einem Sanitärgeschäft in Engelberg konnte er das nötige Material und Werkzeug zum Erstellen der Wasserleitung beschaffen. Sepp staunt heute noch über das grosse Kreditvertrauen der betagten Geschäftsinhaberin ihm gegenüber, dem jungen unbekannten Älplerknaben. Am Ende der Alpzeit, nach dem Verkauf von Alpvieh, konnte die Schuld beglichen werden. Das fliessende Wasser in der Alphütte erleichterte so viele Arbeiten und die Tränkestellen für das Vieh waren ein grosser Fortschritt.
Wildheuen in den steilen Planggen
Eine der grössten Herausforderungen im ersten Alpsommer war das Wildheuen. Traditionsgemäss wurde das Heuen in den «Wildenen» ab dem 11. August weg erlaubt.
Zurfluhs Vater, als bekannter, guter Handmäher, kam ihnen da zu Hilfe. Mit Sense und Rechen schritt er über den Surenenpass. Mit grossem Respekt stiegen sie zusammen in die steile Wildheuplangge hinauf. Es war für die jungen Älpler ein mulmiges Gefühl, so über einer hohen Felswand, das erste Mal zu mähen. Ein Fehltritt hätte verheerende Folgen gehabt. Auch das Sensendängeln musste Sepp Zurfluh in dieser Zeit noch erlernen. Das Heu wurde jeweils an einem Heuseil ins Tal befördert.
Stierenzucht als Leidenschaft
Anfang der 60er Jahre war in Attinghausen UR die Stierenzucht hoch im Kurs. Auch Sepp reizte es, in dieses Metier einzusteigen. Mehrere Jahre wurden von seiner Familie Stiere am Zuger Stierenmarkt ausgestellt. Nach eher bescheidenem Start stellte sich der Erfolg rasch ein und man konnte innert 10 Jahren einige Spitzenplätze erzielen.
Auf der Alp wurde ein Grossteil der Milch an die Stiere vertränkt. Dadurch gab es auch wieder weniger Milch in die Käserei zu tragen. Mit der Einführung der künstlichen Besamung sank die Bedeutung der Stierenzucht. So wurde auf Hobiel wieder mehr auf Käsereimilch gesetzt. Für den Milchtransport baute Sepp Zurfluh den alten, schmalen Karrenweg aus und schaffte einen kleinen Transporter an. So hatte das Milchtragen ein Ende.
Winterarbeit bei der Armee
Sieben Jahre gingen Sepp und seine Schwester Marie miteinander auf die Alp. 1964 fand Marie eine Ganzjahresanstellung und stand als Älplerin nicht mehr zur Verfügung. Nach dieser Zeit half ein Schulbub sieben Jahre im Alpbetrieb mit.
Im Herbst 1970 heiratete Sepp Zurfluh seine Frau Theres Arnold aus Bürglen. Im selben Jahr konnte er die Alp von seinem Vater übernehmen. Ab 1971 gingen Sepp und Theres nun zusammen auf die Alp. Im Winter arbeitete Sepp jeweils als Aushilfsarbeiter im Armeemagazin in Altdorf, später im Zeughaus in Amsteg, wo er gesamthaft, während 26 Wintern tätig war.
Fürenalpbahn erschliesst neues Wandergebiet
1979 nahm die Fürenalpbahn ihren Betrieb auf. Dank des neu erschlossenen Wandergebiets, das an der Alp Hobiel vorbeiführt, fragten immer wieder Touristen nach einem Glas Milch oder einem Kaffee. So entwickelte sich eine bescheidene Gastwirtschaft. Das Angebot wurde mit den Jahren ausgebaut und es wurden auch Übernachtungen möglich.

Pendeln zwischen Tal und Alp
Eine grosse finanzielle Herausforderung brachte das Jahr 1981. Die neue Alphütte konnte gebaut werden und im selben Jahr erwarb die Familie das Heimwesen Obermatt in Attinghausen. Jetzt hiess es pendeln – von Surenen nach Attinghausen zum Heuen und wieder zurück. Dank der Unterstützung seiner Frau Theres und der allmählich grösser werdenden Familie schafften sie auch diese Herausforderung.
Alpgenossenschaft baut neue Alpkäserei
Sepp Zurfluh war zusammen mit einigen anderen Älplern der massgebliche Initiant einer Genossenschaft, deren Zweck die Erstellung einer gemeinschaftlichen Alpkäserei war. Der Bau startete im Herbst 1986. Gleichzeitig konnte ein Kleinwasserkraftwerk erstellt werden. Eine neue, grössere Quelle mit Trinkwasser war für den Betrieb der Alpkäserei nötig. Diese grosszügige Trinkwasserversorgung war vor allem in den heissen und trockener werdenden Sommern ein grosses Glück.
Nach dem Erstellen des Kleinwasserkraftwerkes wurden die Alphütten elektrifiziert. Die elektrisch betriebenen Melkmaschinen und auch Waschmaschinen brachten eine grosse Erleichterung in den Arbeitsabläufen. Ein Dieselgenerator in der Käserei steht jedoch weiterhin zur Ergänzung bei Wassermangel zur Verfügung.
Alperschliessung mit neuer Seilbahn
Die Erschliessung der Alp wurde über 15 Jahre diskutiert. Die Mehrheit der Alpgenossen Surenen entschied sich für eine Seilbahn. Im Jahr 1997 konnte die Luftseilbahn Stäfeli-Usserebnet gebaut werden. «Ich bin heute noch etwas stolz, dass wir diese Seilbahn hier bauen konnten.» Sepp Zurfluh stellt mit Zufriedenheit fest, dass der Standort der Seilbahn damals richtig gewählt wurde.

Bereits seit 20 Jahren führt Sohn Ruedi mit seiner Frau Sibylle den Betrieb und geht mit seiner Familie auf Hobiel z'Alp. Und auch die dritte Generation hilft tatkräftig mit.
Zurfluh schätzt es sehr, dass er mit seiner Frau Theres noch z’Alp gehen kann. Es freut ihn, dass er noch mithelfen und kleinere Arbeiten erledigen kann. Ein besonderer Aspekt ist die Kontaktpflege zu den vielen Bekanntschaften über die Jahre hinweg. Es lag ihm immer sehr am Herzen und macht ihn glücklich, im lockeren Gespräch mit den Gästen die Situation der Landwirtschaft aus Sicht des Älplers aufzuzeigen.
Nutzen der Alpen markant gesteigert
Als 16-Jähriger sammelte Sepp Zurfluh Erfahrung ohne grosse Kenntnisse des Älplerlebens. Bald stellte er fest, dass die Alpwirtschaft auf Surenen Ende der 50er Jahre rückständig war. Die Trinkwasserversorgung war alles andere als optimal, es bestanden keine Güllekästen. Die Unterteilung der Weidegebiete der Älpler ab 1984 brachte die Wende. Tränkestellen, Güllekästen und Viehtriebwege wurden gebaut. Die Unkrautbekämpfung wurde intensiviert und die Weiden wurden besser gepflegt. Der Alpnutzen konnte einerseits durch Fortschritte in der Viehzucht und anderseits durch Alpverbesserungen gewaltig gesteigert werden.

