AboRuhe vor dem Sturm im Käsekessi: Die Verkäsungszulage und ihr Auszahlungsverfahren werden sowohl politisch wie auch juristisch weiterhin für Aufsehen sorgen. VerkäsungszulageDer Bund will die Direktauszahlung an die Produzenten trotz Widerstand der BrancheSamstag, 29. Oktober 2022 Alle Jahre wieder schickt der Bundesrat sein landwirtschaftliches Verordnungspaket in die Vernehmlassung. Das diesjährige enthalt mit der Direktauszahlung der Verkäsungszulage an die Milchproduzenten einen alten Bekannten: Bereits 2022 hatte er sie vorgesehen, sie dann aber zwecks Optimierung der damit verbundenen administrativen Prozesse zusammen mit der Branche vertagt, um das Thema nun wiederaufzunehmen.

BFF-Mischungen anpassbar

Mit seinen weiteren Entwürfen schraubt der Bundesrat an der Direktzahlungsverordnung, auch im Hinblick auf die Umsetzung der Pa. IV. 19.475 zu den Absenkpfaden:

Im Einzelfall sollen Ausnahmen bei der Zusammensetzung der Saatmischungen für Biodiversitätsförderflächen bewilligt werden. Damit will man ermöglichen, für die Fruchtfolge eines Betriebs problematische Arten wegzulassen oder aber eine in der Region fördernswerte hinzuzufügen.

Für Getreide in weiten Reihen ist ein Vernetzungsbeitrag von maximal 500 Franken pro ha vorgesehen.

Einjähriges Gemüse und Beeren sowie andere Ackerkulturen sollen getrennt für den Produktionssystembeitrag (PSB) «angemessene Bodenbedeckung» anmeldbar werden.

Ausserdem sieht der Bundesrat bei diesem PSB von der Gesamtbetrieblichkeit ab und setzt stattdessen 80 Prozent der Flächen mit angemessener Bedeckung als Voraussetzung für den Bezug der Gelder ein.

Die PSB «angemessene Bodenbedeckung» und «bodenschonende Bodenbearbeitung» werden nicht gekoppelt.

Weniger für die Versorgungssicherheit, zugunsten der PSB

Bereits im April 2022 hat der Bundesrat eine Umlagerung der Beiträge beschlossen, um die neuen PSB finanzieren zu können. Im Vernehmlassungsbericht ist die Rede von einer «stark zunehmenden» Beteiligung bei den neuen PSB, für für die es die Finanzierung im Jahr 2024 sowie danach zu sichern gelte. Dazu ist Folgendes angedacht:

  • Basisbeitrag Versorgungssicherheit: Fr. 600.-/ha und Jahr (heute Fr. 700.-/ha)
  • Basisbeitrag BFF-Dauergrünflächen: Fr. 300.-/ha und Jahr (heute Fr. 350.-/ha)
  • Produktionserschwernisbeiträge: Plus Fr. 100.-/ha und Jahr in allen Zonen
  • Biodiversitätsbeiträge QI: Insgesamt minus Fr. 31 Mio. (Qualititätsstufe I bei vier Biodiversitätstypen)
  • BTS: Minus 15-20 Prozent pro Jahr in allen Tierkategorien
  • Beitrag für längere Nutzungsdauer (neu eingeführt ab 2024): Maximal Fr. 100.-/GVE statt Fr. 200.-/GVE

15 statt 20 Prozent weniger Stickstoffverluste

Parlament ist dafürDer Bundesrat muss das Reduktionsziel für Nährstoffverluste korrigierenDonnerstag, 15. Dezember 2022 Nach der Annahme der Motion Gapany, die angesichts der zu erwartenden Auswirkungen der bundesrätlichen Pläne auf die Schweizer Tierhaltung ein tieferes Reduktionsziel insbesondere für Stickstoff verlangt hatte, hoffte man auf eine entsprechende Verbesserung. In der Branche wurde 10 Prozent als Maximalwert für die Stickstoffreduktion diskutiert. Der Bundesrat sieht nun aber minus 15 Prozent bis 2030 vor und bleibt beim Phosphor bei 20 Prozent.

Um diese Ziele zu erreichen, müssten Branchen- und Produzentenorganisationen in eigener Initiative zusätzliche Massnahmen ergreifen, hält der Bundesrat fest. Mit den Massnahmen des Bundesrats bleibt eine Ziellücke von 4,3 Prozent beim Stickstoff und 1,6 Prozent beim Phosphor, die es zu schliessen gilt. Wie genau das gehen soll, lässt der Bundesrat offen.

Zusätzlicher Beitrag für den Herdenschutz

Sömmerungsbetriebe sollen künftig einen Zusatzbeitrag von Fr. 250.-/Normalstoss bekommen, wenn sie ein vom Kanton bewilligtes Herdenschutzkonzept umsetzen. Davon könnten Schafe und Ziegen sowie Rindvieh bis zum Alter eines Jahres profitieren.

Mulchen im Sömmerungsgebiet 

Ausserdem will der Bundesrat neu zur Weidepflege das Mulchen im ganzen Sömmerungsgebiet erlauben. Zum Mulchen zwecks Entbuschung wäre allerdings eine Bewilligung nötig, die Auflagen zur Verhinderung ökologischer Schäden enthalten soll. Auf Weiden lassen sich durch das Mulchen krautige Problempflanzen wie Blacken, Weisser Germer und Jakobs- sowie Alpenkreuzkraut bekämpfen, so die Begründung.

Agro-Photovoltaik als LN zählen

Zu guter Letzt sollen Photovoltaik-Anlagen innerhalb der LN platziert werden dürfen, vorausgesetzt, sie haben einen positiven Effekt auf den landwirtschaftlichen Ertrag oder dienen Versuchs- bzw. Forschungszwecken. Somit könnten für Kulturen unter Photovoltaik-Panels innerhalb der LN Direktzahlungen ausgerichtet werden.

Die Vernehmlassung zum landwirtschaftlichen Verordnungspaket 2023 läuft bis am 2. Mai 2023. Die meisten der neuen Bestimmungen sollen per 2024 in Kraft treten.

Weitere Informationen zum Verordnungspaket finden Sie hier.