Himbeeren und Heidelbeeren aus der Region sind gefragt – Chantal Furrer und Mathias Haldimann raten aber, sich auf wenige Arten zu spezialisieren

Dank Sortenwahl und gestaffelter Pflanzung dauert die Beerenernte auf dem Betrieb von Chantal Furrer und Mathias Haldimann in Schwarzenbach LU bis in den Herbst. In der Erntespitze werden täglich bis zu 120 Kilogramm Himbeeren gepflückt. Die beiden sehen durchaus noch Marktpotenzial.

«In den Absatzkanälen spüren wir durchaus ein Interesse, mehr zu übernehmen, denn es gibt ja zu wenige Beeren aus der Schweiz», sagt Chantal Furrer vom Lüsch im luzernischen Schwarzenbach.  Das Potenzial für mehr Spezialkulturen sei in der Region durchaus vorhanden. Allerdings könne nicht jeder Landwirtschaftsbetrieb auf solche setzen. «In erster Linie braucht es Freude daran.»

«Das aktuelle Wetter ist weder beeren- noch menschenfreundlich.»

Chantal Furrer über die Trockenheit und hohen Temperaturen.

Und sie rät, sich auf wenige Arten zu spezialisieren und nicht eine breite Fülle von verschiedenen Kulturen anzubauen. Das werde sonst zu anspruchsvoll, sagt Furrer und erwähnt unter anderem den Pflanzenschutz und die Ansprüche an die Bewässerung. «Weniger ist mehr, dafür das Wenige richtig machen.»

Klar gebe es seitens des Grosshandels auch einen Druck auf die Preise, den die Produzenten als letzte in der Kette am meisten spüren. Gerade deshalb sei es wichtig, auf verschiedene Absatzkanäle zu setzen. «Direktvermarktung bringt zwar die grösste Wertschöpfung, aber auch den grössten Aufwand.»

Himbeeren und Heidelbeeren

Chantal Furrer bewirtschaftet mit ihrem Partner Mathias Haldimann seit 2024 einen 12 ha grossen Betrieb mit Ackerbau und Spezialkulturen. Angebaut werden Mais, Saatkartoffeln und Saatweizen, Sonnenblumen sowie Gemüse für den Hofladen. Zudem stehen 200 Hochstammbäume und eine kleine gedeckte Kirschenanlage mit den Sorten Kordia, Regina und Wanda auf dem Land. In einer Betriebszweiggemeinschaft werden Legehennen gehalten. Hauptbetriebszweig sind aber die Spezialkulturen mit je rund einer halben Hektare Himbeeren und Heidelbeeren, zudem wenige Erdbeeren auf Tischen für die Direktvermarktung.

Beerenanbau deutlich ausgebaut

Als sich abzeichnete, dass Chantal Furrer den Betrieb ihrer Eltern übernehmen kann, absolvierte sie die Ausbildung zur Bäuerin mit Fachausweis. Gelernt hat sie Köchin, arbeitete später als Disponentin bei der Bahn. Ihr Partner Mathias Haldimann arbeitet in einem 50-Prozent-Pensum als Lokführer bei der BLS.

Neben Chantal und Mathias arbeiten ihre Eltern und in der Erntesaison Aushilfen mit auf dem Betrieb. Seit der Übernahme sei die schon von den Eltern aufgebaute  Beerenproduktion deutlich ausgebaut worden, erklärt Furrer. Die Beeren machen inzwischen den grössten Teil der Wertschöpfung auf dem Betrieb aus.

Chantal Furrer freut sich über den schönen Behang. Erstmals können die dreijährigen Heidelbeeren geerntet werden, allesamt in Töpfen mit Substrat unter Holzschnitzeln.(Bild: Josef Scherer)

Beeren in bewässerten Töpfen

Alle Beeren wachsen in bewässerten Töpfen. Bei den Heidelbeeren sind es die Sorten Duke, Huron und Elisabeth, bei den Himbeeren Tulameen als Hauptsorte und Optima.

Die Himbeeren befinden sich unter einem Regendach und die Anlage kann wegen der Kirschessigfliege (KEF) auch eingenetzt werden. Die erntebereiten Heidelbeeren wachsen in Töpfen mit Substrat unter Holzschnitzeln unter einem Hagelschutznetz, die jungen Pflanzen sind noch ungeschützt. 

Ein kleiner Teil der Beeren, rund ein Viertel, wird im Hofladen vermarktet, der grösste Teil geht aber an den Grosshandel und in kleinere Läden. Aus den Beeren stellt Chantal auch Konfitüre her, zudem werden viele gefriergetrocknet, damit sie das ganze Jahr über angeboten werden können.

Auch alle Himbeeren werden in Töpfen gezogen und sind bewässert. Die Reihen in der mit Regendach geschützten Anlage sind 200 m lang.(Bild: Josef Scherer)

«Weniger ist mehr, dafür das Wenige richtig machen.»

Bei Spezialkulturen sei eine Spezialisierung sinnvoll, rät Beerenbäuerin Chantal Furrer.

Bis 120 kg Himbeeren täglich

Die verschiedenen Sorten und die gestaffelte Pflanzung würden eine lange Beerenernte ermöglichen, erklärt Chantal Furrer. Dieses Jahr konnte deutlich früher als in Vorjahren gestartet werden, sowohl bei den Himbeeren als auch bei den Erdbeeren. Die Heidelbeeren kämen erst in diesem dritten Standjahr richtig in den Ertrag, sodass Vergleiche noch fehlen. «Das Wetter der letzten Wochen war allerdings weder beeren- noch menschenfreundlich», sagt Furrer. Täglich können während der Erntespitze bis 120 kg Himbeeren gepflückt werden.

Üblicherweise werden die Himbeeren von Mitte Juni bis zu den ersten Frösten Mitte November gelesen. Dies auch dank der Sorte Optima, die zweimal jährlich Früchte trägt, im Frühsommer und Herbst. Die Heidelbeeren werden von Ende Juni bis Ende August gepflückt. Bereits vorüber ist die Ernte der Erdbeeren.

Die extremen Wetterereignisse, sehr trocken oder Stürme, seien eher zunehmend, stellt Chantal Furrer fest. Das sei eine Herausforderung. Dank des Witterungsschutzes und der Bewässerung könne dies allerdings eher gemeistert werden als bei mehr dem Wetter ausgesetzten Kulturen.

Hofladen profitiert von guter Verkehrslage

Der Kundenstamm sei dank der guten Verkehrslage auch im Hofladen gross, vor allem aus dem angrenzenden Aargau, sagt Mathias Haldimann. Im Laden werden derzeit neben den Beeren auch Zucchetti, Kartoffeln, Konfi, gefriergetrocknete Produkte, Baumnussöl und Geschenke angeboten. Und Kirschen. Die Ernte neige sich aber in den nächsten Tagen dem Ende, erwähnt Chantal Furrer. Sie verlief gut. Dank der hohen Temperaturen sei die Kirschessigfliege (KEF) dieses Jahr sogar an den Hochstammbäumen kein Problem gewesen. «Dafür brauchte es aber recht viel mehr Wasser in den Kulturen.»