Eine umfassende Studie von Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, hat die Auswirkungen der «Trinkwasser-Initiative» (TWI) auf die Umwelt und die Landwirtschaft untersucht (hier geht's zur Studie). Dabei wurde der Schwerpunkt auf verschiedene Massnahmen gelegt, die bei Annahme der TWI getroffen werden müssten: Unter diesen ist der Verzicht auf Pestizide und die Beschränkung der Nutztiere auf jene Zahl, die ein Landwirtschaftsbetrieb mit selbst produziertem Futter ernähren könnte.

Umweltbelastung würde steigen statt sinken

Die Studie zeigt, dass einerseits der Anteil an Pestiziden und Düngemitteln in den Schweizer Gewässern minimal zurückgehen würde. Die Umweltbelastung würde jedoch bedeutend zunehmen, als Folge der notwendigen zusätzlichen Importe für die ständig wachsende Bevölkerung.

Die in der Schweiz hergestellten Lebensmittel weisen eine hohe Produktequalität auf, welche seitens der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz gewünscht ist und nur durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erreicht werden kann.

Fleischimporte würden bei einer Annahme ebenso zunehmen, wobei die Regeln zur Tierhaltung und Schlachtung im Ausland in der Regel weit hinter unseren Standards zurückliegen, wie man in jüngster Vergangenheit aufgrund der Zustände in einigen Betrieben Deutschlands feststellen musste. Dabei dürften die Umstände der Fleischproduktion in aussereuropäischen Betrieben wohl oft noch viel weiter unter den aktuellen Schweizer Vorschriften liegen.

Viele Fragen, aber kaum Antworten

Ähnliche Konsequenzen hätte die zweite Anti-Agrarinitiative «Für eine Schweiz ohne Pestizide». Davon betroffen wären hauptsächlich wiederum die Landwirtschaft, aber auch die Lebensmittelproduktion und deren Verarbeitung. Wie die Versorgung der Schweiz mit Nahrungsmitteln gewährleistet werden soll, mit dem doppelten Verbot von Pestiziden bei der einheimischen Produktion und den importierten Nahrungsmitteln, darauf geben die Initianten keine brauchbaren Antworten, ausser dass die Lebensmittelabfälle reduziert werden müssten.

Neben der Verursachung von Versorgungsproblemen würde ein solches Importverbot verschiedenen internationalen Handelsabkommen widersprechen, die von der Schweiz abgeschlossen wurden. Zusätzlich zu steigenden Preisen könnten unserem Land Sanktionen seitens der Handelspartner drohen, was der Schweizer Exportwirtschaft schaden würde. Gerade dies sollte für die Wirtschaft ein Argument zur Ablehnung der beiden Initiativen sein.

Aus der Corona-Krise gelernt

Die Initianten der beiden Volksbegehren sind offensichtlich nicht in der Lage oder nicht bereit, über den Tellerrand zu schauen. Ansonsten hätten sie sich die weitreichenden negativen Konsequenzen überlegt, die eine Annahme der beiden Initiativen hätten.

Die gegenwärtige Corona-Krise zeigt, wie gefährlich es sein kann, wenn man sich zu sehr auf die Importe und die internationalen Lieferketten verlässt. Gerade für die Lebensmittelversorgung wäre es fahrlässig, die einheimische Produktion zu reduzieren. Auch die nachgelagerte Stufe wäre bei einer Annahme direkt betroffen und Arbeitsplätze wären gefährdet.

Aus diesem Grund lehnen viele Lebensmittelproduzenten und Detailhändler die beiden Anti-Landwirtschaftsinitiativen entschieden ab. Ich bitte Sie ebenfalls, die beiden Initiativen abzulehnen und Ihr Umfeld entsprechend für die Abstimmung zu mobilisieren.

Zum Autor

Mike Egger ist Fleischfachmann und arbeitet bei der Micarna. Der SVP-Politiker vertritt den Kanton St. Gallen im Nationalrat. Egger schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.