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Systemwandel erwünscht: der landwirtschaftlichen Tretmühle entfliehen

Bäuerinnen und Bauern sind im heutigen System benachteiligt und in einer «landwirtschaftlichen Tretmühle» gefangen. Änderungen wären wünschenswert – aber welche, und wie?


Publiziert: 17.10.2019 / 12:02

Wir brauchen einen Systemwandel. Zu diesem Fazit kam elf Jahre nach dem ersten Weltagrarbericht auch die diesjährige Tagung zum Welternährungstag. Sie drehte sich in Zollikofen BE um die Agrarökologie und stellte konkrete Forderungen auf. Der sperrige Begriff Agrarökologie umfasst für die Zukunft vielversprechende Systeme wie die Direktvermarktung, solidarische Landwirtschaft und Permakultur. Und damit mögliche bessere Alternativen zum Status quo.

Bauern in der landwirtschaftlichen Tretmühle

«Ein perfekter Markt wäre, wenn Produzenten ihre Ware direkt an Konsumenten liefern würden», erklärte Mathias Binswanger, Ökonom an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Wahrheit sieht bekanntermassen anders aus: Der Handel werde von wenigen grossen Akteuren (Migros, Coop, Detailisten) kontrolliert. «Bauern müssen Rohstoffe liefern, haben so keinen Anteil an der Wertschöpfung und können ihr Produktsortiment nicht differenzieren», so Binswanger.

Hunderte Joghurts aus ein und derselben Milch

Landwirte liefern also einheitliche Milch, die dann zu Hunderten verschiedenen Joghurt-Sorten verarbeitet werden. «Die einzige Möglichkeit für Bauern in diesem System mehr Einkommen zu haben, ist die Produktion zu steigern», folgerte der Ökonom. Dies sei die landwirtschaftliche Tretmühle, in der weniger effiziente Betriebe aufgeben müssen und die Produzenten-Preise zerfallen.

Direktvermarktung als Ausweg

Könnte man die Handelsstufe zwischen Produzenten und Konsumenten überspringen, fiele deren Marge weg und käme dem Produzenten zugute. Sein Anteil am Konsumentenfranken würde steigen. Direktvermarktung ist also ein Weg aus der landwirtschaftlichen Tretmühle, hin zum «Perfekten Markt», wie es Mathias Binswanger nannte. Der direkte Kontakt zwischen Konsumenten und Produzenten, wie in bei einem Hofladen oder Marktstand, ist ein Teil der Agrarökologie.

Wissenschaft, Methode und Bewegung

«Agrarökologie ist mehr als ökologische Landwirtschaft», stellte Urs Niggli, Leiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) klar. Sie umfasst die Wissenschaft vom Zusammenwirken in einem Ökosystem, landwirtschaftliche Praxis und ist auch eine Bewegung mit politischen Forderungen. «Wir fordern ein grundlegend anderes Ernährungssystem mit einer Ausrichtung auf die Bedürfnisse von Konsumenten und Produzenten, satt auf Marktinteressen», erklärte Simon Degelo von Fastenopfer.

Keine starren Vorgaben als Chance

Für die Agrarökologie gibt es wie bei der Permakultur keine Standards oder Vorgaben, ganz im Gegensatz zu Bio, wie Urs Niggli betonte. «Das ist ein Glück, denn die Agrarökologie ist so technologieoffen und ein sozialer und ökologischer Lernprozess», führte er aus. «Bio ist für grosse Märkte, wo Konsumenten wissen wollen, wie etwas produziert wurde.» Die Agrarökologie sei kleinräumig ausgerichtet, auf direkten Kundenkontakt – da brauche es kein Label mit definierten Standards um das zu wissen.

«Wir wären in einem agrarökologischen Paradies»

Als eine wichtige Forderung nannte Urs Niggli mehr Kohärenz in der Politik. «Wenn unsere Landwirtschafts-, Umwelt-, Ernährungs- und Gesundheitspolitik auf einander abgestimmt wären, dann hätten wir ein agrarökologisches Paradies», meinte er. Dann würde man die Förderung in der Landwirtschaft an der Ernährungspyramide orientieren, «wir würden alle 120 Jahre alt, würden in einer gesunden Umwelt leben und hätten glückliche Bäuerinnen und Bauern», so Niggli.

Ein grundlegender Wandel muss her

Die Ergebnisse der nachmittäglichen Gruppendiskussionen machten deutlich, dass der Wandel tiefgreifend sein muss. Es wurden Forderungen in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Ökologie und Wissen zusammengetragen. Hier ein Auszug der wichtigsten Anliegen:

  • Eine politische Strategie für nachhaltige Ernährung in der Schweiz
  • Direktzahlungen stärker nach ökologischen Kriterien ausrichten
  • Lenkungsabgaben auf Pflanzenschutzmittel, Dünger usw., Kostenwahrheit (Waren aus ökologischer Produktion dürfe nicht teurer sein)
  • Mehr Kontakt und Austausch von Konsumenten und Produzenten, etwa in Ernährungsräten oder dank solidarischer Landwirtschaft
  • Ein neues Wirtschaftsmodell jenseits vom ewigen Wachstum, dafür mit mehr Zeit und Suffizienz
  • Landwirtschafts-, Umwelt-, Ernährungs- und Gesundheitspolitik in Einklang bringen
  • Andere Beratungsmethoden: Ideenvermittler statt Produkteverkäufer
  • Forschungsringe und Beispielbetriebe
  • Qualifizierte Quereinsteiger fördern, um alte Ideen und eingefahrene Strukturen aufzubrechen
  • Eine transparente Wertschöpfungskette für alle Akteure
  • Innovation entlang der Wertschöpfungskette
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